Stand: 19.11.2019 15:53 Uhr

Abtreibungen: Weitere Gespräche in Flensburg

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Etwa 60 Menschen demonstrierten am Montag vor dem Flensburger Rathaus.

Die beiden kirchlichen Träger des geplanten Zentralkrankenhauses in Flensburg - Diako und Malteser - wollen Schwangerschaftsabbrüche nur noch in medizinischen Notfällen durchführen. Diese Entscheidung hatte in den vergangenen Wochen für Empörung gesorgt. Vor dem Flensburger Rathaus demonstrierten am Montagnachmittag etwa 60 Menschen gegen die Pläne. Sie übergaben eine Petition für den Erhalt eines stationären Versorgungsangebots für Schwangerschaftsabbrüche in Flensburg mit etwa 3.500 Unterschriften.

Eine von Oberbürgermeisterin Simone Lange (SPD) einberufene Gesprächsrunde mit den Krankenhaus-Verantwortlichen und der Beratungsstelle Pro Familia endete Stunden später ohne konkretes Ergebnis. Die Atmosphäre sei aber konstruktiv gewesen, sagte ein Sprecher der Stadt.

Es müssen weitere Gespräche geführt werden

Alle Beteiligten des Runden Tisches sind bereit, weitere Gespräche darüber zu führen, wie ein Angebot im Rahmen des neuen Standortes im Peelwatt geschaffen werden könnte. "Dazu wollen wir auch mit dem Sozial- und Gesundheitsminister des Landes Heiner Garg sprechen", sagt Simone Lange. "Insgesamt bin ich sehr erleichtert, dass es gelungen ist, alle Beteiligten zu solch konstruktiven Gesprächen um den Runden Tisch zu holen." Die Beteiligten sind sich einig, die Gespräche konstruktiv und zeitnah weiterzuführen, damit rechtzeitig im Entstehungsprozess des Krankenhauses eine tragfähige Lösung gefunden werden kann.

Das Diakonissenkrankenhaus und das St. Franziskus-Hospital wollen 2026 fusionieren. Dass Abtreibungen in der neuen Zentralklinik nur in Notfällen möglich sein sollen, hatte der Geschäftsführer des katholischen St. Franziskus-Hospitals als "ethisch-moralische, grundsätzliche Position der katholischen Kirche" bezeichnet, die "nicht verhandelbar" sei. Der Vorstandschef des evangelischen Diakonissenkrankenhauses erklärte, dass man in diesem Punkt habe nachgeben müssen.

Noch vier Ärzte nehmen operative Abbrüche vor

Das Diakonissenkrankenhaus will vor allem herauszufinden, wie groß der Bedarf an Möglichkeiten zum Schwangerschaftsabbruch für Frauen in Flensburg wirklich ist. Der Landesgeschäftsführer von Pro Familia, Reiner Johannsen, hat dazu eine klare Haltung: "Die Erfahrung zeigt, dass das Angebot in den letzten Jahren zurückgegangen ist und auch nicht abzusehen ist, dass dieser Trend aufhört. Eine Lösung muss darin bestehen, dass man dem entgegenwirkt." Nach NDR Recherchen gibt es in Flensburg derzeit nur noch vier Ärzte, die operative Abbrüche vornehmen - vor sechs Jahren waren es noch neun.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 18.11.2019 | 22:00 Uhr

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