Stand: 17.04.2020 06:50 Uhr

Tonne: "Behutsamer Start" in den Schulen

Eine Lehrern steht neben einer Tafel in einem Klassenraum ohne Schüler. © NDR
Die Klassen kehren nach und nach zurück - und unter Vorbehalt, so Kultusminister Tonne.

Es ist ein "schrittweises Wiederanfahren", ein "Herantasten", ein "sanfter Einstieg": Die Wiedereröffnung der Schulen in Niedersachsen ist keine Rückkehr zur Normalität, wie man sie vor dem Coronavirus kannte. Das hat Kultusminister Grant Hendrik Tonne (SPD) am Donnerstag sehr deutlich gemacht. Nur ganz allmählich geht der Unterricht wieder los - und falls das Infektionsgeschehen es notwendig macht, können Schulen auch wieder geschlossen werden.

VIDEO: Corona: Schulen bereiten sich auf Wiedereinstieg vor (7 Min)

Prüflinge sind zuerst dran

Am 27. April sollen zunächst die Abschlussklassen wieder in die Schule gehen. Alle Prüfungen sollen stattfinden, die Prüflinge durch die Rückkehr zum Präsenzunterricht die Möglichkeit erhalten, sich darauf vorzubereiten. Sonderregelungen gibt es Tonne zufolge für Schülerinnen und Schüler, die zu Corona-Risikogruppen gehören. Sie könnten auch einzeln geprüft werden. Allgemein gelte bei der Wiederaufnahme des Unterrichts, dass diese Schüler und auch solche, die mit Angehörigen von Risikogruppen zusammen wohnen, selbst entscheiden können, ob sie in der Schule oder weiter zu Hause lernen. Auch besonders gefährdete Lehrkräfte müssten nicht in die Schule kommen.

Derzeitiger Plan: Bis Mitte Juni kehren alle zurück

Am 4. Mai sollen nach jetzigem Stand die 4. Klassen wieder in den Unterricht gehen. In den Wochen danach folgen die Abschluss- und Übergangsjahrgänge des kommenden Schuljahres, also zum Beispiel die 12. Klassen. Wenn die Lage es zulässt, sollen zwischen Ende Mai und Mitte Juni auch die übrigen Jahrgänge in die Schule zurückkehren - ob das möglich sein wird, muss laut Tonne aber das aktuelle Geschehen zeigen. Ein wichtiger Termin hierfür steht am 18. Mai an: Dann wollen die Länder eine Zwischenbilanz ziehen.

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Schutzmaßnahmen und nur halbe Klassen

In allen Schulen gelten weitreichende Schutzmaßnahmen, vor allem Hygiene und Abstand. Ab sofort werden die Schulen dem Minister zufolge umfassend darüber informiert, wie der Schulbetrieb unter Corona-Bedingungen laufen soll. Zum Beispiel sollen nicht alle Schüler zeitgleich in die große Pause gehen. Und Lehrkräfte dürfen nur halbe Klassen unterrichten - allein das macht deutlich, dass es keine normalen Abläufe und Stundenpläne geben wird. Große Klassen müsse man vielleicht auch dritteln, sagte Tonne. Die Schüler kommen dem Plan des Ministeriums zufolge tage- oder wochenweise abwechselnd in die Schule. Wie genau die Vorgaben der verkleinerten Klassen umgesetzt werden, können die Schulen demnach selber ausgestalten. Sportunterricht gibt es nicht.

"Schulpflicht besteht weiter"

Tonne beschreibt den Betrieb als eine Kombination aus Präsenzunterricht und Heimlernen: "Das muss sich einspielen und das ist kein Eins-zu-Eins-Ersatz." Von Lehrkräften und Schülern werde auch nicht erwartet, dass sie genauso lernen und Leistungen erbringen wie vor dem Coronavirus. "Uns ist bewusst, dass das Home Learning den regulären schulischen Unterricht nicht vollwertig und vollumfänglich ersetzen kann", so Tonne. "Gleichwohl besteht weiter die Schulpflicht und wir setzen uns das Ziel, dass Schülerinnen und Schüler auch unter den derzeitigen Bedingungen ihre Kompetenzen festigen und erweitern können und dabei Nachteile für einzelne Lernende ausgeschlossen werden."

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Keine Ferien: Zu Hause lernen ist Pflicht

Und so müssen diejenigen, die noch nicht wieder in die Schule gehen, ab kommendem Mittwoch verpflichtend zu Hause lernen. Fachlehrkräfte sollen Aufgaben zusammenstellen, Klassenlehrer diese verteilen. Der Kultusminister wies darauf hin, dass es wichtig sei, dass die Aufgaben von Schülerinnen und Schülern zu Hause alleine bewältigt werden können. Eltern seien keine Hilfslehrkräfte und sollten dies auch nicht sein. Einmal pro Woche sollen Lehrkräfte eine Sprechstunde für Schülerinnen und Schüler anbieten - zum Beispiel per Videokonferenz, Telefon oder auf andere Weise. Für die Kommunikation im Rahmen des Online-Unterrichts sollen die Messenger-Dienste Skype und WhatsApp zur Nutzung freigegeben werden.

Landesschülerrat: "Respektieren die Entscheidungen"

Der Landesschülerrat zeigt sich insgesamt zufrieden mit den Entscheidungen. Die Schulen ab 27. April für Abschlussjahrgänge zu öffnen, sei "folgerichtig". Dennoch ist die Schülervertretung alles andere als glücklich mit der Situation. "Wir bezweifeln, dass eine wirklich faire Durchführung des Abiturs und anderer Abschlüsse möglich ist, respektieren jedoch die getroffenen Entscheidungen in Sinne eines bundesweiten Vorgehens", teilte der Vorsitzende Florian Reetz am Donnerstag mit. Für das künftige Nebeneinander von Schul- und Heimlernen fordert der Landesschülerrat unter anderem durchdachte Konzepte, bei denen Schülerinnen und Schülern keine Nachteile entstehen.

Schrittweise Lockerungen beschlossen

Am Mittwoch hatten sich die Ministerpräsidentinnen und -präsidenten der Länder mit Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) über das weitere Vorgehen in der Coronavirus-Pandemie abgestimmt. Geeinigt hat man sich auf schrittweise Lockerungen im Alltags- und Geschäftsleben. Dafür gab es Lob, aber auch Kritik aus Niedersachsen. Die derzeit geltende Kontaktsperre bleibt bestehen. Großveranstaltungen wird es bis zum 31. August auch in Niedersachsen nicht geben. Betroffen davon sind zahlreiche Volksfeste und Festivals.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 16.04.2020 | 15:00 Uhr

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