Nadine Hesse wird als erste Person vom Impfteam im Pflegezentrum Schlüter geimpft. © dpa-Bildfunk Foto: Mohssen Assanimoghaddam/dpa

Corona-Impfungen gestartet: "Ein echter Lichtblick"

Stand: 27.12.2020 18:25 Uhr

Die ersten Impfdosen gegen das Coronavirus sind auch in Niedersachsen verabreicht worden - zunächst in den Landkreisen Osnabrück und Cloppenburg.

Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil und Gesundheitsministerin Carola Reimann (beide SPD) haben am Sonntag eines der ersten mobilen Impfteams begleitet. "Das ist der Auftakt zu der größten Impfaktion, die wir in Niedersachsen je gesehen haben", sagte Weil vor dem Pflegezentrum Schlüter in Bad Rothenfelde (Landkreis Osnabrück). In der privaten Einrichtung leben rund 100 Frauen und Männer. 70 Menschen sind dort beschäftigt. "Wir wissen, dass ein wirksamer Schutz am Ende nur über eine wirksame Impfung zu erreichen ist." Er freue sich, "dass wir am Ende dieses Jahres doch noch einen echten Lichtblick erleben", sagte Weil.

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Eine Kanüle steckt in einem Fläschchen mit Impfstoff. © Colourbox Foto: Proxima Studio

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Weitere Landkreise ab Montag

Auch im Landkreis Cloppenburg wurden am Sonntag etwa 100 Bewohnerinnen und Bewohner sowie Beschäftigte von Pflegeheimen geimpft. Am Sonnabend war der erste in der EU zugelassene Impfstoff gegen das Coronavirus bundesweit ausgeliefert worden. Knapp 10.000 Impfdosen sollten nach Niedersachsen kommen. Sie wurden aus einem geheim gehaltenen Zentrallager zunächst an die Landkreise Osnabrück und Cloppenburg verteilt, weil es dort über einen längeren Zeitraum hohe Corona-Infektionszahlen und viele Fälle in Pflegeheimen gegeben hat.

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Reimann: Noch im Januar Impfung auch für Nicht-Heimbewohner

In den nächsten Tagen werde weiterer Impfstoff an diejenigen Landkreise verteilt, die signalisieren, dass sie alle notwendigen Einverständniserklärungen von Pflegeheimbewohnerinnen und -Bewohnern vorliegen haben, erklärte Gesundheitsministerin Reimann. Der Impfstoff werde immer dann ausgeliefert, wenn er vor Ort auch wirklich verimpft werden könne. Ab Januar sollen wöchentlich gut 63.000 Dosen für Niedersachsen zur Verfügung stehen. Reimann geht nach eigenen Angaben davon aus, dass ab der ersten Januarwoche in allen Landkreisen flächendeckend Heimbewohner und -beschäftigte geimpft werden könnten. Im Laufe des Monats sollen sich auch über 80-Jährige, die nicht in Heimen wohnen, in einem der niedersächsischen Impfzentren impfen lassen können.

Frühstart in Sachsen-Anhalt

Eigentlich sollte die Impfkampagne bundesweit am Sonntag beginnen. Doch bereits am Sonnabend wurden in Halberstadt im Harz (Sachsen-Anhalt) Bewohner eines Seniorenheims als erste Personen in Deutschland gegen das Coronavirus geimpft.

Impfverordnung legt Reihenfolge fest

Ein Mann in Bad Rothenfelde wird geimpft. © NDR Foto: Claus Halstrup
Die Beschäftigten in Pflegeheimen gehören zur ersten Gruppe derer, die geimpft werden - wie hier in Bad Rothenfelde.

