Stand: 27.08.2020 20:12 Uhr

Schulstart "im Großen und Ganzen geglückt"

Ein Schüler mit Schutzmaske steht vor seiner Mutter bei der Einschulung. © picture alliance Foto: Brynn Anderson
In Niedersachsen sind am Donnerstag rund 850.000 Schüler ins neue Schuljahr gestartet. (Themenbild)

In Niedersachsen ging am Donnerstag die Schule wieder los - erste, vorsichtige Bilanz: Zumindest der Start ist weitgehend geglückt. "Insgesamt herrschte eine leicht angespannte, aber überwiegend positive Stimmung bei Schulleitungen und Lehrkräften", teilte ein Sprecher des Kultusministeriums am Donnerstagabend nach Rücksprache mit der Landesschulbehörde mit. "Der Start in den Präsenzunterricht scheint im Großen und Ganzen geglückt."

VIDEO: Schulstart in Niedersachsen: So lief der Tag (2 Min)

1,1 Millionen Schülerinnen und Schüler legen los

Erstmals haben am Donnerstag rund 850.000 Schüler an den allgemeinbildenden Schulen sowie rund 250.000 Berufsschüler wieder in kompletter Klassenstärke im Unterricht gesessen - und das vor dem Hintergrund zuletzt steigender Corona-Infektionszahlen. Im sogenannten eingeschränkten Regelbetrieb muss in festgelegten Gruppen das Abstandsgebot nicht mehr eingehalten werden. Trotzdem herrschen in den Schulgebäuden strenge Hygieneregeln. Rund 72.500 Erstklässler starten am Sonnabend landesweit ihre Schullaufbahn.

Weil: Kinderkrankengeld wird ausgeweitet

Bund und Länder haben auf der Bund-Länder-Konferenz für den Fall von vermehrten Schulschließungen Vorsorge getroffen. "Falls in Einzelfällen die Schließung von Schulen ganz oder teilweise notwendig wird, müssen Eltern die Möglichkeit haben, sich vorübergehend wieder um ihre Kinder zu kümmern", teilte Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) am Donnerstag mit. "Deshalb wird der Bund gesetzlich regeln, dass das Kinderkrankengeld im Jahr 2020 für jeweils fünf weitere Tage und für Alleinerziehende weitere zehn Tage gewährt wird." Gesetzlich Versicherten hatten bislang Anspruch auf zehn Tage Kinderkrankengeld pro Jahr, Alleinerziehende auf 20.

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Drei Schulen wegen Corona-Fällen geschlossen

Unterdessen blieben drei Schulen im Land wegen einzelner Corona-Infektionen geschlossen. An der IGS Wilhelmshaven fiel der Unterricht der Oberstufe aus. Dem Gesundheitsamt sei am späten Mittwochabend die Covid-19-Erkrankung eines Schülers gemeldet worden, sagte eine Sprecherin der Stadt. Bevor das Testergebnis des Reiserückkehrers vorgelegen habe, habe er Kontakt zu anderen Schülern gehabt. Auch in Schwarmstedt (Landkreis Heidekreis) blieb eine Gesamtschule nach mehreren Corona-Fällen - vorerst bis Montag - geschlossen. In Hildesheim bremste ein Corona-Fall den Schulstart an einer Grundschule aus. Wie die Landesschulbehörde mitteilte, müssen nach einem Infektionsfall im Kollegium zwölf Lehrkräfte vorsorglich auf Corona getestet werden. Sie hatten Kontakt mit einer infizierten Lehrkraft.

Gymnasium startet mit verschärften Auflagen

Ein Gymnasium in Salzgitter-Bad startete unterdessen als einzige Schule in Niedersachsen mit verschärften Corona-Auflagen, wie NDR 1 Niedersachsen berichtet. Das Gesundheitsamt hatte am Mittwoch einem Antrag der Schulleitung stattgegeben, weil Baumaßnahmen zu einem akuten Platzmangel und somit zu einer individuell schwierigen Raumsituation geführt haben, so eine Stadtsprecherin. Die Schule darf ihre Schüler zunächst 14 Tage im Wechselbetrieb mit kleineren Klassenstärken unterrichten. Die Anordnung sei eine einzelfallbezogene Ausnahmeregelung.

Mehr Busse und Bahnen in Hannover im Einsatz

In der niedersächsischen Landeshauptstadt Hannover wollen die Verkehrsunternehmen üstra und Regiobus zu einem sicheren Schulweg unter den geltenden Corona-Bedingungen beitragen. In den Stoßzeiten zum Schulbeginn und zum Schulschluss fahren mehr Busse und Bahnen. Weitere Reserven gebe es aber nicht, teilten die Unternehmen mit. Dennoch werde es gerade in Spitzenzeiten nicht möglich sein, an Haltestellen und in Bussen und Bahnen den empfohlenen Abstand einzuhalten - umso wichtiger, sei es, dass sich alle an die Maskenpflicht hielten. Das wird laut üstra und Regiobus auch weiter vermehrt kontrolliert - rund 110 Mitarbeiter seien dafür im Einsatz.

Landesschülerrat: "Chancen verpasst"

Mehr Flexibilität zum Start ins neue Schuljahr hätte sich der Landesschülerrat gewünscht. Reiserückkehrende stellten ein unberechenbares Risiko für die Schulen dar, sagte der Vorsitzende des Schülergremiums, Florian Reetz. "Hier hat das Kultusministerium verpasst, frühzeitig angemessene Regelungen zur Risikominimierung zu treffen." Als Beispiele nannte der Chef des Landesschülerrats mehr Corona-Tests, die Anschaffung von Hygiene-Anlagen wie etwa Desinfektionsmittelspender sowie die Möglichkeit, bei Bedarf einzelner Schulen mit einem Wechsel von Präsenzunterricht und Homeschooling zu starten.

Kultusminister glaubt an "beherrschbares Risiko"

Kultusminister Grant Hendrik Tonne (SPD) sieht das Land angesichts der Corona-Pandemie gut aufgestellt. Das Risiko sei beherrschbar, sagte er dem NDR Niedersachsen. Zudem verteidigte Tonne den Verzicht auf eine Maskenpflicht im Unterricht. Gleichwohl wird es ein Schuljahr mit vielen Unbekannten. Der Minister hofft dennoch, bei der Unterrichtsversorgung ähnliche Werte wie zu Beginn des vergangenen Schuljahres zu erreichen. Allerdings konnten nur rund 90 Prozent der rund 2.300 ausgeschriebenen Lehrerstellen besetzt werden, an den Haupt-, Real- und Oberschulen sogar nur etwas mehr als 65 Prozent. Weil sie zur Corona-Risikogruppe gehören, stehen zudem geschätzte sechs bis acht Prozent der Lehrkräfte nicht für den Präsenzunterricht zur Verfügung.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 27.08.2020 | 11:00 Uhr

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