Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) spricht im Landtag. © picture alliance/dpa/Julian Stratenschulte Foto: Julian Stratenschulte

Vor dem Corona-Gipfel: Weil sieht wenig Spielraum

Stand: 22.03.2021 12:19 Uhr

Vor dem digitalen Treffen von Bund und Ländern sieht Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) wenig Spielraum für Lockerungen, weil die Zahl der Corona-Infektionen weiter steigt.

Weil warnte im Vorfeld des heutigen Gipfels davor, allzu viel zu erwarten, wie NDR 1 Niedersachsen berichtet. Trotzdem möchte die Landesregierung den Menschen eine Perspektive bieten. Das Land will zum Beispiel Osterurlaub möglich machen. Niedersachsen hat zusammen mit Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern einen Vorschlag erarbeitet. Derweil mehren sich die Stimmen, die eine nächtliche Ausgangssperre fordern.

Urlaub im eng begrenzten Rahmen?

In Ferienhäusern und -wohnungen sowie in Campingmobilen und Wohnwagen sollen Selbstversorger im eigenen Bundesland über Ostern Urlaub machen können. Man eröffne mit dem Vorschlag in einem eng begrenzten Bereich eine Alternative für einen sicheren Urlaub in der Heimat, so Ministerpräsident Weil. Die Landesregierung plant zudem einen Modellversuch für den Einzelhandel. Ab kommendem Montag sollen in einzelnen Städten Geschäfte für Negativ-Getestete öffnen dürfen. Darüber soll aber erst nach den Gesprächen heute endgültig entschieden werden.

Weil warnt vor neuem Hotspot

Zuvor hatte der Ministerpräsident die Bundesregierung dafür kritisiert, die Reisewarnung für Mallorca und Balearen aufzuheben. Gegenüber dem "Redaktionsnetzwerk Deutschland" (RND) forderte Weil eine erneute Reisewarnung für die Mittelmeer-Inseln. Demnach nannte Weil die Aufhebung einen "schweren Fehler". Es sei das Beste, "die Bundesregierung würde ihre Entscheidung revidieren". Wenn Menschen aus ganz Europa über Ostern auf Mallorca zusammen kämen, berge das die Gefahr eines neuen Corona-Hotspots.

Schulrückkehr geht weiter

Obwohl der Regierungschef angesichts der dritten Infektionswelle Lockerungen kaum Chancen einräumt, geht an Niedersachsens Schulen die Rückkehr der Schüler in den Präsenzunterrricht im sogenannten Szenario B weiter. In allen Regionen, deren Corona-Wert unter 100 liegt, gilt dann das Wechselmodell, bei dem die Klassen in Gruppen abwechselnd zu Hause und im Klassenraum unterrichtet werden. Kultusminister Grant Hendrik Tonne (SPD) hatte diese schon vor Wochen angekündigte Öffnung am Freitag bekräftigt, obwohl fast jede dritte Region im Land die 100er-Marke derzeit reißt. Der Wert bezieht sich auf die neuen Infektionen pro 100.000 Einwohner binnen einer Woche.

Ziehen Bund und Länder die Reißleine?

Landesweit kratzt Niedersachsen mittlerweile wieder an einem Inzidenzwert nahe der 100. Im Bundesdurchschnitt hat der Inzidenzwert die 100er-Marke mittlerweile gerissen. Am Montagmittag lag der Wert laut Robert-Koch-Institut (RKI) bei 107,3. Beim letzten Gipfel hatten sich Bund und Länder darauf geeinigt, dass bei einem Überspringen dieses Wertes die Notbremse gezogen werden soll. Nachdem, was bisher vor dem heutigen Treffen bekannt wurde, könnten die zuletzt beschlossenen Lockerungen wieder kassiert und der Lockdown bis mindestens zum 18. April verlängert werden. Zudem zitiert das Nachrichtenmagazin "Der Spiegel" aus der Beschlussvorlage des Kanzleramtes, dass in Kommunen mit Inzidenzwerten deutlich über 100 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohnern binnen sieben Tagen auch nächtliche Ausgangssperren verhängt werden könnten.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 22.03.2021 | 08:00 Uhr

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