Impftermin-Vergabe: Hotline und Portal völlig überlastet

Stand: 29.01.2021 21:06 Uhr

Das System zur Vergabe von Corona-Impfterminen in Niedersachsen ist unter dem Ansturm der Anmeldungen am Donnerstagmorgen zusammengebrochen.

Mehr als 500.000 Niedersächsinnen und Niedersachsen ab 80 Jahren können sich telefonisch um Termine für die zwei benötigten Impfungen bemühen. Für die meisten dürfte das allerdings ein frustrierendes Unterfangen sein, denn bereits zu Beginn war die Hotline mit der Telefonnummer (0 800) 99 88 665 nicht mehr zu erreichen. Nutzer von NDR.de berichten, dass nur ein Besetztzeichen oder gar die Ansage "Nummer nicht vergeben" zu hören war.

"Leitungen sind überlastet"

"Die Leitungen sind überlastet", bestätigte eine Sprecherin des Gesundheitsministeriums. Allein in der ersten Stunde seien mehr als 700.000 Anrufversuche eingegangen. Man bitte Impfwillige daher um Geduld und darum, es zu einem späteren Zeitpunkt noch einmal zu versuchen. 250 bis 300 Mitarbeitende besetzen die Hotline und sollen montags bis sonnabends in der Zeit von 8 bis 20 Uhr die Anrufe entgegennehmen.

Termine innerhalb kurzer Zeit vergeben

Wie NDR 1 Niedersachsen berichtet, konnten am Donnerstagmorgen lediglich 18 der 50 Impfzentren Termine anbieten. Diese waren innerhalb von eineinhalb Stunden vergeben, die genaue Anzahl lag laut Ministerium zunächst noch nicht vor. In etlichen Landkreisen wird der vorhandene Impfstoff zunächst noch für die Alten- und Seniorenheime gebraucht, zum Beispiel im Landkreis Schaumburg und der Region Hannover. Über die Telefon-Hotline können sich Interessierte - wenn sie denn durchkommen - aber weiterhin auf eine Warteliste für das Impfzentrum ihrer Wahl setzen lassen.

Online-Portal funktioniert - wie angekündigt - nur bedingt

Auch das offizielle Online-Impfportal des Landes Niedersachsen hatte mit Startschwierigkeiten zu kämpfen. So wurden beispielsweise bei der Suche nach dem nächstgelegenen Impfzentrum die Zentren in Hannover und Oldenburg gar nicht in der Ergebnisliste angezeigt. Wie auch an etlichen anderen Orten standen hier gar keine Termine zur Verfügung. Eine Warteliste gibt es auf dem Portal nach Angaben des Gesundheitsministeriums derzeit noch nicht. Die Seite werde aber wieder aktiv, sobald weitere Landkreise Termine eintragen, hieß es.

Landesregierung erwartete technische Probleme

Auf der Internetseite steht werden verfügbare Impfzentren angezeigt. © https://www.impfportal-niedersachsen.de/portal/
Personen aus Hannover beispielsweise wurde auf dem Portal des Landes als nächstgelegenes Impfzentrum Peine angeboten.

Die Landesregierung hatte bereits am Mittwoch angekündigt, dass technische Probleme mit der Telefon-Hotline und der Anmeldeplattform im Internet erwartet werden. Zudem hieß es, dass wegen der geringen verfügbaren Impfstoffmenge im ersten Schritt höchstens 15.000 Termine in bis zu 30 der 50 Impfzentren vergeben werden könnten.

Immer noch nicht genug Impfstoff

Ein Problem ist nach wie vor, dass in Niedersachsen nicht so viel Impfstoff ankommt wie ursprünglich geplant und mit den Pharmafirmen vereinbart war. Zweimal sind nun schon versprochene Teil-Lieferungen des Biontech/Pfizer-Impfstoffs ausgefallen, unter anderem wegen einer Produktionsumstellung in einem belgischen Werk. Auch Moderna liefert bislang nur einen Teil der angekündigten Dosen. So hinkt die Landesregierung mit ihrem Impfplan hinterher.

Drei Gruppen für die Impfungen mit Priorität

Bei der Priorisierung der Impfgruppen hält sich Niedersachsen an die von der Ständigen Impfkommission ausgearbeitete Reihenfolge. Neben den ab 80-Jährigen gehört zur ersten Gruppe unter anderem auch Gesundheitspersonal mit sehr hohem Infektionsrisiko, etwa Beschäftigte von Intensivstationen, Notaufnahmen und Rettungsdiensten. Zur zweiten Gruppe mit hoher Priorität zählen unter anderem Menschen, die 70 Jahre oder älter sind, außerdem Personen mit Demenz oder einer geistigen Behinderung sowie enge Kontaktpersonen von Pflegebedürftigen. Zur dritten Gruppe gehören Menschen ab 60 Jahren, außerdem Krebskranke und Diabetiker. Auch Kräfte von Polizei und Feuerwehr, Erzieher, Lehrkräfte sowie Mitarbeitende in Unternehmen der kritischen Infrastruktur werden der dritten Gruppe zugeordnet.

