AfD Niedersachsen wählt Wundrak zum Spitzenkandidaten

Stand: 04.07.2021 18:18 Uhr

Die niedersächsische AfD hat Joachim Wundrak erneut zum Spitzenkandidaten für die Bundestagswahl bestimmt. Auch auf Platz zwei und drei wurden Kandidaten gewählt, die zum moderaten Lager zählen.

Der 66 Jahre alte Ex-Generalleutnant setzte sich - wie schon bei der ersten Wahl - auf dem ersten Listenplatz klar durch. Es sei nun eine wichtige Aufgabe, die Gräben in der Partei zu überwinden, sagte Wundrak nach der Wahl am Sonnabend. Die AfD in Niedersachsen gilt als tief zerstritten. Das vermeintlich gemäßigtere Lager um Wundrak hatte schon bei der ersten Wahl im Dezember alle aussichtsreichen Listenplätze für die Bundestagswahl besetzt.

Zuvor aufgestellte Liste galt als nicht rechtssicher

Die damals unterlegene Gruppe des völkisch-nationalen Lagers, der auch Landesvorstand Jens Kestner zugerechnet wird, äußerte später Zweifel an der Liste. Diese galt als nicht rechtssicher, weil einige Mitglieder nicht eingeladen worden waren. Die Landeswahlleitung hatte Anfang Mai die Kandidatenaufstellung der AfD zumindest infrage gestellt. Es könne "nicht prognostiziert werden", ob der Landeswahlausschuss die vorgelegte Liste akzeptiere oder verwerfe, hieß es. Auch mehrere Gutachten im Auftrag des Landesvorstands legten diesen Schritt ebenfalls nahe. Bereits Mitte Mai wollte die Partei daraufhin die Landesliste für die Bundestagswahl neu aufstellen. Doch der Parteitag in Braunschweig wurde abgebrochen, da in der Milleniumhalle mehr Menschen waren, als nach den zu der Zeit gültigen Corona-Regeln erlaubt waren.

Landeschef Kestner ruft zur Einheit auf

Jens Kestner, Landesvorsitzender der AfD Niedersachsen, spricht bei einem Sonderparteitag der AfD Niedersachsen. © dpa Foto: Moritz Frankenberg
Der AfD-Landesvorsitzende Jens Kestner unterlag bei der Wahl um den zweiten Listenplatz.

Die Gruppe um Wundrak sicherte sich am Sonnabend wieder die vorderen Plätze. Landeschef Kestner hatte zu Beginn der Veranstaltung die knapp 600 anwesenden Parteimitglieder zur Einheit aufgerufen. Sie müssten als Mannschaft auftreten, sagte er. "Wir gehören alle derselben Partei an, auch wenn es manchmal nicht so aussieht."

Frank Rinck auf zweiten Listenplatz gewählt

Bei der anschließenden Abstimmung über den zweiten Listenplatz unterlag Kestner. Er wolle trotzdem als Landesvorsitzender weitermachen, sagte er. Auch der ehemalige Landeschef Armin-Paul Hampel, der dem rechten Lager zugerechnet wird, scheiterte mit seiner Bewerbung um Platz drei. Auf Platz zwei wurde erneut Frank Rinck und auf Rang drei der Bundestagsabgeordnete Thomas Erhorn gewählt. Auf Platz vier und fünf kamen die Bundestagsabgeordneten Dietmar Friedhoff und Jörn König. Die hinteren Listenplätze sollten am Sonntag bestimmt werden. Spätestens am 19. Juli muss die Landeswahlleitung Klarheit über die vorgelegte Liste haben.

"Bündnis gegen Rechts" demonstriert gegen AfD

Polizei und Demonstrierende stehen sich gegenüber. © NDR Foto: Marco Heuer
Das "Bündnis gegen Rechts" und andere Gruppierungen demonstrierten gegen den Landesparteitag der AfD in Braunschweig.

Noch bevor die Partei mit ihrer Veranstaltung begann, protestierte das "Bündnis gegen Rechts" mit nach eigenen Angaben 400 Personen gegen die AfD. Laut einer Sprecherin soll es "massive Einschränkungen" durch die Polizei gegeben haben. Sie hätte den Demonstrierenden unter anderem direkte Wege zum Veranstaltungsort versperrt. Die Polizei bestätigte, dass Demonstrierende eine zu enge Eingitterung der Zuwege kritisiert hätten. Die Beamten hätten den Korridor dann erweitert, um einen ungehinderten Zugang zum Kundgebungsort zu gewährleisten. Die Proteste seien bis auf einzelne Sitzblockaden ohne Zwischenfälle verlaufen, so die Polizei. Den Beamten zufolge nahmen rund 350 Menschen an der Kundgebung teil.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 03.07.2021 | 09:00 Uhr

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