Corona: Niedersachsen plant bis zu 60 Corona-Impfzentren

Stand: 19.11.2020 17:15 Uhr

Die niedersächsische Landesregierung hat am Donnerstag ein Konzept zum Aufbau von Corona-Impfzentren vorgestellt.

Bis zu 60 Zentren sollen in Niedersachsen entstehen. Die Impfzentren werden so über das Land verteilt, dass ein Zentrum auf etwa 150.000 Einwohner kommt. Außerdem soll es mobile Teams geben, die zum Beispiel in Alten- und Pflegeheimen impfen. Niedersachsen wolle und werde vorbereitet sein, wenn die ersten Impfstoff-Chargen eintreffen, sagte Gesundheitsministerin Carola Reimann (SPD). Deshalb sollen jetzt die Planungen für den Aufbau der Impfzentren im Land beginnen. Die Aufgaben sind laut Innenminister Boris Pistorius (SPD) dabei wie folgt verteilt: Das Land kümmert sich um die Verteilung des Impfstoffs, um die Terminvergabe in den Impfzentren und trägt die gesamten Kosten. In Kooperation mit der Kassenärztlichen Vereinigung wird das Land zudem Ärzte rekrutieren, die die Impfungen vornehmen. Die Kommunen sollen geeignete Räumlichkeiten finden und im Auftrag des Landes die Impfzentren errichten und betreiben.

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Risikogruppen und Mitarbeiter im Gesundheitswesen zuerst

Zu Beginn der Impfphase werde es voraussichtlich nur eine "sehr begrenzte Zahl von Impfdosen" geben, sagte Reimann. Deshalb werde der Fokus zunächst auf den Risikogruppen und den Beschäftigten im Gesundheitswesen und den Gemeinschaftseinrichtungen liegen. Das Land werde sich dabei an die Vorgaben der Ständigen Impfkommission (Stiko) halten. Langfristig sei es das Ziel, dass die niedergelassenen Hausärzte die Corona-Impfungen durchführen - so wie andere Impfungen auch. "Die Impfzentren übernehmen damit eine Brückenfunktion, bis wir über ausreichend Dosen des Impfstoffs und auch Erfahrungen mit der Impfung verfügen", sagte Reimann.

Reimann: Es wird keine Impfpflicht geben

Allerdings werden die Impfzentren laut Reimann voraussichtlich erst dann zum Einsatz kommen, wenn ausreichend Impfstoff zur Verfügung steht. Sie geht davon aus, dass zunächst vor allem mobile Teams in Seniorenheime fahren und dort die besonders gefährdeten Personen impfen. Die Ministerin betonte auch, dass es keine Impfpflicht geben werde. Sie sei aber zuversichtlich, dass viele Personen sich impfen lassen wollen. In den ersten Wochen und Monaten werde der Impfverlauf dokumentiert, um mögliche Nebenwirkungen zu erkennen und weitere medizinische Erkenntnisse zu gewinnen. Reimann glaubt, langfristig auch Impfskeptiker überzeugen zu können, wenn erkennbar sei, dass die Impfung wirksam und mit wenigen Nebenwirkungen verbunden ist. Derzeit sei aber noch völlig unklar, wann und wie viel Impfstoff Deutschland erhalten werde, sagte Reimann.

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"Es wird eine große Kraftanstrengung kosten, insbesondere das notwendige medizinische Personal in kurzer Zeit für den Zeitraum vieler Monate zu gewinnen", sagte der Hauptgeschäftsführer des Niedersächsischen Landkreistages, Hubert Meyer. Deshalb sei die Zusammenarbeit mit der Kassenärztlichen Vereinigung wichtig. Laut Reimann ist geplant, Impfteams zu gründen - bestehend aus jeweils einem Arzt und einer Reihe von Helfern, die impfen dürfen. Ein solches Team soll dann soll 20 Menschen pro Stunde impfen können.

Termine werden hauptsächlich online vergeben

Eine weitere Schwierigkeit sieht Meyer darin, geeignete Standorte für die Impfzentren zu finden. Wegen der anspruchsvollen Voraussetzungen, die diese erfüllen müssten, werde man sich voraussichtlich auf Stadthallen und Veranstaltungszentren konzentrieren, so Meyer. Unter anderem müssen die Impfzentren für die Bürgerinnen und Bürger gut erreichbar sein und über eine stabile Internetverbindung verfügen, um die Terminbuchungen organisieren zu können. Denn Termine sollen laut Reimann vor allem online vergeben werden. All jene, die keinen Zugriff aufs Internet haben, sollen zudem die Möglichkeit erhalten, auf analogem Weg einen Termin zu vereinbaren - beispielsweise über ein Bürgertelefon.

Kühlung von mRNA-Impfstoff eine Herausforderung

An der Organisation der Massenimpfungen sollen der Katastrophenschutz, Hilfsorganisationen und die Polizei beteiligt werden. Wo die Impfzentren errichtet werden und wie viele genau, wird sich laut Pistorius in den kommenden Wochen ergeben. Die Landkreise und kreisfreien Städte haben das Impfkonzept erst am Donnerstag erhalten und müssen nun passende Orte finden. Große Herausforderungen sieht das Land vor allem bei der erforderlichen konstanten Kühlung der mRNA-Impfstoffe bei einer Temperatur von minus 70 Grad auf sich zukommen. Laut Reimann soll sich ein Logistikunternehmen um die Anlieferung des Impfstoffes einschließlich des erforderlichen Trockeneises kümmern. Die Kosten für die Impfungen übernehmen die Krankenkassen.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 19.11.2020 | 11:00 Uhr

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