Eine Frau zieht in einer Hausarztpraxis eine Spritze mit dem Corona-Impfstoff von Biontech/Pfizer auf. © picture alliance/dpa/Bodo Schackow Foto: Bodo Schackow

Impfkampagne: Menschen mit Vorerkrankungen und Ü-60-Jährige

Stand: 17.04.2021 15:17 Uhr

In diesen Tagen bekommen in Niedersachsen vorerkrankte und behinderte Menschen Post mit Informationen zum bevorstehenden Impftermin. Auch die über 60-Jährigen sind demnächst an der Reihe.

Das Impftempo zwischen Harz und Küste soll nach dem Willen der Landesregierung angezogen werden. Nun können sich unabhängig vom Alter viele vorerkrankte Menschen vor dem Corona-Virus schützen lassen. Selbsternanntes Ziel des Gesundheitsministeriums ist es, den Betroffenen unbürokratisch einen Impftermin zu ermöglichen. Laut Ressortchefin Daniela Behrens (SPD) werde in den nun verschickten Briefen mitgeteilt, dass diese Personen sich aus individuellen medizinischen Gründen in einem Impfzentrum oder bei einem niedergelassenen Arzt zur Impfung anmelden können.

Ministerin: Datenschutz bleibt gewahrt

Grundlage dafür seien Abrechnungsdaten der Krankenkassen. Die Ministerin betont: Der Datenschutz bleibe gewahrt. Die Behörden wissen demnach nicht, wer vorerkrankt ist und das Schreiben erhalten hat - die Briefe werden von den Kassen versandt. Die Grünen im Niedersächsischen Landtag kritisieren das Verfahren: Hausärzte würden dadurch ungeheuer belastet. Außerdem hätte auch gesunde und nicht vorerkrankte Menschen entsprechende Post bekommen. Diese sind nach Angaben des Gesundheitsministeriums grundsätzlich impfberechtigt. Alle nun Angeschriebenen würden nicht weiter geprüft, heißt es.

Start für Impfung der über 60-Jährigen

Wer über 60 Jahre alt ist, soll sich laut Gesundheitsministerium ab 26. April in Niedersachsen telefonisch oder online auf die Warteliste für eine Corona-Impfung mit dem Stoff von AstraZeneca setzen können. In nächster Zeit würden außerdem weitere Lieferungen des Impfstoffes von Astrazeneca erwartet, die für die über 60-Jährigen vorgesehen sind. "Dieser Impfstoff schützt ausgesprochen wirksam vor einer Covid-Infektion und schweren Krankheitsverläufen", sagte Behrens mit Verweis auf die Empfehlung der ständigen Impfkommission (Stiko) für Impfungen mit Astrazeneca in dieser Altersgruppe. Das Risiko für schwere Nebenwirkungen sei bei den über 60-Jährigen verschwindend gering - insbesondere im Vergleich zum deutlich erhöhten Risiko einer schweren Covid-Erkrankung.

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Unterdessen fordert der Niedersächsische Städte- und Gemeindebund einen digitalen Impfnachweis. Impfausweise würden immer wichtiger, sagte der Sprecher des Städte- und Gemeindebundes, Thorsten Bullerdiek. "Um den Bürgerinnen und Bürgern es leichter zu machen ihren Impfausweis immer bei sich zu haben, aber auch um bessere Kontrollen zu ermöglichen und gefälschte Dokumente zu vermeiden, brauchen wir dringend den digitalen Impfausweis", so Bullerdiek am Sonnabend. Die Impfpässe in Papierform seien "ein Relikt aus vergangenen Tagen" und nicht mehr zeitgemäß, was Handhabung und Fälschungssicherheit angeht. Je mehr Menschen nun in der Corona-Pandemie geimpft würden, desto wichtiger werde es, diese Nachweise auch zu dokumentieren.

Digitaler Nachweis - mehr Möglichkeiten?

Das Bundesgesundheitsministerium klärt zur Zeit die Details für einen geplanten digitalen Impfpass. Nach Angaben aus Regierungskreisen sollen die Menschen in Deutschland noch vor den Sommerferien einen kompletten Impfschutz über eine Smartphone-App nachweisen können. Wer sich so ausweisen kann, könnte wieder mehr Möglichkeiten haben, zum Beispiel bei Urlaubsreisen. Wer kein Smartphone hat, soll zusätzlich zum Eintrag im gelben Impfpass einen Ausdruck der digital einlesbaren Impfbescheinigung als QR-Code auf Papier bekommen.

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Testpflicht entfällt für vollständig Geimpfte

In Niedersachsen gibt es schon ab Montag mehr Rechte für Geimpfte: Für Menschen mit vollständigem Impfschutz entfällt dann die Testpflicht. Wer vor mindestens zwei Wochen seine zweite Coronaspritze bekommen hat, kann zum Beispiel ohne vorherigen Coronatest Verwandte in Pflegeheimen besuchen. Genauso entfällt für vollständig geimpfte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in Alten- und Pflegeheimen dann die tägliche Testpflicht. Auch hier vorausgesetzt, die zweite Spritze liegt mindestens zwei Wochen zurück.

Abstandsregeln und Maskenpflicht gelten weiterhin

Eine hundertprozentige Sicherheit gebe die Impfung jedoch nicht, heißt es aus der niedersächsischen Staatskanzlei. Deshalb müssten sich auch Geimpfte weiter an Abstandsregeln und Maskenpflicht halten. In Niedersachsen sind bisher nach Daten des Robert Koch Instituts (RKI) etwas mehr als 500.000 Menschen zweifach geimpft.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 16.04.2021 | 12:00 Uhr

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