Stand: 03.05.2019 10:30 Uhr

Ja zur EU: Junge Menschen wollen mehr Europa

Die Zustimmung der jungen Leute zu Europa ist groß. Doch sie wünschen sich mehr: eine bessere Vertretung durch das Europaparlament und ein stärkeres Zusammenwachsen der Staaten.

Die Zustimmung zur Europäischen Union (EU) wächst bei jungen Leuten. Das zeigt die aktuelle Jugendstudie der TUI Stiftung mit Sitz in Hannover. 16- bis 26-Jährige aus elf europäischen Ländern wurden befragt. Seit 2017 steigt demnach die Zahl derjenigen, die in der EU bleiben wollen - auch bei jungen Leuten in Großbritannien. In Deutschland halten 74 Prozent die EU-Mitgliedschaft ihres Landes für richtig. Das sind mehr als 2017 (69 Prozent), allerdings gibt es einen Rückgang im Vergleich zu 2018 (80 Prozent). "Die Zahlen zeigen: Europa ist kein Selbstläufer und seine Bedeutung muss kontinuierlich erklärt werden", sagt Elke Hlawatschek, Geschäftsführerin der TUI Stiftung. "Das sollten Politiker wie EU-Beamte im Blick haben und ernst nehmen."

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Studie: "Junges Europa 2019"

Für die Studie "Junges Europa 2019" hat die TUI Stiftung 8.220 Menschen zwischen 16 und 26 Jahren aus elf europäischen Ländern befragt. Hier die Studie zum Download. Download (2 MB)

Die Europawahl findet nur jeder Zweite wichtig

An der Ende Mai anstehenden Europawahl wollen der Studie zufolge 53 Prozent der jungen Deutschen "bestimmt" teilnehmen, 22 Prozent "wahrscheinlich". Allerdings finden nur 50 Prozent der befragten jungen Europäer die Europawahl wichtig - Deutschland liegt hier mit 56 Prozent über dem Durchschnitt. Deutlich mehr Bedeutung messen die Befragten aus elf EU-Ländern ihren nationalen Parlamentswahlen zu: 73 Prozent finden diese wichtig, in Deutschland 74 Prozent.

Migration: Ein Thema, das spaltet

Bei den Problemen, die die Befragten als die wichtigsten betrachten, liegen "Migration und Asyl" auf Platz eins: Die Hälfte aller Befragten sieht dies als wichtigstes Themenfeld. Davon bezeichnen 41 Prozent offene Grenzen innerhalb der EU als Chance, 23 Prozent schätzen sie als Bedrohung ein. Äußerst gespalten sind die jungen Leute in Bezug auf die Folgen von Einwanderung und Migration: Für rund ein Drittel sind sie eine Chance für das eigene Leben, für ein Drittel eine Bedrohung, ein Drittel weiß es nicht genau.

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Klimaschutz treibt junge Leute an

Auf Platz zwei der wichtigsten Themen: Umweltpolitik und Tierschutz. Hier engagieren sich auch die meisten jungen Leute: 43 Prozent waren dazu in den vergangenen zwölf Monaten politisch aktiv (Deutschland: 41 Prozent). Mehr als die Hälfte, nämlich 55 Prozent, betrachten Klimaschutz zudem als Chance. "Wir sehen hier eine Generation, die Klimaschutz und Umweltpolitik nicht mehr nur als notwendiges Übel betrachtet, sondern als selbstverständlichen Teil der politischen Agenda", sagt Elke Hlawatschek.

Deutschland und die Digitalisierung

Auf Platz drei der wichtigsten Themen landet die Wirtschafts- und Finanzpolitik - zumindest europaweit. Bei den jungen Deutschen steht die Sozialpolitik an dritter Stelle. In keinem anderen Land bezeichneten so viele der Befragten die Sozialpolitik als wichtig für die EU. Über dem Durchschnitt liegen die Deutschen auch bei der Bedeutung, die sie der Digitalisierung beimessen: 23 Prozent sehen sie als wichtigste Herausforderung im eigenen Land - so viele sind es in keinem der anderen zehn Staaten.

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Grafiken: "Junges Europa 2019"

Wie sehen junge Europäer ihre Zukunft? Welche Themen sind ihnen wichtig? Wie stehen sie zur Europawahl? Grafiken zur Studie "Junges Europa 2019" der TUI Stiftung zum Download. Download (1 MB)

Stärkeres Zusammenwachsen gewünscht - Glaube daran fehlt

Von ihren nationalen Parlamenten fühlen sich die jungen Europäer besser vertreten als vom Europaparlament. 30 Prozent der Befragten gaben an, sich vom Parlament ihres Landes sehr stark oder stark repräsentiert zu fühlen (Deutschland: 24 Prozent), beim Europaparlament sind es 20 Prozent (Deutschland: 18 Prozent). Die Zahlen lassen vermuten, dass die jungen Leute von der EU enttäuscht sind. Denn viele (38 Prozent) wünschen sich mehr Europa und ein stärkeres Zusammenwachsen der Mitgliedsländer - in Deutschland sind es sogar 54 Prozent. Doch nur 23 Prozent - in Deutschland 21 - glauben daran, dass dies in den kommenden fünf Jahren geschehen wird.

Skepsis gegenüber repräsentativer Demokratie

Enttäuscht scheint eine recht große Zahl der Befragten von den politischen Vertretern insgesamt. Dass die Demokratie die beste Staatsform ist, davon sind 58 Prozent der 16- bis 26-Jährigen überzeugt. Das ist zwar die Mehrheit, doch immerhin wollten damit mehr als 40 Prozent der Aussage "Die Demokratie ist alles in allem die beste Staatsform" nicht zustimmen. In Deutschland sind es immerhin 66 Prozent, die die Demokratie für die beste Staatsform halten, in Frankreich dagegen nur 38, in Italien und Polen je 46 Prozent. Unklar sind sich die Skeptiker indes darüber, womit die Demokratie ersetzt werden könnte - und ob sie dies wirklich wollen. Der Aussage "Andere Staatsformen sind besser als die Demokratie" stimmten lediglich sechs Prozent zu.

Politiker zu volksfern?

Nur 18 Prozent sind der Ansicht, dass Politiker sich um einen engen Kontakt zur Bevölkerung bemühen - in Deutschland nur 12 Prozent. Die höchsten Werte haben hier skandinavische Länder wie Norwegen (27 Prozent) und Schweden (25 Prozent). Zudem glauben nur 17 Prozent der jungen Europäer, dass Politiker sich darum kümmern, "was einfache Leute denken" (Deutschland: 12 Prozent).

Über 8.000 Teilnehmer bei Studie

Insgesamt wurden für die Studie nach Angaben der TUI Stiftung 8.220 junge Menschen zwischen 16 und 26 Jahren befragt. Die Teilnehmer stammen aus Deutschland, Großbritannien, Frankreich, Spanien, Italien, Griechenland, Polen, Dänemark, Finnland, Schweden und Norwegen. Insgesamt wurden im Jahr 2019 8.220 junge Menschen im Alter von 16 bis 26 Jahren per Online-Befragung um ihre Meinung gebeten. "In jedem Land wurden die Teilnehmer nach den Merkmalen Alter, Geschlecht und Bildungsstand repräsentativ entsprechend der tatsächlichen Verteilungen je Land rekrutiert", hieß es von der Stiftung weiter.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 03.05.2019 | 11:00 Uhr

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