Der Eingangsbereich einer Unterkunft für Geflüchtete. © NDR

Erschossener Geflüchteter in Stade: Beschwerde abgewiesen

Stand: 12.10.2021 14:44 Uhr

Nach den tödlichen Schüssen auf einen Flüchtling vor zwei Jahre in einer Stader Flüchtlingsunterkunft hat die Generalstaatsanwaltschaft Celle eine erneute Beschwerde abgewiesen.

Die Einstellung des Verfahrens sei gerechtfertigt - der Einsatz der Schusswaffe des Polizisten sei wegen Notwehr rechtens gewesen, teilte die Behörde am Dienstag mit. Es entspreche der Rechtslage, das Verfahren wegen mangelnden hinreichenden Tatverdachts einzustellen.

19-Jähriger tödlich verletzt

Nach Angaben der Polizei war der aus Afghanistan stammende Asylbewerber im August 2019 mit einer Eisenstange auf Polizisten los gegangen. Nachdem der Einsatz von Pfefferspray erfolglos geblieben sei, habe einer der Beamten auf den 19-Jährigen geschossen, um den Angriff zu stoppen. Der junge Mann starb kurze Zeit später. Eine Bürgerinitiative, der Flüchtlingsrat Niedersachsen und der Bruder des Getöteten hatten sich danach für eine Aufklärung des Geschehens eingesetzt.

Zwei Beschwerden des Bruders

Einer ersten Beschwerde des Bruders wurde zunächst stattgeben, im Dezember 2020 wurdenweitere Ermittlungen eingestellt. Nun wurde eine erneute Beschwerde des Bruders abgelehnt. Die Generalstaatsanwaltschaft verwies dabei unter anderem auf die gutachterliche Untersuchung von Rechtsmedizinern und des Landeskriminalamtes Niedersachsen von Spuren aus der Wohnung, der Kleidung und der Schusskanäle im Körper des Toten.

Verbände beklagen Polizeigewalt gegen Migranten

Laut Flüchtlingsrat sind in den vergangenen zwei Jahren mindestens vier Menschen mit Flüchtlingsgeschichte in Niedersachsen in Folge von Polizeieinsätzen ums Leben gekommen, darunter ein Anfang Oktober in Harsefeld getöteter 40-Jähriger. Gemeinsam mit 17 Selbstorganisationen und Vereinen beklagt der Flüchtlingsrat unverhältnismäßige Härte bei Polizeieinsätzen, den Gebrauch von Schusswaffen durch Beamte sowie Racial Profiling - also anlasslose Personenkontrollen von Menschen aufgrund äußerer Merkmale. Vom Land Niedersachsen fordern die Migrantenvereine Konsequenzen - darunter unter anderem eine unabhängige Beschwerdestelle und mehr Transparenz bei der Polizeiarbeit.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 12.10.2021 | 14:00 Uhr

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