Auf einem Schild an einem Trecker steht "No Farmers, no food, no future". © Nord-West-Media TV

Bauernproteste: Landwirte und Handel nähern sich an

Stand: 11.12.2020 21:21 Uhr

Landwirte und Lebensmittelhandel haben sich im Kampf um bessere Preise für die Bauern angenähert. Nach einer vierstündigen Videokonferenz gebe es erste erfolgversprechende Ergebnisse, hieß es.

Rewe, Penny, Lidl und Kaufland wollen mehr fürs Schweinefleisch bezahlen. Das haben die Konzerne bereits angekündigt. Edeka und Aldi haben noch keine Aussagen zu Preisen getroffen. Um die Bauern kurzfristig finanziell zu unterstützen, hat Aldi aber einen gemeinsamen Hilfstopf des Handels und der Politik ins Spiel gebracht. Man sei auf einem guten Weg, berichten die Landwirte auf Nachfrage von NDR 1 Niedersachsen.

Kommen neue Handelsmarken?

Details sollen jetzt in Arbeitsgruppen behandelt werden. So könne es künftig eine Ombudsstelle geben, die Streit zwischen Handel und Landwirten schlichten soll. Auch neue Handelsmarken, die die heimische Landwirtschaft kennzeichnen, seien denkbar. "Die Konzerne haben jetzt hoffentlich verstanden, wie es wirklich auf den Höfen aussieht", sagte Landwirt Jan-Bernd-Stolle aus Großenkneten (Landkreis Oldenburg) am Freitag. Das Aktionsbündnis "Land schafft Verbindung" in Niedersachsen empfiehlt den Landwirten, zunächst auf Blockaden zu verzichten.

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Man wolle den Bauern ab sofort Mindestpreise für Schweine bezahlen, sagte ein Rewe-Sprecher am Freitag. Genaue Summen oder Preise nannte der Sprecher nicht. Die Discounter Lidl und Kaufland, die beide zur Schwarz-Gruppe gehören, hatten bereits am Donnerstag angekündigt, die Ladenpreise für ausgewählte Schweinefleisch-Artikel um einen Euro pro Kilogramm zu erhöhen. In den vergangenen Wochen hatten die Bauern immer wieder Lager der Lebensmittelhändler blockiert.

Aldi und Edeka unter Zugzwang?

Die Preiserhöhungen sollen direkt an die Landwirte weitergegeben werden, heißt es. Die Bauern sehen jetzt die anderen Discounter unter Zugzwang. Sie erwarten, dass Aldi und Edeka ähnlich handeln. Um ihrer Forderung nach gerechteren Erzeugerpreisen Nachdruck zu verleihen, hatten sich Landwirte am Freitagmorgen zu kleinen Mahnwachen an vielen Discounter-Filialen zusammengefunden. Bereits am Donnerstagvormittag hatten Niedersachsens Bauern ihre Forderungen nach fairen Preisen mit anhaltenden Protesten in den Landtag gebracht.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 11.12.2020 | 08:00 Uhr

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