Männliche Küken in einem Legebetrieb . © picture alliance / dpa Foto: Bernd Wüstneck

Tierschutzgesetz: Kükentöten ist nun verboten

Stand: 01.01.2022 18:11 Uhr

Bisher wurden in Deutschland 40 Millionen männliche Küken im Jahr getötet - nun ist das Verbot des Kükentötens in Kraft getreten. Doch sowohl Tierschützer als auch Legehennen-Halter üben Kritik.

Die Aufzucht männlicher Küken gilt als wirtschaftlich unrentabel, da sie keine Eier legen und wenig Fleisch ansetzen. Bisher wurden die Tiere deshalb nach dem Schlüpfen geschreddert oder erstickt. Im Mai hatte der Bundestag dann eine entsprechende Änderung des Tierschutzgesetzes beschlossen, um das massenhafte Töten männlicher Küken in Deutschland zu beenden. Das Geschlecht lässt sich schon vor dem Schlüpfen bestimmen. Wegen eines möglichen Schmerzempfindens der Embryonen sieht das Gesetz aber auch vor, Eingriffe am Hühnerei oder ein Abbrechen des Brutvorgangs bereits ab dem 7. Bruttag zu verbieten. Um den Unternehmen Zeit zur Umstellung zu geben, wird dieses Verbot allerdings erst ab 2024 greifen. Denn die bisher zur Verfügung stehenden Möglichkeiten zur Geschlechtsbestimmung im Ei setzen erst zwischen dem 9. und 14. Bebrütungstag an.

Kritik der Legehennen-Halter

Zu der für 2024 geplanten Verschärfung der Regeln äußerten sich die Legehennen-Halter skeptisch. Henner Schönecke, Vorsitzender des Bundesverbandes Ei, forderte in der "Neuen Osnabrücker Zeitung", die Verschärfung auszusetzen: "Wir würgen ansonsten nicht nur Innovation bei der Geschlechtsbestimmung ab, sondern verlagern auch die Legehennen- und im zweiten Schritt die Eier-Produktion ins Ausland, wo das Kükentöten weiter erlaubt ist." Schon jetzt sei zu beobachten, dass Eier aus deutschen Betrieben nach und nach im Segment der verarbeiteten Ware durch billigere Eier aus dem Ausland ersetzt würden. "Der komplette Markt für Eier, Kuchen und so weiter bricht derzeit für deutsche Legehennenhalter weg. Das ist dramatisch", so Schönecke.

Kritik des Tierschutzbunds

Der Tierschutzbund dagegen kritisiert unter anderem, dass nach wie vor Ausnahmen vom Kükentöten erlaubt sein sollen. Zum Beispiel dann, wenn die getöteten Küken an andere Tiere wie etwa Wildvögel verfüttert werden sollen. Die Tierschützerinnen und Tierschützer befürchten, dass das Verbot auf diese Weise unterlaufen werden könnte. Außerdem laufe die Hochleistungszucht "ungehemmt" weiter: "Die Legehenne bleibt eine Eierproduktionsmaschine, mit bitteren Folgen für das Tier", so Verbandspräsident Thomas Schröder. Außerdem fehlten für die Aufzucht und Schlachtung der Bruderhähne nach wie vor gesetzliche Vorgaben.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 01.01.2022 | 08:00 Uhr

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