Lehrerverbände fordern Maskenpflicht im Unterricht

Stand: 23.10.2020 07:38 Uhr

Lehrerverbände kritisieren Niedersachsens Kurs beim Tragen der Maske im Schulunterricht. Statt einer Empfehlung für Schulen in Corona-Hotspots fordern sie eine landesweite Maskenpflicht im Unterricht.

Kultusminister Grant Hendrik Tonne (SPD) empfiehlt den Mund-Nasen-Schutz für Kinder ab der fünften Klasse, wenn in ihrem Schulgebiet der Grenzwert von 50 Corona-Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner binnen einer Woche überschritten wird. Der Philologenverband hält das für unzureichend. Notwendig sei jetzt eine landesweite Maskenpflicht auf Zeit. Aus Sicht des Verbands Bildung und Erziehung (VBE) unternimmt der Minister in der Krise zu wenig: Vorschläge zum richtigen Lüften und Empfehlungen zum Mund-Nasen-Schutz könnten das Coronavirus nicht aufhalten.

Verband fordert Ende des Präsenzunterrichts

VBE-Landeschef Franz-Josef Meyer fordert, sich im Zweifel vom Präsenzunterricht zu verabschieden, um Schüler und Beschäftigte zu schützen. "Das krampfhafte Festhalten am Regelbetrieb um jeden Preis muss jetzt ein Ende haben", sagte Meyer. Tonne hatte am Donnerstag Rufen nach Szenario B, in dem nur die Hälfte der Kinder in die Schule kommen, eine Absage erteilt. "Ich will auch ein bisschen davor warnen, sich ein Szenario B nicht zu einfach zu machen und es sich schön zu reden", so Tonne. Dies würde scharfe Einschnitte für Kinder beim Lernen sowie eine große Belastung für Eltern und Lehrkräfte bedeuten. Nach Ansicht der Opposition im Landtag verlagert der Minister Konflikte auf die Schulen und Gesundheitsämter. Es brauche jetzt landesweite und nachvollziehbare Vorgaben.

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Zustimmung für Tonnes Pläne, am Präsenzunterricht so lange wie möglich festzuhalten, kommen aus dem Südosten Niedersachsens. Aber auch dort gehen einigen Eltern die Maßnahmen nicht weit genug. So hätte sich auch Ingo Kavemann vom Stadtelternrat Salzgitter eine generelle Maskenpflicht im Unterricht gewünscht. Wenn der 50er-Grenzwert überschritten wird, sei es zu spät, sagte Kavemann. Schließlich habe auch der Bund den Warnwert auf 35 Neuinfektionen heruntergesetzt. Für Eltern sei das Wichtigste, dass keine Schulen geschlossen werden müssten. Schulleiterin Bianca Schaare-Schlüterhof von der Haupt- und Realschule in Baddeckenstedt im Landkreis Wolfenbüttel begrüßte dagegen den Plan des Ministers: An ihrer Schule würden ohnehin viele Schüler freiwillig eine Maske im Unterricht tragen.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 23.10.2020 | 07:00 Uhr

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