Stand: 03.06.2019 19:16 Uhr

Schulsanierungen: GEW fordert politisches Umdenken

von Lars Ohlenburg
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Ein Bild des Jammers: In vielen Schulen in Niedersachsen herrscht hoher Sanierungsbedarf. (Archiv)

Die niedersächsische Landesvorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), Laura Pooth, hat im Gespräch mit dem NDR den Zustand der Schulgebäude als teilweise desolat bezeichnet. Sie fordert von der Politik eine bessere finanzielle Ausstattung für die schulische Infrastruktur. Die Politik solle die "Schwarze Null" nicht länger als ihren "Fetisch" betrachten und andere Prioritäten setzen. Sie müsse endlich das nötige Geld für die Schulsanierungen zur Verfügung stellen, so Pooth.

Ein sanierungsbedürftiges Schulgebäude.

Mehr als die Hälfte der Schulen sind marode

Hallo Niedersachsen -

Schimmel, kaputte Fenster und Wasserschäden - unzählige Schulen in Niedersachsen sind marode. Allein in Springe müssten 100 Millionen Euro investiert werden, um die Mängel zu beheben.

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Springe: Mit Planschbecken gegen Pfützen

In welch beklagenwertem Zustand sich vielerorts die Schulgebäude in Niedersachsen befinden, zeigt sich am Beispiel des Otto-Hahn Gymnasium in Springe (Region Hannover): Immer wenn es regnet, holt Schulleiterin Kerstin Prietzel das Planschbecken aus der Abstellkammer. Das Dach des Gymnasiums ist schon lange undicht. Immer wieder sickert Wasser durch die Decke. Manchmal auch, weil die alten Wasserleitungen den Geist aufgeben. Seit Eimer zum Auffangen des Wassers nicht mehr ausreichten, hat Prietzel das Planschbecken angeschafft. Doch die Wassereinbrüche sind nur ein Teil des Problems. Schimmel, Wasserflecken, undichte Fenster, kaputte Lampen und Stolperfallen auf dem Gang gibt es obendrein. Auf 50 Seiten haben Kerstin Prietzel und ihr Kollegium alle Mängel aufgelistet und dem Bürgermeister der Stadt Springe übergeben.

Landesweit fehlen Milliarden

Das Springer Gymnasium steht exemplarisch für den Zustand vieler Schulen in Niedersachsen. Das NDR Fernsehmagazin Hallo Niedersachsen hat bei den mehr als 400 Kommunen und Gemeinden, die Träger einer Schule in Niedersachsen sind, nachgefragt, wie es um die Schulgebäude steht. Rund 110 Schulträger - sie sind verantwortlich für 737 Schulen - haben geantwortet: 471 Schulen, also rund 60 Prozent, sind sanierungsbedürftig. Ungefähr 1,4 Milliarden Euro müssten alleine diese Schulträger bereitstellen, um ihre Gebäude zu sanieren.

Am meisten müsste die Region Hannover investieren

Hochgerechnet auf alle 2.775 Schulen in Niedersachsen wären das fünf Milliarden Euro für Sanierungen. Geld, das die Kommunen in ihre Schulen investieren müssten, denn sie sind verantwortlich für die bauliche Unterhaltung der Gebäude. Landesweit am meisten hätte die Region Hannover zu investieren: 11,6 Millionen Euro müsste die Region pro Schule in die Hand nehmen - und sie ist Trägerin von insgesamt 32 Schulen. Im Landkreis Lüchow-Dannenberg müssen acht Schulen für jeweils 8,5 Millionen Euro saniert werden und in Gehrden (Region Hannover) fehlen 7,8 Millionen Euro pro Schule.

Wie sieht es landesweit in den Schulen aus? In unserer Tabelle finden Sie die Einzelheiten auf vier Seiten im Überblick zum Durchklicken - von 400 abgefragten Kommunen haben 110 auf eine NDR Anfrage geantwortet.

Kommunen: "Kein finanzieller Spielraum"

Die Kommunen seien mit der Sanierung der Schulgebäude überfordert, sagt Marco Trips vom Niedersächsischen Städte- und Gemeindebund (NSGB). Steigende Sozialausgaben ließen ihnen keinen finanziellen Spielraum. Ein Beispiel dafür: Die Finanzierung der Kita-Beitragsfreiheit. Laut NSGB fehlen den Kommunen dadurch jährlich fast 1,5 Milliarden Euro. Geld, das nicht mehr in die bauliche Unterhaltung gesteckt werden könne, so Trips. Er sieht das Land und den Bund in der Verantwortung, Geld bereitzustellen. Auf die im Koalitionsvertrag von SPD und CDU zugesicherte Milliarde für Schulsanierungen warten die Kommunen Trips zufolge nämlich noch immer.

Was ist Bildung wert?

Der Schulbetrieb ist überall gesichert, heißt es weiter vom NSGB. Springes Bürgermeister Christian Springfeld (FDP) hingegen sieht diese Aussage kritisch. Natürlich könne eine Schule genutzt werden, in die es hineinregnet, aber es vermittele ein falsches Bild davon, welchen Stellenwert Bildung in Deutschland habe. Springfeld plant zurzeit einen Neubau für das Otto-Hahn Gymnasium. Dafür würde sich die Stadt Springe aber massiv verschulden müssen.

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Viele niedersächsische Schulen müssen dringend saniert werden. Die Kosten: bis zu fünf Milliarden Euro. Auch die Nicolas-Born-Oberschule in Dannenberg gleicht einer Baustelle. Video (05:45 min)

290 Millionen Euro für marode Schulen im Land

Für sanierungsbedürftige Schulen in Niedersachsen gibt es Hoffnung. Vom Bund fließen 290 Millionen Euro für Reparaturen. Insgesamt sind fast 900 Bauvorhaben bereits angemeldet. (12.02.2019) mehr

Dieses Thema im Programm:

Niedersachsen 18.00 | 02.06.2019 | 18:00 Uhr

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