Videos
Eine Grafik zeigt einen Monitor und eine Spritze.
1 Min

Wie funktioniert ein mRNA-Corona-Impfstoff?

In der EU stehen wohl bald die ersten Corona-Impfstoffe zur Verfügung. Es handelt sich um sogenannte mRNA-Impfstoffe. 1 Min

Drei Impfstoffe zugelassen

Die Impfung erfolgt bislang nur mit zwei Vakzinen: dem vom Mainzer Unternehmen Biontech und seinem US-Partner Pfizer sowie dem des US-Herstellers Moderna. Beide sind sogenannte mRNA-Impfstoffe. Am Freitag genehmigte die EU-Kommission den Impfstoff des britisch-schwedischen Unternehmens AstraZeneca. Während die Europäische Arzneimittel-Agentur (EMA) auf eine Altersgrenze verzichtet, empfiehlt die Ständige Impfkommission in Deutschland das Medikament nur für Menschen unter 65 Jahren.

Weitere Informationen
Carola Reimann (SPD) steht an einem Pult im Landtag und spricht. © NDR

Corona-Impfungen: Reimann erläutert schleppenden Start

Im Landtag ist die Gesundheitsministerin auf die Probleme mit der Technik und den Impfstoff-Lieferungen eingegangen. (28.01.2021) mehr

Hände in grünen Medizinhandschuhen halten ein Fläschchen mit Corona-Impfstoff und eine Impfspritze. © imago images Foto: Christian Ohde

Die wichtigsten Fragen und Antworten zur Corona-Impfung

Wer, wann, wie, wo - NDR.de beantwortet hier die wichtigsten Fragen zum Thema Impfungen gegen das Coronavirus. mehr

Ein Senior sitzt am Schreibtisch vor einem Laptop © Fotolia.com Foto: Monkey Business

Impftermin-Vergabe: Hält das Portal dem Andrang stand?

Der Krisenstab rechnet mit Verzögerungen. Der Chaos Computer Club kritisiert das Land für schlechte Digital-Strategie. mehr

Eine ältere Frau bekommt eine Spritze in ihren Oberarm. © dpa-Bildfunk Foto: Frank Molter

Corona-Impfstoff: Gravierende Engpässe in Niedersachsen

Das Land erhält im Januar 40 Prozent weniger Impfdosen als geplant. Grund ist eine Umstellung in einem Biontech-Werk. mehr

Screenshot der Archiv-Seite des Tickers zur Jagd nach dem Impfstoff.

Meldungs-Archiv: Infos zur Impfstoff-Suche

Forscher weltweit haben nach einem Impfstoff gegen das Coronavirus gesucht. Der NDR hat "Die Jagd nach dem Impfstoff" über Monate begleitet. Hier eine Übersicht der Meldungen von Juli 2020 bis Januar 2021. mehr

Forscher in weißen Kitteln klettern einen Berg hoch, auf dessen Spitze eine Spritze steht.

Das Wichtigste zu Corona-Impfstoffen

Wer forscht zu Corona-Impfstoffen? Wie funktionieren sie? Wer bekommt sie zuerst? Wer finanziert die Forschung, wer profitiert? mehr

Eine Klinik-Mitarbeiterin zieht einen Covid-19-Impfstoff für eine Impfung auf eine Spritze. © picture alliance/Sven Hoppe Foto: Sven Hoppe

Corona in Niedersachsen: Leichte Anpassungen beim Impfen

Künftig wird weniger Impfstoff zurückgestellt. Außerdem soll das Anmeldeverfahren verändert werden. mehr

Ein Mitarbeiter der Johanniter-Unfall-Hilfe nimmt für einen Corona-Test einen Abstrich von einer Frau © picture alliance/dpa Foto: Moritz Frankenberg

Corona in Niedersachsen: 1.068 Neuinfektionen, Inzidenz bei 66,0

Das Landesgesundheitsamt hat zudem 37 weitere Todesfälle gemeldet. Am Vortag lag der Inzidenzwert bei 66,5. mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Hallo Niedersachsen | 27.01.2021 | 19:30 Uhr

Mehr Nachrichten aus Niedersachsen

Abu Walaa (r.), mutmaßlicher Anführer der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) in Deutschland, begrüßt im Oberlandesgericht in Celle durch eine Glasscheibe seinen Anwalt Thomas Koll. © dpa Foto: Julian Stratenschulte

Urteil gegen IS-Chef: Zehneinhalb Jahre Haft für "Abu Walaa"

37-jähriger vor Gericht als Statthalter der Terrormiliz in Deutschland verurteilt. Verteidigung kündigt Revision an. mehr