Ein Stern wird an den oberen Teil der Marktkirche projiziert. © Picture Alliance Foto: Moritz Frankenberg

Weihnachtsgottesdienste: Eine komplizierte Corona-Planung

Stand: 22.11.2021 12:12 Uhr

Steigende Infektionszahlen, 2G oder 3G, mit Zugangsbeschränkung oder ohne, online oder analog: Für die Veranstalter von Weihnachtsgottesdiensten wird es kompliziert an den Feiertagen.

Die evangelische Landeskirche Hannover wollte Gottesdienste an Heiligabend und den Weihnachtstagen so weit wie möglich ohne Zugangsbeschränkungen ermöglichen. Davon ist sie nun abgerückt und empfiehlt ihren Gemeinden 2G- und 3G-Modelle, die ungeimpfte Menschen teilweise ausschließen - zumindest von der physischen Teilnahme. Sie plädiert gleichzeitig dafür, Angebote für alle Gläubigen zu machen, im Zweifel online.

Innerkirchliche Kontroverse zu 2G und 3G

Die Frage, ob Gottesdienste mit oder ohne Beschränkung stattfinden wird innerhalb der evangelischen Kirche kontrovers diskutiert. Der Hildesheimer evangelische Superintendent Mirko Peisert hält es für "hochproblematisch", wenn sich Präsenzgottesdienste ausschließlich an Geimpfte und Genesene wenden. "Ich selbst bin geimpft und werbe für die Impfung", sagte der leitende Theologe des Kirchenkreises Hildesheim-Sarstedt. "Dennoch kann ich es theologisch nicht rechtfertigen, Menschen aufgrund ihrer Einstellung zur Impfung vom Gottesdienst in der Kirche auszuschließen." Für Dirk Jäger ist die Zugangsbeschränkung für ungeimpfte Menschen unumgänglich. Der Superintendent der Gemeinde in Hittfeld (Landkreis Harburg) sagt: "Ich kann nicht nachvollziehen, dass die evangelische Kirche lange Zeit bewusst auf Beschränkungen verzichtet hat." Würde ungeimpften Menschen der Zugang gewährt, müssten Abstandsregeln vergrößert und Besuchszahlen reduziert werden. "Ich frage mich, schützen wir damit nicht die Falschen?," so Jäger, der ehrenamtlich in einem Impfzentrum gearbeitet hat.

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Kurpark Lüneburg: Ökumenischer Gottesdienst für alle

Und so versuchen die Gemeinden, das beste aus den Vorgaben und Empfehlungen für ihre Gemeindemitglieder herauszuholen. Pastor Hartmut Merten aus der Lüneburger Paulskirche sagt zum Weihnachtsgottesdienst: "Wir haben uns überlegt, den in diesem Jahr unter 2G stattfinden zu lassen." Dadurch wäre mehr Platz für geimpfte und genesene Menschen. "Allerdings empfiehlt die Landeskirche jetzt, auch bei 2G Abstände einzuhalten", sagt Merten. "Wir müssen sehen, wie wir damit umgehen." Als Alternative gibt es im Lüneburger Kurpark einen ökumenischen Gottesdienst für alle - Geimpfte, Genesene und Getestete.

Marktkirche Hannover: viermal 2G, zweimal ohne Beschränkung

Die Marktkirchengemeinde in Hannover setzt auf Masse. Sie plant sechs Weihnachtsgottesdienste, darunter vier mit 2G-Regeln und zwei Gottesdienste ohne Beschränkungen, dafür mit weniger Plätzen, Maskenpflicht und Abständen. "Wir sind im Spannungsfeld, möglichst vielen Menschen einen Gottesdienstbesuch zu ermöglichen und möglichst viel Sicherheit zu gewähren", sagt Anne Constanze Wolters vom Veranstaltungsmanagement. Bei den vier Gottesdiensten mit 2G, bei denen zweimal Landesbischof Ralf Meister predigen wird, sollen jeweils 700 Menschen in der Kirche Platz finden. Der Organisationsaufwand sei immens, unter anderem müssten die Kinderchöre vorher getestet werden. Die Pläne stünden noch unter Vorbehalt.

Riebrau-Zernien setzt auf Erfahrung unter freiem Himmel

Die Landgemeinde Riebrau-Zernien (Landkreis Lüchow-Dannenberg) lädt ihre Gemeindemitglieder, ob geimpft oder nicht, zu drei Gottesdiensten im Freien ein. Die Erfahrungen aus dem vergangenen Jahr seien hilfreich, sagt Pastor Michael Gierow. Bei den Veranstaltungen auf dem Dorfplatz und vor den Kirchen soll auch der Posauenchor auftreten. "Das hat nicht nur gut geklappt, sondern ist auch gut angekommen", sagt Gierow. "Und wir haben keinen Stress, weil wir das schon erprobt haben."

15 Gottesdienste in Osnabrücks Südstadt

Die meisten Gottesdienste in Niedersachsen plant vermutlich die Südstadt-Kirchengemeinde in Osnabrück. Am 24. Dezember soll es laut Diakon Dirk Hartung 15 Veranstaltungen geben - teils drinnen, teils draußen, teils 2G, teils für alle.

Reformierte Kirche in Leer gegen 2G

Die evangelisch-reformierte Kirche mit Sitz in Leer und Gemeinden in ganz Deutschland spricht sich weiter klar gegen jede Zugangsbeschränkung aus. Sie setzt auf Abstand und Hygiene.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Regional Braunschweig | 22.11.2021 | 06:30 Uhr

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