Tödliche Fahrrad-Unfälle mit Lkw: Technik könnte sie verhindern

Stand: 28.01.2023 12:01 Uhr

Gleich zweimal sind in dieser Woche in Niedersachsen Radfahrende von Lkw erfasst und tödlich verletzt worden. Dabei gibt es Abbiege-Assistenzsysteme, die dies verhindern könnten - doch nicht alle Lkw sind damit ausgerüstet.

Für neue Typen von Bussen und Lkw sind diese Systeme in der Europäischen Union seit dem vergangenen Jahr Pflicht. Ab 2024 müssen dann alle neuen Lkw und Busse damit ausgestattet sein. Ältere Fahrzeuge müssen aber bislang nicht nachgerüstet werden. Das Bundesverkehrsministerium bezuschusst zwar den nachträglichen Einbau von Abbiege-Assistenzsystemen - und hat zwischen 2019 und 2021 rund 26.000 Anträge bewilligt. Dennoch kommt für einige Spediteure das Nachrüsten alter Lkw nicht infrage, weil viele ihre Fahrzeugflotte nach ein paar Jahren austauschen.

ADFC: Auch alte Lkw mit Abbiegeassistenten nachrüsten

Der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club (ADFC) fordert bereits seit Langem, dass auch alte Lkw nachgerüstet werden. Diese Forderung unterstützt auch der Verkehrsclub Deutschland in Niedersachsen. Sprecher Hans-Christian Friedrichs erwartet von Bundesverkehrsminister Volker Wissing (FDP), dass er sich auf europäischer Ebene dafür einsetzt. In London etwa dürften Lkw ohne diese Systeme gar nicht mehr in die Stadt fahren. Das sei auch eine Möglichkeit für deutsche Städte, meint Friedrichs. Logistikzentren könnten zudem mehr Waren über die Schiene transportieren statt per Lkw. Darüber hinaus müsse die Infrastruktur für den Radverkehr ausgebaut werden - wie etwa in Kopenhagen oder Amsterdam.

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Der Unfallforscher der deutschen Versicherer, Siegfried Brockmann, schlägt darüber hinaus separate Grünphasen an Kreuzungen für den motorisierten Verkehr und Radfahrende vor. Dann könnten sich beide Verkehrsteilnehmenden gar nicht mehr begegnen. Doch solche Umbauten seien recht aufwendig und würden deshalb "viel zu selten gemacht", sagte Brockmann dem NDR in Niedersachsen.

Lkw erfassen Radfahrer beim Abbiegen an Kreuzungen

Die beiden tödlichen Unfälle zwischen Lkw und Radfahrenden hatten sich am Donnerstag in Hannover und am Freitag in Neustadt am Rübenberge (Region Hannover) ereignet. In Hannover erfasste ein Lkw eine 59 Jahre alte Radfahrerin beim Rechtsabbiegen an einer Kreuzung und schleifte sie noch 700 Meter mit. Auch in Neustadt ereignete sich der Unfall an einer Kreuzung, an der der Lkw-Fahrer rechts abbiegen wollte. Dabei überrollte der Lastkraftwagen einen 61-jährigen Radfahrer, der später im Krankenhaus seinen Verletzungen erlag.

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Dieses Thema im Programm:

Hallo Niedersachsen | 27.01.2023 | 19:30 Uhr

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