Stand: 18.03.2019 10:38 Uhr

Abbiegeunfall: Bewährungsstrafe für Lkw-Fahrer

Acht Monate auf Bewährung - so lautet das Urteil gegen den Lkw-Fahrer, der vor anderthalb Jahren beim Abbiegen einen Jugendlichen übersehen hatte. Die Richterin am Amtsgericht Flensburg sah es als erwiesen an, dass der tödliche Unfall hätte verhindert werden können. Sie verhängte das Urteil gegen den 54-Jährigen wegen fahrlässiger Tötung. Zudem ordnete die Richterin ein dreimonatiges Fahrverbot an, und der Mann muss 1.500 Euro in Raten an eine gemeinnützige Einrichtung zahlen.

Richterin: Lkw-Fahrer nahm Jungen die Vorfahrt

Im September 2017 war der Mann mit seinem Zwölftonner an einer Kreuzung in Flensburg abgebogen. Dabei nahm er nach Ansicht des Gerichts dem 14-Jährigen die Vorfahrt. Der Junge erlag im Krankenhaus seinen Verletzungen. Die Staatsanwaltschaft hatte eine Bewährungsstrafe wegen fahrlässiger Tötung gefordert. Die Verteidigung hatte auf Freispruch plädiert. Die Bewährungsfrist beträgt drei Jahre. Gegen das Urteil kann Berufung eingelegt werden.

Verkehrsexperten fordern Sicherheitssysteme

Der Unfall hatte zuletzt die Diskussion um sogenannte Abbiege-Assistenten für Lastwagen wieder angeheizt. Der Abbiege-Assistent ist eine elektronische Überwachung des toten Winkels - also des Bereiches, den Lkw-Fahrer beim Abbiegen nach rechts nicht einsehen können. Befindet sich ein Fußgänger oder ein Radfahrer in diesem Feld, schlägt das System Alarm. Verkehrsexperten fordern schon lange, diese Sicherheitssysteme in alle Lkw einzubauen, doch eine solche Vorschrift fällt unter das EU-Recht und muss in Brüssel beschlossen werden. Schleswig-Holsteins Verkehrsminister Bernd Buchholz (FDP) unterstützt die Bemühungen seines Bundeskollegen Andreas Scheuer (CSU). Seinen Angaben nach könnten die Abbiege-Assistenten ab 2024 für alle neu in der EU zugelassenen Lkw Pflicht werden.

TBZ Neumünster rüstet Fahrzeuge bereits aus

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Beim Technischen Betriebszentrum (TBZ) Neumünster will man nicht erst bis zu einer Gesetzesänderung warten. Dort sollen bis zum Jahresende alle Fahrzeuge über 7,5 Tonnen Gesamtgewicht mit einem Abbiege-Assistenten ausgestattet sein. Laut TBZ-Chef Ingo Kühl betrifft das insgesamt 24 Fahrzeuge, von denen 13 bereits mit einem solchen System unterwegs sind. Die Umrüstung sei demnach im Zeitplan. Neufahrzeuge würden inzwischen grundsätzlich nur mit Abbiege-Unterstützung angeschafft.

Verkehrsexperten suchen nach weiteren Ideen für mehr Sicherheit

Beim Verkehrsgerichtstag im niedersächsischen Goslar Anfang des Jahres wurde neben Assistenz-Systemen auch ein anderer Vorschlag diskutiert: Mehrere Experten sprachen sich dafür aus, Ampelschaltungen an Kreuzungen so zu verändern, dass Radfahrer und Fußgänger bereits vor den Rechtsabbiegern ein grünes Lichtsignal bekommen, das auch deutlich länger steht. Mit dieser Lösung sollen sie den Gefahrenbereich auch schon verlassen haben, bevor Autos oder Lkw den Rad- oder Gehweg kreuzen.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 18.03.2019 | 11:00 Uhr

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