Stand: 05.11.2019 16:10 Uhr  - Schleswig-Holstein Magazin

Ausfälle auf Syltstrecke - Probleme bei Römö-Express

Die Streckensperrung war lange bekannt: Wegen Gleisbauarbeiten fahren Personen- und Autozüge nach Sylt in den kommenden vier Wochen deutlich seltener als üblich. Laut Deutscher Bahn sind die Autozüge unter der Woche nur noch montags und freitags sowie am Wochenende unterwegs. Zwischendurch ist die Strecke immer 80 Stunden gesperrt - von Montagabend bis Freitag 5.15 Uhr. Die genauen Zeiten gibt es auf den Webseiten des Sylt Shuttles der DB und des Autozugs Sylt. Auch die Personenzüge fahren nicht wie gewohnt.

Halb so viele Personenzüge

Für die Pendler sind die Sperrungen eine Geduldsprobe. Am Dienstagmorgen warteten sie gespannt - kommt er oder kommt er nicht? Doch der erste Zug um 4.30 Uhr fiel aus , eine Stunde später lief der Ersatzfahrplan. Einstieg für die kommenden Wochen ist ab Klanxbüll statt - wie gewohnt - ab Niebüll. Einer der Fahrgäste war am Dienstag Achim Bonnichsen von der Pendlerinitiative Sylt: "Die Wagen sind alle voll. Die Leute stehen in den Gängen. Vorne haben wir noch ganz viel Platz. Aktuell fahren wir hier mit einem Zwölf-Wagen-Zug, der hat aber leider nur eine Lokomotive. Wir wollen hoffen, dass die Lok durchhält. Wir haben nur eine Lok - und dann ist Feierabend." Doch auch er stellte später fest, dass das große Chaos am Dienstag ausblieb. Auch der Schienenersatzverkehr zwischen Niebüll und Klanxbüll sowie ab Keitum habe gut funktioniert, sagte er.

Autozug
Seit mehr als 60 Jahren fahren Autozüge über den Hindenburgdamm - eine 80-Stündige Sperrung ist trotz der langen Geschichte eine Ausnahmesituation.

Verspätungen, Zugausfälle - das alles kennen die Sylt-Pendler auf dem Nadelöhr zwischen Sylt und Festland seit Jahren. Vier Wochen Baumaßnahmen und nur noch halb so viele Personenzüge wie sonst sind auch für sie neu.

Zweite Syltfähre fällt eine Woche aus

Die Möglichkeit, per Fähre über die dänische Insel Röm nach Sylt zu gelangen, gestaltet sich nun ebenfalls schwieriger. Der Andrang war groß, denn die zweite Syltfähre ist noch nicht wie geplant im Einsatz. Auf der Überfahrt von Tallinn (Estland) nach Röm hatte es Probleme mit dem Motor gegeben. Die Reparaturarbeiten gestalten sich jedoch umfangreicher als angenommen. Wie die Reederei nun bekannt gab, soll die Fähre "Römö-Express" erst ab dem 12. November in den Dienst gehen. Bis dahin bietet die Fähre "Sylt-Express" zusätzliche Fahrten an - bei Bedarf bis in die späten Abendstunden. Fahrtgäste, die bereits ein Ticket gekauft haben, werden informiert.

140 Millionen für neue Gleise

Eine gelbe Gleisbaumaschine steht auf den Gleisen. © NDR
Bis 2022 werden 140 Millionen Euro für die Erneuerung der Gleisanlagen ausgegeben.

Bis zum 29. November ist die Strecke zwischen Lehnshallig und Klanxbüll an der Reihe. Mehr als drei Kilometer neue Gleise werden in diesem Abschnitt verlegt. Außerdem baut die Bahn in dieser Zeit in den Bahnhöfen in Niebüll und Westerland neue Weichen. Dann sollen rund 8.500 Meter Gleisen zwischen Morsum und Klanxbüll erneuert werden. Der Sonderfahrplan für die Autozüge gilt bis zum 8. Dezember. Insgesamt will das Unternehmen in den kommenden vier Jahren 140 Millionen Euro in neue Gleise investieren. Benjamin Schilling von der Bauüberwachung Deutsche Bahn sagte NDR Schleswig-Holstein: "Wir versuchen natürlich immer, kundenorientiert zu bauen. Wir haben jetzt in diesem Fall viele Maßnahmen gebündelt". Vier Maßnahmen setze man nun parallel um, um die Behinderungen so gering wie möglich zu halten.

Nicht komplett neue Situation

Eine derartige Ausnahmesituation hat es auf der Insel bisher aber noch nicht gegeben. Allerdings steht schon seit vielen Monaten fest, dass die Bauarbeiten kommen. Die Firmen auf der Insel hatten also genügend Zeit, sich auf das Problem einzustellen, so ein Sprecher des Vereins "Sylter Unternehmer".  Viele Einzelhändler haben zum Beispiel ihre Öffnungszeiten angepasst - sie öffnen später und schließen früher.

Handwerker und Hotels stehen vor Problemen

Laut NDR Schleswig-Holstein machen einige Restaurants jetzt Urlaub und schließen ihre Betriebe für die kommenden Wochen. Es gebe allerdings Befürchtungen, dass es zu einem Engpass beim Kleingeld kommen könnte. Denn auch die Geldtransporter kommen mit dem Autozug. Der Sonderfahrplan ist vor allem für die vielen Handwerker vom Festland ein Problem. Sie können ihr Baumaterial zwischen Dienstag und Donnerstag nicht mehr auf die Insel bringen. Das trifft vor allem die Hoteliers auf Sylt. Denn November ist Hochsaison, wenn es um Renovierungsarbeiten geht.

 

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Schleswig-Holstein Magazin | 05.11.2019 | 19:30 Uhr

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