Stand: 16.07.2019 19:45 Uhr

Ursula von der Leyen: eine Karriere

Ursula von der Leyen (CDU), bei ihrer Bewerbungsrede auf das Amt der EU-Kommissionspräsidentin in Straßburg, hat innerhalb weniger Jahre eine beachtliche Karriere hingelegt.

Am Vorabend ihres 60. Geburtstags am 8. Oktober 2018 hatte sich die Hannoveranerin Ursula von der Leyen noch mit einem unerfreulichen Thema auseinandergesetzt: Hass-Posts, die sie und andere Politiker für ein Bühnenprojekt des Hamburger Theaters Kampnagel zur Verfügung gestellt hatten. Als prominente CDU-Politikerin und Bundesverteidigungsministerin steht sie im Visier vieler Menschen, die ihrem Hass oft ungehemmt freien Lauf lassen. "Wir sind gefragt, dagegen aufzustehen. Wir sind gefragt, dagegen unsere eigene Sprache zu entwickeln", ist von der Leyens Reaktion.

Eine Fahne der Europäischen Union weht vor dem Hintergrund eines blauen Himmels. © dpa picture alliance Foto: Sachelle Babbar

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NDR Info - Aktuell -

Die CDU-Politikerin Ursula von der Leyen will EU-Kommissionspräsidentin werden. Wie die Wahl in Straßburg funktioniert und wer wählt, erklärt NDR Info in einem kurzen Video.

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Erste Frau an der Spitze der EU-Kommission

Neun Monate später steht von der Leyen vor der Krönung ihrer steilen Politikkarriere: Sie ist am Dienstag als Nachfolgerin des Luxemburgers Jean-Claude Juncker zur ersten Frau an der Spitze der Europäischen Kommission gewählt werden. Der französische Staatspräsident Emmanuel Macron schlägt von der Leyen vor. Bei der Abstimmung erhält sie die Zustimmung aller europäischen Staats- und Regierungschefs. Sie würde auch in die Fußstapfen Walter Hallsteins (CDU, 1901 bis 1982) treten, der 1958 - im Geburtsjahr von der Leyens - zum ersten Vorsitzenden der Kommission der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft (EWG) gewählt wurde. Nach dessen Rücktritt 1967 fusionierten die drei bestehenden Kommissionen EWG, Europäische Gemeinschaft für Kohl und Stahl (EGKS) und die Europäische Atomgemeinschaft (EAG) zur Europäischen Gemeinschaft (EG).

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Als Arbeits- und Sozialministerin ins Verteidigungsressort

Dass die CDU-Politikerin aus Niedersachsen 2013 als erste Frau Verteidigungsministerin wird, ist eine Überraschung: Eigentlich soll die Ärztin aus der Region Hannover - gegen ihren eigenen Wunsch - 2013 das Gesundheitsressort übernehmen. Doch nach der Zustimmung der SPD-Basis zur Großen Koalition folgt sie ihrem Parteikollegen Thomas de Maizière im Amt. Die Zeit als Verteidigungschefin ist vor allem von Konflikten innerhalb ihrer Behörde geprägt. Es geht um unzureichende Verfügbarkeit militärischer Einsatzmittel, Terrorermittlungen gegen Bundeswehrsoldaten, Nazi-Devotionalien und Waffendiebstähle in Kasernen und nicht zuletzt um das Millionengrab "Gorch-Fock" und falsche Meldungen ihrer Mitarbeiter.

Von der Leyen modernisiert das konservative Familienbild in der Union

Erste Erfahrungen auf Bundesebene sammelt sie ab 2005 - keine zwei Jahre nach ihrer Ernennung zur Sozialministerin in Niedersachsen. Angela Merkel (CDU) holt von der Leyen für die Themen Familie und Gesundheit in ihr "Kompetenzteam". Seitdem sind die Kabinette Merkels unweigerlich mit dem Namen von der Leyen verbunden. Die Hannoveranerin wird 2005 Familienministerin. 2009 übernimmt sie nach wenigen Wochen als Familienministerin das Arbeits- und Sozialministerium von Franz-Josef Jung (CDU), der infolge der sogenannten Kunduz-Affäre seine bundespolitischen Ambitionen aufgibt. Seit dem Wechsel profitiert ihr Ansehen von der positiven Entwicklung am deutschen Arbeitsmarkt. Die Arbeit im Familienministerium wird vielerorts gelobt. Von der Leyen sorgt gegen erheblichen Widerstand der CSU und Kritik aus der katholischen Kirche für eine Modernisierung des verstaubten Familienbildes in der Union. Sie führt das Elterngeld ein und setzt sich mit Plänen für den Ausbau von Krippenplätzen - unterstützt von Koalition und Opposition - durch. Im Juni 2017 stimmt sie - als Verteidigungsministerin - für die Ehe für alle.

Politische Blitzkarriere einer Ärztin

Nach einem Medizinstudium arbeitet sie ab 1987 als Ärztin, promoviert 1991. Von 1992 an lebt sie mit der Familie bis 1996 in Kalifornien und gibt die medizinische Karriere zugunsten der Familie auf. Die politische Karriere ist zu diesem Zeitpunkt noch fern, obwohl sie 1990, mit 32 Jahren, in die CDU, die Partei ihres Vaters, eintritt. Nach der Rückkehr nimmt sie Ausschussaufgaben in der Landespolitik wahr, bis Ministerpräsident Christian Wulff sie 2003 zur Sozialministerin ernennt. Von da an ist ihre Laufbahn nicht mehr zu stoppen.

Kritik aus den eigenen Reihen und von Plagiatsjägern

Ende 2010 wählt der CDU-Bundesparteitag von der Leyen zu einer von vier Stellvertretern von Parteichefin Merkel. Wegen ihres Vorstoßes zur Frauenquote vor der Wahl mit der Drohung, notfalls mit der Opposition zu stimmen, macht sich die Politikerin in der Partei viele Feinde.

Gegen Kritik muss von der Leyen sich auch wehren, als Plagiatsjäger der Internet-Plattform "VroniPlag Wiki" ihr vorwerfen, bei ihrer Dissertation 1990 abgeschrieben zu haben. 2016 entscheidet der Senat der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) aber mehrheitlich: Von der Leyen darf ihren Doktortitel behalten.

Von der Leyens politische Blitzkarriere

Mutter von sieben Kindern

Von der Leyen ist die Tochter des ehemaligen Ministerpräsidenten von Niedersachsen, Ernst Albrecht (CDU). Häufig ist die zierliche und telegene Politikerin zu Gast in Talkshows. Geschätzt wird sie wegen ihres scharfen Verstandes und ihrer Redegewandtheit. Ihren Spitznamen "Röschen" bekommt sie bereits als Kind von ihrer Familie. Von der Leyen ist selbst Mutter von sieben Kindern und seit 1986 mit dem Mediziner und Geschäftsführer einer Biotec-Firma, Heiko von der Leyen, verheiratet. Die Familie wohnt in Burgdorf-Beinhorn.

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Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Aktuell | 16.07.2019 | 12:00 Uhr

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