Stand: 16.06.2020 13:11 Uhr

Mehr als 1.000 Wolfsrisse in Norddeutschland

Ein Wolfsauge. © NDR
Durch die neue Verordnung können auch andere Tiere eines Rudels abgeschossen werden, in dem sich ein gesuchter Wolf befindet (Symbolfoto).

Wölfe haben in Niedersachsen, Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern im vergangenen Jahr mehr als 1.000 Schafe, Ziegen und Rinder gerissen. Wie die "Neue Osnabrücker Zeitung" (Dienstagsausgabe) berichtet, starben im Norden insgesamt 1.026 Nutztiere bei 371 nachgewiesenen Wolfsangriffen. Gerissen wurden überwiegend Schafe. Im Vergleich zum Vorjahr sei das ein Anstieg der Risszahlen um mehr als 60 Prozent, berichtet die Zeitung, die dafür die Angaben der drei Länder ausgewertet hat. 2018 wurden demnach insgesamt 630 Tiere von Wölfen gerissen oder so schwer verletzt, dass sie eingeschläfert werden mussten.

VIDEO: Bodyguards für Schafe (29 Min)

Bereits 590 Wolfsrisse in 2020

Mehr als die Hälfte der Risse im Jahr 2019 wurde in Niedersachsen verzeichnet. Nach Angaben des Umweltministeriums wurden bei 192 Angriffen von Wölfen insgesamt 591 Tiere gerissen. Damit stieg die Zahl im Vergleich zu 2018 in Niedersachsen sogar um 65 Prozent. Ein Trend, der sich offenbar auch in diesem Jahr fortsetzt. Denn bis Mitte Juni wurden in Niedersachsen bereits 424 Nutztiere gerissen, deutlich mehr als zum gleichen Zeitpunkt des Vorjahres. Insgesamt verzeichnen die Behörden der drei Nordländer in diesem Jahr bereits 590 Wolfsrisse.

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Ausgaben in Millionenhöhe für Präventionsmaßnahmen

Gestiegen sind auch die Ausgaben der Länder im Zusammenhang mit dem Wolf. Betroffene Tierhalter entschädigten sie im vergangenen Jahr mit rund 161.000 Euro. Die Ausgaben für Präventionsmaßnahmen wie zum Beispiel Schutzzäune waren noch deutlich höher: 2019 gaben Mecklenburg-Vorpommern, Schleswig-Holstein und Niedersachsen dafür rund 2,6 Millionen Euro aus, im Jahr davor war es nicht einmal eine Million gewesen. In diesem Jahr steigen die Ausgaben voraussichtlich auf mehr als vier Millionen Euro. Allein Niedersachsen hat in diesem Jahr laut Umweltministerium bereits knapp 3,5 Millionen Euro für Präventionsmaßnahmen ausgezahlt.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 16.06.2020 | 12:00 Uhr

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