Stand: 16.05.2019 14:50 Uhr

A1: Autos wenden und fahren durch Rettungsgasse

Nach einer Reihe von Wendemanövern auf der A1 in Höhe Lübeck-Moisling ermittelt jetzt die Polizei. Handyvideos zeigen, wie nach einem schweren Lkw-Unfall am Dienstag mehrere Fahrzeuge in einem Stau plötzlich wenden.

Augenzeuge: "Man glaubt eine solche Situation nicht"

Augenzeuge Norbert Lehmkuhl berichtet, dass im Stau während der Vollsperrung zwar eine Rettungsgasse gebildet worden sei. Diese hätten einige Autofahrer aber zum Wenden genutzt: "Pkw mit Hänger haben einfach gedreht, in der Rettungsgasse. Man glaubt eine solche Situation gar nicht. Eltern oder Väter mit Kindern auf dem Beifahrersitz, die entgegen der Rettungsschneise fahren. Ich war einfach nur erschrocken", so Lehmkuhl. Er spricht von 40 Fahrzeugen, die gewendet hätten.

Polizei forderte zum Wenden auf - gegen 11.15 Uhr

Vier Videos, die die Wendemanöver auf der A1 bei Lübeck belegen sollen, sind bei der Polizei eingegangen. Im Internet wurden sie Zehntausende Male angeklickt. Die Ermittler prüfen nun die Filmaufnahmen und auch, ob einzelne Fahrer womöglich auf Anweisung der Einsatzkräfte gehandelt haben. Die Polizei selbst erklärte am Donnerstag, am Dienstag um 11. 15 Uhr mehrere Autofahrer aufgefordert zu haben zu wenden und über die Autobahnausfahrt abzufahren.

Augenzeuge Lemkuhl sagte, seine Videos seien vorher entstanden. Die Polizei prüft das nun. NDR Schleswig-Holstein liegen die Videoaufnahmen vor. Nach den dort hinterlegten Informationen - die sich theoretisch allerdings auch manipulieren lassen - sind die Videos am Dienstag gegen 10.20 Uhr aufgenommen worden.

Wer auf der Autobahn gegen die Fahrtrichtung fährt, muss laut Polizei mit 200 Euro Strafe, zwei Punkten und einem Monat Fahrverbot rechnen.

Ermittlungen auch gegen Augenzeugen

Das Landespolizeiamt ermittelt nun auch gegen den Augenzeugen der die Handyvideos gedreht hat. Wie ein Sprecher der Polizei Lübeck sagte, prüfe das Amt, ob der Augenzeuge beim Aufzeichnen oder durch das Veröffentlichen der wendenden Fahrzeuge inklusive ihrer Nummernschilder, datenschutzrechtliche Bestimmungen verletzt habe oder nicht. Außerdem müsse nun geprüft werden, ob die Fotos und Videos aus datenschutzrechtlichen Gründen polizeilich verwendet werden dürfen. Der Zeuge, der die Videos gedreht hatte, sagte NDR Schleswig-Holstein auf Anfrage, er akzeptiere eine mögliche Strafe und stehe zu seiner Tat.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 16.05.2019 | 15:00 Uhr

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