Stand: 22.04.2020 13:33 Uhr  - Panorama 3

Wenig Infektionsschutz-Kontrollen bei Ernte

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Viele Höfe brauchen Saisonarbeitskräfte für die Ernte - etwa von Spargel.

Es ist ein Dilemma: Die Ernte soll eingebracht werden, doch gleichzeitig muss verhindert werden, dass Beschäftigte sich mit dem neuen Coronavirus infizieren und damit sich und andere Menschen gefährden. Ob Spargel oder Salat - die Saisonarbeitskräfte arbeiten normalerweise in großen Gruppen. Helfer aus anderen Ländern wie Rumänien sind eigentlich in Mehrbettzimmern untergebracht und fahren gemeinsam zum Feld. Das birgt ein großes Infektionsrisiko.

Hygieneunterweisung und kleine Gruppen

Deshalb sieht ein Gesundheitsschutzkonzept von Bundesinnen- und Bundeslandwirtschaftsministerium derzeit eine Hygieneunterweisung der Saisonarbeitskräfte in der jeweiligen Landessprache und möglichst kleine Arbeitsgruppen vor. Zimmer und Transportbusse sollen demnach nur halb ausgelastet, Mitarbeiter angehalten werden, während der Fahrt Mundschutz und Handschuhe zu tragen.

Erntehelfer: Werden die Regeln eingehalten?

Panorama 3 -

Die strengen Vorgaben des Infektionsschutzes einhalten und gleichzeitig Gemüse ernten ist nicht einfach: Einige Landwirte halten sich offenbar nicht an alle Corona-Auflagen.

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Erlass: Unterbringung möglichst in Einzelzimmern

In einem Erlass für das Land Niedersachsen heißt es sogar, eine Unterbringung solle möglichst nur in Einzelzimmern erfolgen. Küche und Bad seien demnach so zu nutzen, dass eine ausreichende Distanz zwischen den Bewohnerinnen und Bewohnern gewährleistet ist. Doch wer kontrolliert, ob die neuen Vorschriften auch eingehalten werden?

Umfrage unter Landkreisen: Bisher kaum Kontrollen

Eine Umfrage des NDR exemplarisch unter mehreren niedersächsischen Landkreisen hat ergeben, dass Höfe dort bisher offenbar selten kontrolliert wurden. Eine Sprecherin der Region Hannover etwa schrieb, eine Kontrolle durch die Gesundheitsämter sei vonseiten des Landes und des Bundes nicht vorgesehen. Auf Nachfrage sagte sie, die Verantwortung für die Umsetzung des Infektionsschutzes liege bei den Landwirten.

Der Landkreis Verden erklärte, Kontrollen seien bisher keine durchgeführt worden, da keine Anzeigen vorlägen. Und der Heidekreis hat die Höfe nach eigener Auskunft zwar ausführlich über die nötigen Hygienemaßnahmen informiert, schrieb aber, dass die Betriebe bisher nicht vor Ort überprüft worden seien. Der Kreis Harburg erklärte, die Kontrolle erfolge derzeit nach Risikobewertung. Auf Nachfrage hieß es, bisher sei ein Hof kontrolliert worden. Häufigkeit und Form von Kontrollen seien allerdings nicht in der entsprechenden Verordnung festgelegt. Genau darauf verwiesen auch die Landkreise Stade und Lüneburg. Die Frage, wie viele Betriebe bislang kontrolliert worden seien, haben sie nicht beantwortet.

Im Landkreis Celle überprüfte das Gesundheitsamt nach eigenen Angaben im April bislang zwei Höfe, Verstöße seien nicht festgestellt worden. Vom Landkreis Diepholz hieß es, man habe fünf telefonische Unternehmenskontakte gehabt, unangekündigte Ortstermine seien aber geplant. Der Landkreis Oldenburg schrieb, das Gesundheitsamt würde die Unterkünfte stichprobenartig ohne Ankündigung kontrollieren. Wie viele Unterkünfte bisher kontrolliert wurden, beantwortete der Kreis aus Zeitgründen allerdings nicht.

Niedersachsens Grüne: Fahrlässige Praxis

Nach Erkenntnissen der niedersächsischen Grünen laufe es derzeit wohl so, dass die Betriebe ein Infektionsschutzkonzept erarbeiteten, dieses müsste dann von der Gewerbeaufsicht genehmigt werden. "Danach aber, so scheint es, ruht der See still", schreibt der Sprecher der Grünen im Landtag, Andreas Möser. Die Fachaufsicht sei hier gefordert, so Möser, es sei fahrlässig das alles den Betrieben nach Gutdünken zu überlassen.

Ministerium: Gut funktionierende Strukturen

Niedersachsens Gesundheitsministerium dagegen erklärt: "Wir verfügen hier in Niedersachsen über gut funktionierende Strukturen." Die Kontrollen würden den kommunalen Behörden obliegen, schreibt Sprecherin Justina Lethen, das könne beim Infektionsschutz das Gesundheitsamt, aber auch das Ordnungsamt sein. Beim Arbeitsschutz sei die Gewerbeaufsicht verantwortlich. Anlassbezogene und gegebenenfalls stichprobenartige Überprüfungen könnten jederzeit durchgeführt werden.

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Dieses Thema im Programm:

Panorama 3 | 21.04.2020 | 21:15 Uhr

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