Stand: 20.08.2019 07:28 Uhr

Anzahl von Hautkrebsfällen in Niedersachsen steigt

von Claudia Wohlsperger und Antje Schmidt

Alfred Rosin arbeitet seit mehr als 30 Jahren als Bauarbeiter - und zwar überwiegend draußen. Die Sonne hat dem 57-Jährigen mit der Zeit Probleme gemacht: Er leidet unter sogenanntem weißen Hautkrebs und hat ein Basalzellkarzinom an der Nase. Dreimal wurde er schon operiert, der Krebs kam immer wieder. Die Zahl der Hautkrebserkrankungen steigt, auch in Niedersachsen. Nach den aktuellsten Daten des Niedersächsischen Krebsregisters, die dem NDR in Hannover vorliegen, wurden 22.196 Fälle von Tumoren des weißen Hautkrebs' im Jahr 2016 registriert. 2008 waren es noch 15.822 Fälle.

Männer teeren ein Stück Gehweg. © NDR

Wenn Hautkrebs zum Berufsrisiko gehört

Hallo Niedersachsen -

Die Hautkrebs-Rate steigt seit Jahren auch in Niedersachsen. Der helle Hautkrebs wird mittlerweile als Berufskrankheit anerkannt. Einige Berufsgruppen sind besonders gefährdet.

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Tumore können früher erkannt werden

Seit 2008 zahlen die Krankenkassen alle zwei Jahre für ein Hautkrebs-Screening. Die Vorsorgeuntersuchungen und das Bewusstsein für die Krankheit seien Gründe, dass Hautkrebs immer häufiger entdeckt werde, sagt Wolfgang Lensing vom Berufsverband der Dermatologen. Das Gute sei, dass die Hautärzte dadurch früher Tumore diagnostizieren und sie besser behandeln könnten. Hauptverursacher für Hautkrebs sind laut Lensing UV-Strahlen, vor allem UVB-Strahlen - und der Klimawandel verstärke den Effekt.

Risikogruppen: Landwirte, Bauarbeiter, Dachdecker, Seefahrer

"Früher hatte man einen UVB-Anstiegsgipfel in der Mitte des Jahres im Juni, Juli. Inzwischen fängt es im April an und geht bis in den Oktober. Das heißt, die UV-Einstrahlungszeit hat sich verlängert und die Menge hat sich deutlich erhöht", so Lensing. Das macht besonders denjenigen zu schaffen, die die meiste Zeit des Jahres draußen arbeiten: Landwirten, Bauarbeitern, Dachdeckern, Seefahrern. Hautkrebs ist eine der am häufigsten angezeigten Berufskrankheiten - bei der Berufsgenossenschaft BG Bau sogar Spitzenreiter.

Weitere Informationen

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Seit vier Jahren Berufskrankheit

Seit 2015 wird Hautkrebs als Berufskrankheit geführt. Seitdem wurden in Niedersachsen mehr als 1.000 Fälle berufsbedingter Erkrankungen anerkannt; bundesweit waren es 2017 etwa 5.300 Fälle. Allerdings werden nicht alle Formen des Hautkrebses als Berufskrankheit angesehen: Die Berufsgenossenschaften beschränken sich derzeit auf das sogenannte Plattenepithelkarzinom und seine Vorstufen. Die Begründung: Beim Plattenephitelkarzinom sind die Hautärzte sehr sicher, dass Arbeit an der Sonne diese Art des Krebses begünstigt und verschlimmert. Das Basalzellkarzinom, unter dem Bauarbeiter Rosin seit Jahren leidet, wird noch nicht regelmäßig anerkannt.

Krebs nur durch Sonnenbrand in der Kindheit?

Weißer Hautkrebs gilt als gut behandelbar. Gefährlicher ist der schwarze Hautkrebs, weil er Metastasen im Körper bilden kann. Er wird allerdings nicht als Berufskrankheit anerkannt. Laut Arbeitsmedizinerin Anette Wahl-Wachendorf von der BG Bau geht die Forschung derzeit noch davon aus, dass sich der schwarze Hautkrebs durch Sonnenbrand in der Kindheit bildet und nicht durch Sonneneinstrahlung bei der Arbeit.

Schwarzer Hautkrebs bei 22.664 Niedersachsen

Seit es die kostenlosen Hautkrebs-Screenings gibt, wurden in Niedersachsen jährlich zwischen 2.200 und 2.500 Fälle von schwarzem Hautkrebs im Krebsregister aufgenommen - vor dem Vorsorgeangebot waren es unter 2.000 Fälle pro Jahr. Laut des Hautkrebsreports der Techniker Krankenkasse nutzt in Niedersachsen etwa jeder fünfte Versicherte das Screening-Angebot. Und: laut dieses Reports ist Niedersachsen im Verhältnis zur Einwohnerzahl trauriger Spitzenreiter: 22.664 Menschen litten demnach 2017 unter schwarzem Hautkrebs.

Bester Schutz: Sonne meiden

Als bester Schutz vor Hautkrebs gilt es, die Sonne zu meiden. Vor allem zwischen 11 und 15 Uhr sollte man sich am besten nicht draußen aufhalten, so Lensing - und schon gar nicht am Strand oder Pool: "Strand und Wasser vervielfachen die UV-Einstrahlung wie in einem Spiegelsystem", so der Dermatologe. Damit normale Sonnencreme wirke, müsste man pro Quadratzentimeter zwei Milligramm Creme auftragen, so Lensing - und das mehrfach am Tag. Das sei unrealistisch.

Am besten unter einem Dach

Der Dermatologe empfiehlt sogenannte mineralische Sonnencreme, dazu T-Shirts mit Ärmeln - am besten aus UV-Schutz-Material. Wer draußen arbeitet, sollte auf jeden Fall eine Kopfbedeckung tragen, die auch den Nacken schützt, empfiehlt die Berufsgenossenschaft Bau. Am besten wäre es allerdings, wenn Arbeiter in der Mittagszeit nur noch unter einem Dach arbeiten oder die Sonne meiden könnten. Denn erst nach 15 Uhr lassen die UV-Strahlen wieder nach. Ob das realistisch ist, bleibt allerdings fraglich.

Weitere Informationen
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Zahl der Hautkrebsfälle nimmt zu

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Viele Sonnenanbeter setzen sich einer für ihren Hauttyp nicht angemessenen Sonnenbestrahlung aus. Mit fatalen Folgen: Immer mehr Menschen in Deutschland erkranken an schwarzem Hautkrebs. Video (02:49 min)

Dieses Thema im Programm:

Hallo Niedersachsen | 19.08.2019 | 19:30 Uhr

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