Ein Mann zündet einen Böller an. © picture alliance/dpa Foto: Patrick Pleul

Feuerwerksverbot an Silvester? Hersteller kritisieren Pläne

Stand: 24.11.2020 21:03 Uhr

Wird Feuerwerk an Silvester verboten? Am Mittwoch wird eine Entscheidung erwartet. Ein generelles Verbot scheint vom Tisch - eine Empfehlung zum Verzicht sorgt bei den Unternehmen für Unverständnis.

Ein Sprecher des Feuerwerksproduzenten Comet aus Bremerhaven kritisiert das Vorhaben. "Unserer Ansicht nach wäre es sinnvoller, den Menschen zu empfehlen, dass sie Feuerwerk mit Bedacht und im kleineren Kreis der Familie nutzen sollten", sagte Comet-Sprecher Norman Edelmann. Der Beschlussentwurf der Länder empfiehlt, zum Jahreswechsel auf Feuerwerk zu verzichten, um Menschenansammlungen und Verletzte zu vermeiden. Ein grundsätzliches Verkaufsverbot soll es aber nicht geben.

95 Prozent des Umsatzes binnen weniger Tage

Bei richtiger Handhabung des Feuerwerks inklusive Einhaltung der Abstands- und Kontaktregeln könne Corona-konform gefeiert werden, so der Sprecher. Comet ist der zweitgrößte Importeur von Feuerwerk. 95 Prozent seines Umsatzes nimmt das Unternehmen nach eigenen Angaben in den Tagen zwischen Weihnachten und Silvester ein. Die jährlichen Einnahmen lägen bei rund 65 Millionen Euro, hieß es. Ein Feuerwerksverbot würde die komplette Branche an den Rand der Insolvenz bringen, sagte Comet-Geschäftsführer Richard Eickel NDR 1 Niedersachsen.

VIDEO: Corona kompakt: Kommt ein Böller-Verbot für Silvester? (2 Min)

Unternehmen: Feuerwerk vor Haustür unbedenklich

Das Unternehmen Rohr Feuerwerke aus der Gemeinde Wedemark (Region Hannover) kritisiert ebenfalls die geplante Empfehlung zum Böllerverzicht. Wenn Menschen vor der eigenen Haustür ein Feuerwerk zünden, sei dies unbedenklich, sagte Mitarbeiter Johannes Sewening. Wichtig sei, dass die Leute die Anweisungen befolgten, Abstand hielten und nur legales Feuerwerk kauften. Zudem sollten Menschenansammlungen vermieden werden.

Weil für Feuerwerksverbot an belebten Plätzen

Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) hatte sich zuvor für ein Verbot von Feuerwerken an belebten Straßen und Plätzen ausgesprochen. Die Lebenswirklichkeit zeige, dass es nicht beim Böllern bleibe, sagte Weil am Dienstag im ZDF-"Mittagsmagazin". Alkohol führe dazu, dass Grenzen fallen. "Solche Feiern, das sind echte Risikopunkte insgesamt für das Infektionsgeschehen", sagte Weil.

Polizeigewerkschaft für generelles Verbot

Die Deutsche Polizeigewerkschaft (DPolG) Niedersachsen hält dagegen ein generelles Verbot der Knallerei für notwendig. Wo ausgelassene Stimmung herrsche und Alkohol hinzukomme, würden Abstands- und Hygieneregeln weniger ernst genommen, sagte der Landesvorsitzende Patrick Seegers. Mit Blick auf die Krankenhäuser könne ein Verbot zu einer Entlastung der Intensivmedizin führen, die ohnehin arg gebeutelt sei.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Regional Oldenburg | 24.11.2020 | 17:00 Uhr

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