Bundestag beschließt: Kükentöten ab 2022 verboten

Stand: 21.05.2021 07:37 Uhr

In Niedersachsen werden jährlich rund 20 Millionen männliche Küken getötet. Deutschlandweit sterben 45 Millionen Küken pro Jahr. Diese Praxis des Kükentötens ist nun ab 1. Januar 2022 verboten.

von Katharina Seiler

Am späten Donnerstagabend hat der Bundestag eine entsprechende Änderung des Tierschutzgesetzes beschlossen. Gängige Praxis ist bisher, männliche Küken kurz nach dem Schlüpfen zu töten, weil ihre Aufzucht als wirtschaftlich unrentabel gilt, da sie keine Eier legen und weniger Fleisch ansetzen. Das Geschlecht des Kükens ist dank moderner Technologien aber mittlerweile schon vor dem Schlüpfen zu erkennen. Das Verbot des Kükentötens wird grundsätzlich von allen begrüßt: von der niedersächsischen Geflügelwirtschaft bis zum Tierschutzbund und auch parteiübergreifend. Kritik gibt es aber an Details.

Tierschutzbund kritisiert Ausnahmen

So kritisiert der Tierschutzbund unter anderem, dass nach wie vor Ausnahmen vom Kükentöten erlaubt sein sollen. Zum Beispiel dann, wenn die getöteten Küken an andere Tiere wie etwa Wildvögel verfüttert werden sollen. Die Tierschützerinnen und Tierschützer befürchten, dass das Verbot auf diese Weise unterlaufen werden könnte.

FDP fordert gesamteuropäische Lösung

Der agrarpolitische Sprecher der FDP und niedersächsische Bundestagsabgeordnete Gero Hocker findet das Verbot zwar auch richtig, er kritisiert allerdings, dass es nur in Deutschland gilt. So könnte sich das Problem ins europäische Ausland verlagern und die deutsche Geflügelwirtschaft benachteiligen, so seine Befürchtung.

Landvolkverband hätte gerne mehr Zeit zur Umsetzung

Der niedersächsische Landvolkverband findet das Verbot ebenfalls richtig. Er findet aber die Zeit, um es umzusetzen, zu knapp. "Diese Vorgaben der Bundesregierung überfordern uns", sagt Ulrich Löhr vom Landvolk Niedersachsen, der selbst Betreiber einer Hähnchenmastanlage ist. Und Friedrich-Otto Ripke vom Verband der Geflügelwirtschaft fürchtet gerade für kleinere deutsche Brütereien Wettbewerbsnachteile, die ihre Existenz gefährden könnten.

Die Union hofft auf mehr gesellschaftliche Akzeptanz

Ganz anders sieht das der agrarpolitische Sprecher der Union, der niedersächsische Bundestagsabgeordnete Albert Stegemann. Seiner Ansicht nach werden die niedersächsischen Brütereien mit ihrer Technologie des Aussortierens vor dem Schlüpfen der Küken weltweit Vorreiter beim Tierschutz in der Landwirtschaft. Außerdem, so sagt Stegemann, werde das Verbot mehr gesellschaftliche Akzeptanz der Nutztierhaltung in Niedersachsen und in Deutschland schaffen.

Weitere Informationen
In einem Hähnchenmastbetrieb sind viele kleine Küken zu sehen. © dpa - Bildfunk Foto: Jens Büttner

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Die Praxis soll laut Agrarministerin Klöckner Anfang 2022 abgeschafft sein. Tierschützern ist das Gesetz zu lasch. (20.01.2021) mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 20.05.2021 | 08:00 Uhr

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