Stand: 17.01.2020 21:18 Uhr

Gegen das Agrarpaket: Traktor-Demos im Norden

Zum Start der Agrarmesse Grüne Woche in Berlin haben Bauern am Freitag bundesweit für ihre Interessen demonstriert. Im Zentrum der Kritik der Initiative Land schafft Verbindung (LSV) stehen die neue Düngeverordnung und strengere Vorgaben zum Arten- und Tierschutz. Außerdem fordern sie faire Preise für ihre Produkte. Auch in Norddeutschland beteiligten sich mehrere Tausend Landwirte mit ihren Treckern an Protest-Veranstaltungen. Schwerpunkte waren Hannover, Kiel, Heide und Bremen. In Mecklenburg-Vorpommern fuhren Hunderte Bauern auf mehreren Rundkursen in "Demo-Konvois". Es kam bis in den Abend vereinzelt zu Verkehrsbehinderungen.

Hannover: Leichte Verkehrsstörungen bei Rückfahrt

In Hannovers Innenstadt hatten etwa 1.750 Traktoren, mit denen rund 2.000 Landwirte in fünf Konvois aus dem ganzen Land angereist waren, rund um das Neue Rathaus und den Schützenplatz geparkt - und so nicht nur bei der Anfahrt für Verkehrsbehinderungen gesorgt. "Einerseits sollen wir das Klima schützen, andererseits bekommen wir eine Düngeverordnung, die genau das Gegenteil bewirkt", sagte Landwirt Stefan Jung aus dem Landkreis Osnabrück dem NDR am Rande der Kundgebung auf dem Trammplatz. Nur wenige Hundert Meter weiter trafen sich auf dem Opernplatz etwa 2.200 Klimaschützer für eine "Fridays for Future"-Kundgebung. Der Auftakt der Klima-Proteste in Hannover jährte sich am Freitag zum ersten Mal. Das Motto lautete dementsprechend: "Ihr wisst, warum wir streiken".

Die Polizei zeigte sich zufrieden mit dem Ablauf der Proteste, wie NDR 1 Niedersachsen berichtete. Auch bei der Abreise sei es nur zu leichten Verkehrsstörungen gekommen. Die Beamten hatten im Vorfeld an alle Bürgerinnen und Bürger appelliert, auf öffentliche Verkehrsmittel umzusteigen.

Kommentar

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Kiel und Heide: Landwirte reisen in Konvois an und ab

Rund 800 Trecker in Kiel, etwa 600 Traktoren in Heide: In Schleswig-Holstein demonstrierten ebenfalls viele Bauern für ihre Interessen, betonten dabei aber auch die Bereitschaft zum Dialog mit Politik und Verbrauchern. 1.000 Landwirte legten am Freitagvormittag mit ihren Fahrzeugen den Verkehr in der Kieler Innenstadt zeitweise lahm, wie NDR 1 Welle Nord berichtete. Sie fuhren in Konvois durch die Innenstadt. Bei der anschließenden Kundgebung auf dem Exerzierplatz sagte die Milchviehhalterin Uta von Schmidt-Kühl: "Wir demonstrieren für verlässliche Rahmenbedingungen in der Agrarpolitik. Wir brauchen Planungssicherheit."

Mit Losungen auf Transparenten wie "Ist der Bauer ruiniert, wird dein Essen importiert" und "Wir lieben unsere Bauern, nicht aber eure Politik" untermauerten die Landwirte ihre Positionen nicht nur in Kiel, sondern auch in Heide. Rund 1.000 Kundgebungsteilnehmer mit 600 Traktoren hatte die Polizei dort gezählt. Nach dem Ende der Veranstaltungen machten sich die Traktorfahrer laut hupend auf den Heimweg - die anderen Verkehrsteilnehmer mussten in beiden Städten Geduld aufbringen. Größere Störungen durch die Trecker-Kolonnen seien aber ausgeblieben, bilanzierte die Polizei. Bereits am frühen Morgen war zudem ein Konvoi mit etwa 20 Fahrzeugen von Hamberge im Kreis Stormarn in Richtung Berlin gestartet.

