Stand: 21.04.2020 08:45 Uhr  - NDR 1 Niedersachsen

Kommunen gegen landesweite Maskenpflicht

Eine Frau steht mit Mundschutz vor dem Wolfsburger Hauptbahnhof. © dpa-Bildfunk Foto: Ole Spata
Wolfsburg ist die erste Stadt in Niedersachsen, die eine Maskenpflicht eingeführt hat.

Nach Wolfsburg macht nun auch Braunschweig das Tragen einer Gesichtsmaske im Hinblick auf die Corona-Krise zur Pflicht. Ab Sonnabend sollen Menschen dort etwa in Bussen, Bahnen und Geschäften einen Mund- und Nasenschutz tragen. Als erste Kommune hatte Wolfsburg das Tragen von Masken seit Montag zur Pflicht gemacht. Eine landesweite Pflicht gibt es indes nicht. Die Kommunen in Niedersachsen halten es zwar für sinnvoll, wenn viele Menschen freiwillig eine Maske tragen. Verpflichtende Regeln sollten aber nur unter speziellen Umständen erlassen werden, so der Städte- und Gemeindebund.

Städte- und Gemeindebund warnt vor Leichtsinn

"Wenn einzelne Städte einen besonderen Bedarf vor Ort für eine Maskenpflicht sehen, kann eine entsprechende Regelung erfolgen", sagte der Sprecher des Niedersächsischen Städte- und Gemeindebunds, Thorsten Bullerdiek. Gleichzeitig warnt er die Bürger davor, leichtsinnig zu werden, weil sie einen Mundschutz tragen. "Es sollte jeder Einzelne daran denken, dass der Mundschutz kein Freibrief für unvorsichtiges Verhalten ist", sagte Bullerdiek. Deutlich wichtiger als das Tragen eines Mundschutzes sei es, den Sicherheitsabstand einzuhalten, sich häufiger die Hände zu waschen und in die Armbeuge zu husten.

FDP für Maskenpflicht

Die FDP in Niedersachsen hat sich dagegen für eine Maskenpflicht ausgesprochen, die in öffentlichen Bereichen ohne Ausweichmöglichkeiten gelten sollte. Dies sei zwar eine Einschränkung der persönlichen Freiheit, sagte Fraktionschef Stefan Birkner der "Hannoverschen Allgemeinen Zeitung". Sie habe jedoch einen guten Grund: "Wir wollen wegkommen von den pauschalen Verboten und allen Bereichen mehr Lebensmöglichkeiten eröffnen", sagte Birkner. Um dies zu ermöglichen, sei es der richtige Schritt, in Bereichen wie dem öffentlichen Personennahverkehr oder in anderen Bereichen, wo man schnell ins Gedränge komme, Masken zu tragen.

In die Bibliothek? Bitte mit Maske!

Hinsichtlich einer Maskenpflicht reagieren viele Kommunen in Niedersachsen auf Nachfrage zurückhaltend. In Osnabrück etwa raten Landrätin Anna Kebschull (Grüne) und Wolfgang Griesert (CDU) Oberbürgermeister nach Informationen von NDR 1 Niedersachsen zwar dringend dazu, Masken zu tragen. Sie zur Pflicht zu machen, sei schwierig, sagte ein Stadtsprecher, solange es nicht genug Masken gebe. In den Bibliotheken, die seit Montag wieder geöffnet sind, werde darum gebeten, dass Besucher freiwillig einen Mund-Nase-Schutz tragen. In Lingen verteilt die Stadt zwei Exemplare pro Einwohner - zum Selbstkostenpreis von 1,50 Euro pro Stück.

Oldenburg hält Alleingänge für schwierig

Auch die Region Hannover rät beispielsweise im Nahverkehr zu Masken. Ein Sprecher der Stadt Oldenburg hält dagegen Alleingänge für schwierig. So etwas müsse landesweit einheitlich geregelt werden, hieß es.

Maskenpflicht an bischöflichen Schulen

An den bischöflichen Schulen des Bistums Münster im Oldenburger Land gilt ab kommender Woche Mundschutzpflicht für Lehrer und Schüler. Die Vorsichtsmaßnahme gehe über die Vorgaben des niedersächsischen Kultusministeriums hinaus, teilte die Bischöfliche Schulstiftung St. Benedikt am Montag mit. An den neun Schulen des Trägers werden etwa 5.500 Schüler unterrichtet.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 20.04.2020 | 08:00 Uhr

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