Ministerium verschickte Impfstart-Info auch an Verstorbene

Stand: 20.01.2021 21:30 Uhr

Mit einem Schreiben an die zu Hause lebenden über 80-Jährigen hat das niedersächsische Sozialministerium auf den Impfstart hingewiesen. Offenbar sind aber auch Verstorbene angeschrieben worden.

An rund 210.000 Haushalte in Niedersachsen war demnach dass von Ministerium Carola Reimann (SPD) unterzeichnete Schreiben herausgegangen. Mehrere an mittlerweile Verstorbene liegen dem NDR in Niedersachsen vor, zum Teil sind die Adressaten seit Jahrzehnten tot. Die Angehörigen haben unterschiedlich darauf reagiert. Manche Menschen belastet es, manche weniger.

Unterschiedliche Reaktionen auf Anschreiben

Norbert Zielmann aus Lehre sagt, dass sein Schwiegervater zur Corona-Impfung eingeladen worden sei. Der sei jedoch schon vor 39 Jahren gestorben. Er habe sich über den Brief gewundert. Verärgert sei er aber nicht, sagte Zielmann gegenüber NDR 1 Niedersachsen. Eine Frau aus Hannover, deren Mann bereits vor 25 Jahren verstorben war, hat das Schreiben aus dem Sozialministerium stärker getroffen. Der "Hannoverschen Allgemeinen Zeitung" sagte sie, dass sie das Schreiben innerlich erregt habe. Es sei schließlich keine Reklame, sondern ein wichtiges Schreiben gewesen, so die 79-Jährige.

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Landesregierung entschuldigt sich

Der Landesregierung ist die Sache allerdings unangenehm. Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) entschuldigte sich am Mittwoch für das Malheur. Auch das Sozialministerium bedauert den Vorfall und entschuldigte sich bei den Angehörigen. 210.000 Haushalte seien angeschrieben worden, da blieben Fehler nicht aus, sagte Oliver Grimm, Sprecher des Sozialministeriums. Es seien jedoch Einzelfälle.

Sozialministerium will Fehler überprüfen

Laut dem Sprecher darf der beauftragte Dienstleister, die Deutsche Post, nicht auf den Melderegister-Datenspiegel zugreifen. Der andere Weg wäre gewesen, bei den 409 Kommunen im Land Einzelabfragen zu den betreffenden Adressdaten zu starten, dass hätte aus Sicht des Ministeriums zu viel Zeit in Anspruch genommen, sagte Ministeriumsprecher Grimm auf Nachfrage von NDR.de. Das Ministerium will nun prüfen, in wie vielen Fällen tatsächlich Verstorbene angeschrieben worden seien. Das könne allerdings noch ein wenig dauern - laut Grimm sind die Schreiben erst seit Dienstag bei den Adressaten. Die Kommunen würden in Zukunft solche Schreiben mit ähnlichem Wortlaut selbst verschicken. Diese können selbst auf ihre Melderegister zugreifen.

Die Beauftragung eines kommerziellen Anbieters hatte bereits in den vergangenen Tagen der Landesregierung Kritik eingebracht. Um solche Fehler auszumerzen haben einige Landkreise schon Hilfe angeboten, denn in den Gemeinden sind die Meldedaten relativ aktuell.

 

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Dieses Thema im Programm:

Hallo Niedersachsen | 20.01.2021 | 19:30 Uhr

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