Stand: 04.08.2020 18:19 Uhr  - NDR 1 Niedersachsen

Missbrauch in Lügde: Mann aus Northeim angeklagt

In einem Gerichtssaal liegen mehrere Aktenordner übereinander auf einem Tisch. © dpa picture alliance Foto: Bernd Thissen
32 weitere Beschuldigte sind laut Anklage aus dem Verfahren heraus identifiziert worden. (Themenbild)

Im Zusammenhang mit den Missbrauchsfällen auf einem Campingplatz in Lügde (Nordrhein-Westfalen) hat die Staatsanwaltschaft Göttingen einen 48-jährigen Mann aus dem Landkreis Northeim angeklagt. Ihm werden schwerer sexueller Missbrauch von Kindern und Jugendlichen und der Besitz kinderpornografischer Schriften vorgeworfen, wie die Staatsanwaltschaft am Dienstag mitteilte. Gegen ihn laufen den Ermittlern zufolge neun Strafverfahren, die sieben Opfer betreffen. Zu den Vorwürfen hat sich der Beschuldigte demnach bisher nicht geäußert. Er sitzt bereits in Untersuchungshaft. Bei einer richterlich angeordneten Hausdurchsuchung im März seien 43 Datenträger mit entsprechenden digitalen Beweismitteln sichergestellt worden, erklärten die Ermittlungsbehörden.

VIDEO: Lügde: Tatverdächtiger aus Northeim angeklagt (6 Min)

48-Jähriger soll Kontakt zu Haupttäter von Lügde gehabt haben

Der mutmaßliche Täter aus Northeim soll Kontakt zum verurteilten Haupttäter im Fall Lügde, Andreas V., gehabt haben. "Man könnte sagen, es handelt sich um Bekannte", sagte Frank-Michael Laue von der Staatsanwaltschaft Göttingen dem NDR. "Und man hat sich wohl auch über die Taten oder über die Vorlieben ausgetauscht." So hätten sich aus den Ermittlungen in Nordrhein-Westfalen Spuren in Richtung Landkreis Northeim ergeben.

Unter den Opfern: Ein Mädchen vom Campingplatz

Nach Recherchen von NDR, WDR und Süddeutscher Zeitung soll unter den mutmaßlichen Opfern aus Northeim auch ein Mädchen sein, dass bereits von Andreas V. auf dem Campingplatz in Lügde missbraucht worden war. Die Staatsanwaltschaft äußert sich dazu nicht. Die Ermittler teilten am Dienstag aber mit, dass durch den Fall Northeim 130 weitere Strafverfahren eingeleitet wurden: "32 Personen hat man bislang identifizieren können", sagte Laue. "Die Hoffnung ist natürlich, dass auch noch weitere Beschuldigte aus der Anonymität geholt werden können."

Ermittlungen im Umfeld des Angeklagten

Der Beschuldigte sei vernommen worden, hieß es weiter. Außerdem sei auch im Umfeld des 48-Jährigen ermittelt worden. "Diese Ermittlungen erhärteten den Verdacht gegen den Mann, mehrere Kinder und Jugendliche missbraucht zu haben", so die Polizei. Auch die sichergestellten Datenträger stärkten diesen Verdacht.

Lob für Zusammenarbeit der Behörden

Stefan Studenroth, Leitender Oberstaatsanwalt in Göttingen, lobte am Dienstag die Zusammenarbeit der Strafverfolgungsbehörden und Jugendämter. Die Staatsanwaltschaft Detmold (Nordrhein-Westfalen) habe alle relevanten Informationen der entsprechenden Taten an die Staatsanwaltschaft Göttingen weitergeleitet.

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In einem Gerichtssaal liegen mehrere Aktenordner übereinander auf einem Tisch. © dpa picture alliance Foto: Bernd Thissen

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NDR 1 Niedersachsen | Regional Braunschweig | 04.08.2020 | 17:00 Uhr

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