Castor-Transport: Göttinger Anti-Atom-Bündnis plant Aktion

Stand: 19.10.2020 17:53 Uhr

Ende des Monats sollen sechs Behälter mit aufbereitetem Atommüll durch Niedersachsen nach Biblis rollen. Eine Anti-Atom-Initiative aus Göttingen bereitet eine dreitägige Protestaktion in der City vor.

Die Gruppierung erwartet die Durchfahrt des Castor-Transports durch Göttingen für die Zeit zwischen dem 30. Oktober und 1. November. "Wir wenden uns entschieden gegen jegliche Atommüllverschiebung, solange es noch kein geeignetes Endlager gibt und der Atommüll lediglich in ein Zwischenlager gebracht wird", sagte Initiativensprecherin Annette Ramaswamy. Die Genehmigungen der Zwischenlager seien zeitlich befristet, deshalb solle die Bevölkerung auf die "unsinnigen" Transporte aufmerksam gemacht werden. Der Castor-Transport führe auch durch dicht besiedelte Wohnbezirke. Der Atommüll soll Ende Oktober in Nordenham (Landkreis Wesermarsch) anlanden und dann auf der Schiene über Bremen, Oldenburg, Hannover und Göttingen nach ins hessische Biblis gebracht werden.

Initiativen fordern Sicherheitszusagen für die Bevölkerung

Am Montag hat sich ein breites Anti-Atomkraft-Bündnis, darunter die Bürgerinitiative Umweltschutz Lüchow-Dannenberg und die Arbeitsgemeinschaft Schacht Konrad, an die Innenminister von Niedersachsen und Hessen sowie den Bremer Innensenator gewendet. Sie fordern in dem Schreiben Sicherheitszusagen seitens der Behörden für die Bevölkerung.

Gibt es Evakuierungspläne?

"Der Castor-Transport durchfährt diverse Bahnhöfe, auf welchen Bahnreisende auf den Bahnsteigen stehen", heißt es in dem Schreiben. "Werden die Reisenden auf den Bahnsteigen informiert und aufgefordert, den Gefahrenbereich zu verlassen bevor der Transport durch den Bahnhof fährt, um sie vor einer möglicherweise gesundheitsgefährdenden Strahlung zu schützen?" Zudem fragten sie nach Evakuierungspläne für Bahnhöfe und Wohngebiete, sollte der Castor-Transport längere Zeit halten.

Polizeiverbände fordern Absage des Castor-Transports

Polizeigewerkschaften fordern aus Sicherheitsgründen die Absage des aktuellen Transports. Man könne nicht gleichzeitig für den Infektionsschutz in der Corona-Pandemie sorgen und einen Großeinsatz wie einen Castor-Transport begleiten.

Dieser ist der Auftakt für eine Reihe von Verladungen: In den nächsten vier Jahren sollen 19 weitere Castor-Behälter nach Deutschland gebracht werden - 14 aus dem englischen Sellafield und fünf aus dem französischen La Hague. Außer Biblis werden die Zwischenlager an den Atomkraftwerken in Philippsburg (Baden-Württemberg), Ohu (Bayern) und Brokdorf (Schleswig-Holstein) angefahren. Bei dem Atommüll handelt es sich um wiederaufbereitete abgebrannte Brennelemente aus deutschen Atomkraftwerken, zu deren Rücknahme sich die Bundesregierung verpflichtet hat.

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Nebeneinander stehen die Reaktorgebäude A (r.) und B des Kernkraftwerks im südhessischen Biblis. © dpa Foto: Arne Dedert

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 19.10.2020 | 18:00 Uhr

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