Schleswig-Holsteins Landwirtschaftsminister Jan Philipp Albrecht (Grüne) twitterte, auf der Grünen Woche gehe es um die Zukunft der Landwirtschaft: "Das ewige 'Weiter so' hat die Landwirtschaft in die Sackgasse getrieben. Wenn wir die Zukunft der Betriebe hier sichern wollen, brauchen wir eine krasse Kehrtwende bei der Frage, welche Art von Landwirtschaft gefördert werden soll."

Kiel und Heide: Protestierende Bauern, hupende Trecker

Mecklenburg-Vorpommern: Trecker auf Protest-Rundfahrten

In Mecklenburg-Vorpommern gab es Verkehrsbeeinträchtigungen auf wichtigen Bundes- und Landesstraßen, da die dortigen Traktor-Konvois bei ihren Rundfahrten nicht überholt werden konnten. Der Konvoi, der von Wismar über Schwerin zurück nach Wismar fuhr, erreichte eine Länge von etwa drei Kilometern. Das führte den Angaben der Polizei zufolge bis gegen 20 Uhr zu erheblichen Verkehrsbehinderungen, insbesondere auf der B 106 und in Wismar.

Nach Angaben der Organisatoren starteten die insgesamt vier Trecker-Konvois in Mecklenburg-Vorpommern gegen 15 Uhr - etwa 600 Landwirte nahmen mit Traktoren daran teil. Die zweite Route führte von Laage nach Rostock und zurück, eine weitere von Stralsund nach Greifswald und zurück, Route 4 schließlich von Neustrelitz nach Neubrandenburg und zurück.

Landes-Bauerpräsident Detlef Kurreck erneuerte seine Kritik an der Bundesregierung: "Wir sind mit den bisherigen Reaktionen der Politik auf die Bauernproteste nicht zufrieden. Im Gegenteil: Die Politik hat sich kaum auf die Angebote der Bauern zubewegt. Stattdessen wird auf Zeit gespielt."

Bremen: 4.000 Landwirte auf dem Marktplatz

Erstmals seit Beginn der Bauernproteste vor einigen Monaten war auch Bremen ein zentrales Ziel der Trecker-Sternfahrten. Laut Polizei waren etwa 4.000 Landwirte mit 3.500 Traktoren in die Stadt gekommen - vor allem aus dem niedersächsischen Umland, aus Ostfriesland und dem Emsland. Die Kundgebung auf dem Marktplatz verlief friedlich, wie Radio Bremen berichtete. Auch hier warnte die Polizei vor erheblichen Verkehrsbehinderungen bei der Rückfahrt und bat andere Autofahrer, die Konvois nicht zu überholen.

Hamburg: Gespräche "mit Verbrauchern und Politik"

In Hamburg fand dieses Mal nach Angaben von LSV keine Treckerdemo statt. Es gab jedoch Aktionen, "um mit Verbrauchern und Politik vor Ort Gespräche zu führen", so Sprecherin Silke Ladiges.

Gegenveranstaltung zu "Wir haben es satt"

Der bundesweite Aktionstag der Bauern - mit der größten Kundgebung in Berlin - war auch eine Gegenveranstaltung zu einer Demonstration von Umweltschützern am Sonnabend in der Hauptstadt, die unter dem Motto "Wir haben es satt" zu einer Agrarwende aufrufen.

Bereits im vergangenen Jahr gab es Demonstrationen von Landwirten. Dabei gab es teilweise erhebliche Verkehrsbehinderungen durch Trecker-Konvois in Norddeutschland.

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Bauern protestieren gegen Agrarpaket

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Mit 1.700 Traktoren sind Landwirte zu einer Kundgebung nach Hannover gereist, um gegen Umweltauflagen aus Berlin zu protestieren. Parallel dazu lief eine "Fridays for Future"-Demo. Bildergalerie

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Dieses Thema im Programm:

NDR Info | Aktuell | 17.01.2020 | 00:00 Uhr

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