Stand: 24.10.2018 17:49 Uhr

#rettedeintheater: Künstler protestieren vor Landtag

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Kulturwüste Niedersachsen: Schauspieler, Regisseure, Intendanten und Bühnenmitarbeiter bemängeln die Politik der Landesregierung.

Niedersächsische Theater machen mobil. Am Mittwochvormittag hat ein breites Bündnis von Schauspieler, Regisseure, Intendanten und Bühnenmitarbeiter am Platz der Göttinger Sieben vor dem Niedersächsischen Landtag in Hannover demonstriert. Anliegen der Interessengemeinschaft sind eine langfristige finanzielle Förderung und ein Umdenken in der Kulturpolitik des Landes. Das Aktionsbündnis "#rettedeintheater" übergab eine Petition mit mehr als 19.000 Unterschriften an das Ministerium für Wissenschaft und Kultur. Die Verantwortlichen sprachen von mehr als 500 Teilnehmenden.

Hajo Fouquet, der Intendant des Theaters Lüneburg, im Interview.

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Hallo Niedersachsen -

Den Theatern in Niedersachsen fehlt es an Geld. Dem Theater Lüneburg droht sogar die Insolvenz. Intendant Hajo Fouquet schaut sorgenvoll in die Zukunft.

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Ministerium streicht Theatern sechs Millionen Euro

Kommunale und freie Theater, Orchester, die Schauspielschule Hannover sowie Kunst- und Schauspiel-Netzwerke haben sich unter dem Label "#rettedeintheater - Keine Kulturwüste in Niedersachsen" zusammengeschlossen. Die Kundgebung ist eine Reaktion auf die Streichung angeblich zugesagter Gelder für die sieben kommunalen Theater in Niedersachsen. Das Bündnis vertritt den Standpunkt, dass der 25-Millionen-Euro-Etat für 2019 um sechs Millionen Euro erhöht werden sollte. Diese zusätzliche Förderung tauchte nicht im Haushaltsplan auf.

Niedersachsens Theater machen in Hannover mobil

Kultusminister Thümler widerspricht Bündnis

Kultusminister Björn Thümler (CDU) widersprach der Darstellung, dass die sechs Millionen Euro bewilligt worden seien. "Es hat keine Zusage gegeben", sagte Thümler gegenüber den Protestierenden. Sein Ministerium habe einen, aus seiner Sicht gerechtfertigten, Mehrbedarf von sechs Millionen Euro geltend gemacht. Dieser sei nicht genehmigt worden. Das Land stehe zu seiner Förderung der kommunalen Theater in Höhe von mehr als 25 Millionen Euro, diese biete Planungssicherheit. Theater seien in Niedersachsen nicht existenziell bedroht. Dafür erntete Thümler Pfiffe.

Bündnis fordert Umdenken und langfristige Perspektive

"Wir fordern die niedersächsische Landesregierung auf, ihre Koalitionsversprechen einzuhalten und die kulturelle Vielfalt im Flächenland Niedersachsen dauerhaft finanziell abzusichern", sagt Antje Holms, Hausregisseurin am Deutschen Theater Göttingen und Initiatorin des Aktionsteams #rettedeintheater. Das Bündnis befürchtet, unter den gegenwärtigen Bedingungen den kulturellen Anschluss zu verlieren. "Es muss endlich eine langfristige Perspektive substantieller und nachhaltiger Unterstützung des gesamten Kunst- und Kulturbereichs entwickelt werden", sagt Thoms. Man werde sich spartenübergreifend solidarisieren.

Das ist das Bündnis #rettedeintheater

Das Aktionsbündnis "#rettedeintheater - Keine Kulturwüste in Niedersachsen" besteht aus diesen Institutionen:

  • Kommunale Theater: Deutsches Theater Göttingen, Theater Lüneburg, Theater Osnabrück, Schlosstheater Celle, Theater für Niedersachsen Hildesheim, Landesbühne Niedersachsen Nord Wilhelmshaven;
  • Vertreter der freien Theater: LaFT Niedersachsen, Bundesverband freie darstellende Künste;
  • Göttinger Synfonieorchester, Orchesterkonferenz Niedersachsen, DOV;
  • Staatstheater: Braunschweig, Oldenburg, Hannover;
  • Schauspielschule Hannover;
  • Solidarpartner: schauspiel hannover, JT Göttingen, DTHG, Dramaturgische Gesellschaft, artbutfair, Bund der Szenografen, Ensemble-Netzwerrk, regie-netzwerk, Bundesnetzwerk flausen+, Theapolis.

Niedersachsen im Ländervergleich abgehängt

Das Bündnis sieht Niedersachsens Kulturlandschaft im Ländervergleich abgehängt. Es liege auf dem drittletzten Platz. Unterstützung bekommt Thoms von den Gewerkschaften. Im Vergleich der Bundesländer werde in Niedersachsen für Kultur "im Durchschnitt jährlich 32,36 Euro pro Einwohner, in Sachsen dagegen 92,38 Euro ausgegeben", sagt Lutz Kokemüller von ver.di. Dadurch seien in Niedersachsen Kultur- und Theaterschaffende sowie Einrichtungen existenziell bedroht. Kokemüller fordert einen gesetzlich verankerten "Staatsauftrag" zur Förderung von Kultur.

Kommunalpolitik und Gewerkschaft unterstützen Forderungen

Zudem solidarisieren sich die Bürgermeister der sechs Träger-Städte kommunaler Theater, Celle, Göttingen, Hildesheim, Lüneburg, Osnabrück und Wilhelmshaven, mit dem Bündnis. "Die Theater haben sich darauf verlassen, dass mehr Geld fließen wird", sagt Lüneburgs Oberbürgermeister Ulrich Mädge (SPD). "Ich finde, es ist auch eine Frage der Glaubwürdigkeit von Politik, einmal getroffene Verabredungen einzuhalten."

Weitere Informationen

Mädge: Ministerium hat Zusagen nicht eingehalten

Lüneburgs OB Mädge hatte sich auf sechs Millionen Euro für die kommunalen Theater verlassen. Die tauchen nun aber im Haushaltsentwurf des Landes nicht auf - Mädge ist verärgert. mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 24.10.2018 | 14:00 Uhr

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