In Niedersachsen kommt offenbar zu wenig Corona-Impfstoff an

Stand: 26.11.2021 20:28 Uhr

Die Nachfrage nach Corona-Impfungen steigt. Doch gerade jetzt haben Praxen und Impfteams nicht genug Impfstoff. Die Kritik am Bundesgesundheitsministerium fällt deutlich aus.

Das Gesundheitsministerium erhalte seit Freitagvormittag aus allen Landesteilen entsprechende Nachrichten, wonach zu wenig Impfstoff in den Praxen und bei den Impfteams ankomme, sagte Gesundheitsministerin Daniela Behrens (SPD) in einer Mitteilung. Behrens sagte, die Lieferschwierigkeiten seien ein "schwerer Schlag für die Impfkampagne", die in Niedersachsen gerade Fahrt aufgenommen habe. "Der Start der 180 Impfpraxen, die ab dem kommenden Montag im ganzen Land zusätzliche Impftermine anbieten wollten, ist vor diesem Hintergrund massiv in Gefahr", hießt es in einer Stellungnahme. Auch die Impfteams in Niedersachsen erhalten in der kommenden Woche weniger Corona-Impfstoffe als bislang angenommen. Die Beschränkung der Liefermengen gehe dabei weit über die zuletzt vom Bundesgesundheitsministerium angekündigte Kontingentierung hinaus und betreffe offenbar auch den Impfstoff von Moderna, so Behrens. Der Bund müsse alle Hebel in Bewegung setzen, um die Auslieferung der fehlenden Impfstoffdosen noch in der kommenden Woche vollständig zu gewährleisten, forderte die Gesundheitsministerin.

Ärzte fürchten den Zorn der Bevölkerung

Die Kassenärztliche Vereinigung (KVN) bestätigte am Freitag, dass die Praxen, die sich an den Impfungen beteiligen, nicht die von ihnen bestellten Biontech-Impfstoffmengen erhalten hätten, obwohl sie ihre Terminvergabe darauf aufgebaut hätten. Die Ärzte müssten daher viele Impfzusagen jetzt wieder zurückziehen, während die Praxen von Impfwilligen geradezu überrannt würden. "Die Praxen haben jetzt keine Möglichkeit mehr, kurzfristig auf den Alternativimpfstoff auszuweichen", sagte KVN-Vize Jörg Berling, der selbst als Hausarzt in Lüneburg an den Impfungen beteiligt ist. Er kritisierte, dass die Praxen nun den Zorn der Bevölkerung aushalten müssten, weil die Politik ihre Zusagen nicht einhalte.

Impfstoffreserven in Braunschweig sind aufgebraucht

In Braunschweig sind die Impfungen in der Stadthalle und im Schloss am Freitag vorzeitig eingestellt worden, weil die Impfstoffreserven aufgebraucht waren. Neuer Impfstoff, und zwar von Moderna, stehe erst ab kommenden Montag zur Verfügung, teilte die Stadt mit. Braunschweigs Oberbürgermeister Thorsten Kornblum nannte den Impfstopp in der vierten Corona-Welle "eine unhaltbare Situation"". Kornblum kritisierte, dass auf unbestimmte Zeit ausschließlich Moderna als Impfstoff zur Verfügung gestellt werde, das an Personen unter 30 Jahre und Schwangere nicht verimpft werde dürfe.

Nur ein Drittel der bestellten Menge ausgeliefert

In und um Hannover hat nur ein Drittel der bestellten Dosen die Ärztinnen und Ärzten erreicht, die zu den 40 Impfpraxen in und um Hannover gehören, sagte KVN-Sprecher Uwe Köster dem NDR in Niedersachsen am Freitag. Die Praxen hätten laut Plan in der nächsten Woche ihren Impfbetrieb aufnehmen sollen. Auch in den Landkreisen Nienburg und Hildesheim kommt zu Engpässen bei der Impfstoff-Versorgung. Der Frust sei riesig - bei Ärztinnen und Ärzten aber auch bei Patienten, deren Termine abgesagt werden, sagte Köster. Im Landkreis Celle sei der Unmut groß, weil dort die Praxen besonders stark für das Angebot geworben hatten. Auch der Landkreis Verden hat seine Impfungen zunächst eingestellt.

Ministerium weist auf versäumte Bestellungen hin

Das Bundesgesundheitsministerium in Berlin wies in einer Mitteilung darauf hin, dass etwa Arztpraxen und weitere Abnehmer bis Dienstagmittag Bestellungen aufgeben müssen - dies sei seit April dieses Jahres bekannt. Dennoch haben den Angaben zufolge einige Impfzentren und Praxen in dieser Woche verspätet bestellt.

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Fläschchen mit dem Corona-Impfstoff Comirnaty von Biontech/Pfizer stehen in einer Arztpraxis. © dpa Foto: Soeren Stache

Behrens begrüßt Aufstockung von Biontech-Impfstoff

Nächste Woche sollen drei statt zwei Millionen Impfdosen ausgeliefert werden. Die Deckelung war scharf kritisiert worden. (22.11.2021) mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Regional Hannover | 26.11.2021 | 15:00 Uhr

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