Neben einem Auto liegt ein Fahrrad.

Immer mehr Radfahrer verunglücken in Niedersachsen

Stand: 21.05.2021 06:51 Uhr

Es sollen mehr Menschen Radfahren, denn Radfahren ist klimafreundlich - aber auch gefährlich: 400 Radfahrer sind im vorigen Jahr deutschlandweit im Verkehr tödlich verunglückt. Tendenz steigend.

von Katharina Seiler

Auch in Niedersachsen ist die Anzahl der verletzten und getöteten Fahrradfahrer in den vergangenen zehn Jahren gestiegen. Das geht aus einer Antwort des Bundesverkehrsministeriums auf eine Anfrage der Grünen hervor, die NDR 1 Niedersachsen vorliegt. Während 2009 65 Radfahrer in Niedersachsen getötet worden sind, waren es 2019 73. Und auch die Zahl der verletzten Radfahrer ist gestiegen: von rund 9.000 auf fast 9.800 im Jahr 2019. Die Anzahl der getöteten und verletzten Radfahrer steigt oder stagniert auf hohem Niveau, das sei auch bundesweit zu beobachten, sagt Stephanie Krone aus der Bundesgeschäftsstelle des ADFC.

ADFC kritisiert fehlende Sanktionen

In zwei Drittel aller Fälle würden die Fahrradunfälle durch ein Zusammenstoß mit einem Auto verursacht, wobei in 75 Prozent aller Fälle die Autofahrer schuld seien, so der ADFC. Am gefährlichsten werde es für den Radfahrer auf Kreuzungen, beim Abbiegen, Einbiegen oder Kreuzen. Vor allem die Zahl der getöteten Radfahrer durch rechtsabbiegende Lkw nehme seit Jahren zu, sagt Krone vom ADFC. Der ADFC kritisiert, dass der Bußgeldkatalog der neuen Straßenverkehrsordnung immer noch nicht in Kraft sei. Das bedeute, dass es noch immer nicht sanktioniert werde, wenn ein rechtsabbiegender Lkw schneller als Schrittgeschwindigkeit fahre. Der neue Bußgeldkatalog liegt seit gut einem Jahr auf Eis und soll voraussichtlich im September beschlossen werden, heißt es aus Regierungskreisen.

Forderung nach Tempo 30 in Städten

Das niedersächsische Innenministerium sieht die Ursache der gestiegenen Anzahl der Fahrradunfälle in einem grundsätzlich höheren Verkehrsaufkommen. Für die niedersächsische Polizei heiße das, dass der Radverkehr jetzt einer ihrer Handlungsschwerpunkte bei der Arbeit zur Verkehrssicherheit geworden ist, so ein Sprecher des Innenministeriums. Und das bedeute mehr Prävention und mehr Kontrollen. Der Grüne Bundestagsabgeordnete aus Hannover, Sven-Christian Kindler, dagegen fordert im Sinne der Verkehrssicherheit, dass die Höchstgeschwindigkeit in Städten auf 30 Kilometer pro Stunde begrenzt werden sollte. Außerdem sollten Bund und Land seiner Ansicht nach viel mehr Geld als bisher in ein sicheres Radwegenetz investieren, anstatt immer neue Straßen zu bauen. Schließlich sei es ein Ziel der Politik, dass der Radverkehr aus Klimagründen in den nächsten Jahren weiter zunehmen soll, sagt der ADFC.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 21.05.2021 | 07:00 Uhr

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