Stand: 26.07.2020 18:00 Uhr  - NDR Info

Niedersachsen: Neues Schuljahr mit vielen Fragezeichen

Ab Anfang August enden nach und nach die Ferien im Norden. Alle Kultusminister sind sich einig: Schule soll dann - so weit möglich - wieder regulär stattfinden. In mehreren Beiträgen schaut NDR Info darauf, wie es dann weitergeht. In Niedersachsen sind derzeit mehr als eine Million Schüler noch am Anfang ihrer Ferien. Sie starten erst Ende August ins neue Schuljahr. Wie der neue Schulalltag in der Corona-Krise dann ablaufen wird, ist noch nicht klar - aber der Kultusminister hat einen Plan, wie der Unterricht dann aussehen könnte.

von Torben Hildebrandt

Sönke Rengstorf besucht die Londy-Schule in Rethem an der Aller. Im Moment genießt der 13-Jährige die Ferien. Für den Neustart nach der Sommerpause wünscht er sich vor allem eins: "Dass wir nicht überall Masken tragen müssen." Wenn man morgens eine halbe Stunde mit dem Bus zur Schule und mittags wieder zurückfahre, sei das schon ein bisschen anstrengend, erklärt er.

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Maskenpflicht auf Schul-Fluren in Niedersachsen

Die Maske wird Sönke Rengstorf wahrscheinlich nicht los - im Gegenteil. Im neuen Schuljahr muss er Mund und Nase nicht nur im Bus bedecken, sondern auch auf den Fluren in der Schule. Niedersachsen führt die Maskenpflicht überall dort ein, wo sich zu viele Schüler auf zu engem Raum begegnen könnten. Denn: Es wird wieder voll in den Schulen - zumindest dann, wenn der Plan von Kultusminister Grant-Hendrik Tonne greift. Der SPD-Politiker will den Regelbetrieb. "Regelbetrieb bedeutet, dass alle Kinder in die Schule gehen, in die Klasse und zu den Lehrkräften, die sie kennen und somit der Präsenzbetrieb in der Schule wieder startet", erklärt Tonne. "Das ist ein eingeschränkter Regelbetrieb", fügt der niedersächsische Kultusminister hinzu, denn es könne durchaus sein, dass es noch vereinzelt zu Ausfällen komme, weil bestimmte Personengruppen besonders geschützt werden müssen.

Schule soll sich wieder fast so anfühlen wie vor Corona

Grundsätzlich soll sich Schule wieder fast so anfühlen wie vor Corona: Alle Schüler von Klasse 1 bis 13 kehren wieder zurück, der Mindestabstand fällt weg. Die Lehrer unterrichten wieder ganze Klassen, auch Ganztagsangebote und klassenübergreifender Unterricht werden wieder erlaubt sein. Die Leiterin der Londy-Schule in Rethem, Sandra Steinhoff-Schäfer, freut sich, dass es wieder losgehen soll. Sie hofft, dass der Plan auch wirklich aufgeht. "Grundsätzlich finde ich es gut, wenn alle wiederkommen", sagt sie. "Auch, dass wir das Kurssystem weiter laufen lassen können. Das ist im Oberschulbereich ganz wichtig, dass die entsprechenden Profile angeboten werden." Mit Blick auf die Situation nach den Ferien sagt sie aber auch: "Wenn jetzt alle in den Urlaub fahren und dann wiederkommen - weiß man nicht, wie die Infektionslage dann aussieht."

Nur Schüler innerhalb eines Jahrgangs dürfen Kontakt zueinander haben

Um das Infektionsrisiko klein zu halten, gilt nach den Ferien: Nur Schüler innerhalb eines Jahrgangs dürfen Kontakt zueinander haben. Das kann klappen, glaubt Steinhoff-Schäfer. Die Hygiene-Auflagen seien bisher kein Problem gewesen. "So, wie ich das bisher an der Schule erlebt habe, werden sich die Schüler darauf einstellen", sagt die Schulleiterin. "Ich finde es bewundernswert, dass unsere Schülerinnen und Schüler alles so schnell annehmen und mittragen." Auf die neue Situation werden sie sich schnell einstellen, glaubt sie.

Regelbetrieb an Niedersachsens Schulen noch nicht sicher

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Niedersachsens Kultusminister Grant Hendrik Tonne plant im neuen Schuljahr Präsenzunterricht an allen Schulen.

Ob Niedersachsens Schulen tatsächlich in den Regelbetrieb starten, ist allerdings nicht sicher. Kultusminister Tonne lässt sich Notausgänge offen, falls die Infektionszahlen steigen. Bei Corona-Massenausbrüchen sind Schulschließungen und Homeschooling vorgesehen - zumindest lokal. "Wir werden uns vier Wochen und zwei Wochen vorher die aktuelle Entwicklung anschauen und uns fragen: Können wir mit den Szenarien arbeiten? Oder müssen wir auch daran noch Änderungen vornehmen?“, so Tonne.

Risikogruppe: Zehn Prozent der Lehrer könnten ausfallen

Das heißt aber auch, Eltern, Schüler und Lehrer wissen erst kurz vor Beginn des neuen Schuljahres, was wirklich auf sie zukommt. Offen ist auch, wie viele Lehrer nach den Ferien für den Unterricht verfügbar sind. Bis zu zehn Prozent könnten ausfallen, weil sie zur Risikogruppe gehören, schätzt der Kultusminister. Die Lehrergewerkschaft GEW betont: Wenn Lehrer im Homeoffice bleiben, dann sei das ihr gutes Recht. Die GEW-Landesvorsitzende Laura Pooth sagt, diesbezüglich hätte der Kultusminister längst vorsorgen können. "Uns fehlt eine Vertretungsreserve", sagt sie. "Wenn wir die hätten, hätten wir gar keine Schwierigkeiten."

Programm-Tipps

NDR Info sendet im Hörfunk am Dienstag, den 28. Juli, ab 21.35 Uhr eine Redezeit mit dem Thema "Das neue Schuljahr beginnt - wie viel Normalität lässt Corona zu?". Am Sonntag, den 2. August, läuft um 6.05 Uhr und 17.05 Uhr ein Forum am Sonntag mit dem Titel "Schule in der Corona-Zeit"

Schulen schauen auf die Entwicklung der Corona-Lage

An der Londy-Schule in Rethem plant die Leiterin Sanda Steinhoff-Schäfer normalerweise erst das neue Schuljahr und geht dann in die Ferien. Diesmal macht sie es umgekehrt: erst der Urlaub, dann die Planung. Sie will erst abwarten, wie sich die Corona-Lage entwickelt - und welche Vorgaben am Ende tatsächlich aus Hannover kommen.

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Dieses Thema im Programm:

NDR Info | 27.07.2020 | 06:55 Uhr

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