Ein Traktor düngt ein Feld mit Gülle © colourbox Foto: Alfred Hofer

Düngeverordnung: Landesregierung regelt "rote Gebiete" neu

Stand: 23.12.2020 09:35 Uhr

Die niedersächsische Landesregierung hat die "roten Gebiete" neu festgelegt. Die mit Nitrat und Phosphat belasteten landwirtschaftlichen Flächen in Niedersachsen schrumpfen.

Demnach sind statt 1,04 Millionen Hektar jetzt noch 796.000 Hektar als "rotes Gebiet" ausgewiesen. Dadurch sinkt der Anteil an der landwirtschaftlich genutzten Fläche von 39 auf rund 30 Prozent. Gleichzeitig wird die Verwendung von Düngemitteln aber weiter eingeschränkt. Die Neuregelung nimmt vor allem die Betriebe in den Blick, die für zu hohe Nitratwerte verantwortlich sind. Niedersachsen setzt damit verschärfte Umweltauflagen von Bund und EU um.

Otte-Kinast: "Klarheit zur Hauptdüngesaison"

Agrarministerin Barbara Otte-Kinast (CDU) und Umweltminister Olaf Lies (SPD) stellten am Dienstag in Hannover den Entwurf einer neuen Landesverordnung vor. Die Neufassung der "Niedersächsischen Verordnung über düngerechtliche Anforderungen zum Schutz der Gewässer vor Verunreinigungen durch Nitrat oder Phosphat" ist damit zur Verbandsbeteiligung freigegeben. Diese werde rund sechs Wochen in Anspruch nehmen, hieß es vonseiten des Agrarministeriums. "Rechtzeitig zur Hauptdüngesaison werden wir Klarheit haben", sagte Otte-Kinast.

Bauern müssen Stickstoffdüngung verringern

"Jetzt kommt es darauf an, eine gezielte Beratung für unsere landwirtschaftlichen Betriebe anlaufen zu lassen", so die Ministerin. Landwirte müssen in den "roten Gebieten" die Stickstoffdüngung um 20 Prozent reduzieren. Ausgebrachter Dünger muss rasch eingepflügt werden, damit Partikel nicht durch die Luft verweht werden. Auf abgeernteten Feldern soll eine Zwischenfrucht den Dünger in der Erde halten.

Landvolk kritisiert Verfahren

Darüber hinaus müssen die Bauern weitere strenge Vorgaben beachten, die im übrigen Land so nicht gelten. Freuen können sich hingegen Landwirte, die Grünland bewirtschaften, also vor allem Viehweiden. Die sind nahezu komplett aus den "roten Gebieten" herausgenommen worden. Das Landvolk erneuerte seine Kritik am Verfahren. Die "roten Gebiete" müssten noch stärker differenziert werden, sagte der designierte Präsident des Landesbauernverbandes, Holger Hennies. Das Land gehe darüber hinweg, dass an Hunderten Messstellen nur geringe Nitratwerte gemessen würden. Umweltminister Lies nahm das Messnetzwerk in Schutz. Von 1.100 untersuchten Messstellen in den "roten Gebieten" hätten sich 94 Prozent als geeignet erwiesen. Eine zentrale Ansprechstelle solle künftig Fragen der Landwirtschaft zur Gebietseinstufung beantworten.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 23.12.2020 | 08:00 Uhr

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