Wer zuerst gegen das Coronavirus geimpft wird, regelt bundesweit eine Rechtsverordnung, die Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) unterzeichnet hat. Demnach besteht die Gruppe mit der höchsten Priorität neben Bewohnern von Senioren- und Pflegeheimen aus über 80-Jährigen sowie medizinischem Personal, das einem erhöhten Infektionsrisiko ausgesetzt ist. Die Jüngeren und Gesünderen müssten sich noch gedulden, sagte Spahn am Sonnabend. Voraussichtlich Mitte 2021 könne auch das Impfen in der Fläche beginnen. Spahn stimmte die Bürger darauf ein, dass angesichts der Größe der Kampagne vielleicht nicht alles sofort ganz glatt laufen wird. "Es wird an der einen oder anderen Stelle auch mal ruckeln, das ist ganz normal." Eine Impfpflicht besteht nicht.

Start der Impfzentren noch nicht bekannt

Die 50 Impfzentren im Land sollen zu einem späteren Zeitpunkt die Arbeit aufnehmen - ein genaues Datum wurde zunächst nicht genannt. Organisatorisch sind die Zentren nach Angaben des Niedersächsischen Städtetages bereits betriebsbereit. Nach einem Bericht der "Nordsee-Zeitung" erlaubt die Landesregierung die freie Wahl des Corona-Impfzentrums. Den Menschen werde das für sie nächstgelegene Impfzentrum vorgeschlagen, grundsätzlich könnten sie aber jedes beliebige andere Impfzentrum in Niedersachsen auswählen, sagte eine Sprecherin des Sozialministeriums der Zeitung.

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Ein Arzt impft eine Patientin gegen Grippe. © picture alliance Foto: Zacharie Scheurer

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Mahnungen aus der Politik: Weiter an Regeln halten

Die Vorsitzende der SPD-Fraktion im Niedersächsischen Landtag, Johanne Modder, sprach am Sonntag von einem starken "Signal der Hoffnung". Sie warnte aber auch vor Leichtsinn: "Trotz aller Euphorie, die mit dem Impfstart verbunden ist, müssen wir weiterhin aufmerksam und vorsichtig sein. Abstand halten, Maske tragen, Risikogruppen schützen." Vorerst gebe es "keine Grundlage für verfrühte Lockerungsmaßnahmen".

Auch Gesundheitspolitiker des Bundes appellierten an die Bevölkerung, sich weiterhin an die Corona-Schutzmaßnahmen zu halten. "Wir sehen an den aktuellen Infektionszahlen, dass uns die Corona-Pandemie noch einige Zeit im Griff haben wird", sagte etwa die gesundheitspolitische Sprecherin der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Karin Maag, am Sonntag. Die Regeln müssten eingehalten werden, "auch an Silvester". SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach schrieb in einem Gastbeitrag für die "Welt", "dass die Bevölkerung diese Herausforderung nach wie vor unterschätzt". Das kommende Jahr werde "sehr stark bestimmt werden durch das, was in den nächsten Monaten passiert. Die Zeit bis mindestens Anfang April wird die mit Abstand schwerste in der Bekämpfung der Corona-Pandemie sein." Lauterbach warnte ebenso wie Modder davor, die Einschränkungen zu früh zu lockern.

Wie viele Menschen können wann geimpft werden?

Niedersachsen wird nach den ersten 9.750 Impfdosen bis Ende 2020 voraussichtlich etwa weitere 117.000 Dosen erhalten. Nach bisher bekannten Zahlen des Bundesgesundheitsministeriums soll Niedersachsen dann ab Januar 2021 regelmäßig jede Woche 63.375 Impfdosen erhalten. Bis Ende März sollen bundesweit 10,1 Millionen Impfdosen geliefert werden, von denen Niedersachsen etwa 10 Prozent erhalten wird. Mit diesen rund 1,1 Millionen Impfdosen können etwa 550.000 Menschen versorgt werden - jede Person benötigt zwei Dosen. In Niedersachsen zählen etwa 800.000 Menschen zu der ersten Impfgruppe mit der höchsten Priorität.

Quelle: Niedersächsische Staatskanzlei

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 27.12.2020 | 14:00 Uhr

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