Stand: 10.09.2019 17:35 Uhr

Dünge-Problematik: Das Umdenken kommt zu spät

Die Niedersächsische Landesregierung hat am Dienstag neue und vor allem schärfere Regeln veröffentlicht, nach denen Gülle und anderer Dünger in besonders belasteten Gebieten nur noch eingeschränkt ausgebracht werden darf.

Ein Kommentar von Thomas Schwierzi, NDR Niedersachsen

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Thomas Schwierzi meint, dass auch die Landwirte selbst das Problem oft heruntergespielt hätten.

Wer auf die neue Dünge-Karte sieht, der sieht rot: Fast die gesamte Mitte des Landes Niedersachsen ist so gekennzeichnet - rot für die Gebiete, für die laut Landesregierung "hoher Handlungsbedarf" besteht. Betroffen sind auch, aber mitnichten allein, die Landkreise mit besonders intensiver Tierhaltung um Cloppenburg und Vechta.

Dass es so kommen würde, darf eigentlich niemanden überraschen, denn seit Jahren wird beispielsweise Nitrat in Flüssen und Seen, aber auch im Grundwasser und teils sogar in Trinkwasserbrunnen gemessen. Und geschehen ist zu wenig, das meinen nicht nur Umweltschützer und Wasserversorger, sondern eben auch die EU.

Grundwasser ist unser wichtigstes Lebensmittel

Eigentlich traurig, dass die deutsche und niedersächsische Politik erst jetzt tätig wird, da hohe Geldstrafen von der EU drohen. Denn dass unser Grundwasser und damit auch unser wichtigstes Lebensmittel bedroht ist, das sollte eigentlich genug und schon länger Anlass zum Handeln gewesen sein.

War es aber nicht - und daran sind auch die Landwirte mit ihrer starken Lobby nicht unschuldig. Denn sie haben das Problem oft heruntergespielt und selbst wenig Anlass zum Handeln gesehen.

EU hat die Notbremse gezogen

Zwar setzt jetzt - zumindest in den offiziellen Stellungnahmen - vereinzelt ein Umdenken ein, aber das ist nicht nur für viele Ökosysteme und die EU, sondern auch für die Landwirte selbst zu spät: Denn nun kann es für einige Landwirte wirklich knüppeldick kommen. Mittelfristig müssen sie wohl ihre Pflanzen unterversorgen, wenn der Boden und das Grundwasser gesunden sollen. Das aber bedeutet Ernte-Einbußen - von der Frage "Wohin nun mit der Gülle?" mal ganz zu schweigen.

Da sehen einige Bauern die Existenz ihres Betriebes zu Recht bedroht. Wenn sie nun rot sehen, sollten sie sich dafür nun aber nicht bei der EU bedanken, die gewissermaßen die Notbremse in Sachen Nitrat gezogen hat, sondern bei ihren Verbandsvertretern, die jahrelang eher beschwichtigt als gehandelt haben.

Lange Übergangszeiten könnten die EU auf den Plan rufen

Wobei: Ob die neuesten Regeln sowohl für Brüssel als auch für das Grundwasser ausreichen, das sei mal dahingestellt. Denn dass und wie der Dünger reduziert werden soll, das steht noch nicht einmal genau fest. Und außerdem sollen teils lange Übergangszeiten gelten.

Ich jedenfalls bezweifele, ob Brüssel wirklich so viel Geduld mit Deutschland und seinen Bauern hat.

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NDR Info | Kommentar | 10.09.2019 | 17:08 Uhr

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