Eine Person führt einen Schnelltest durch. © picture alliance / Geisler-Fotopress | Christoph Hardt Foto: Christoph Hardt

Häufigere Schnelltests zum Erkennen der Omikron-Variante sinnvoll

Stand: 18.01.2022 06:41 Uhr

PCR-Tests sollen bei großer Auslastung der Kapazitäten vor allem für die kritischen Bereiche wie Krankenhaus, Polizei und Feuerwehr reserviert werden. Schnelltests schlagen aber nicht immer oder erst später an.

von Korinna Hennig, NDR Info

Labormediziner warnen: Bei hoher Corona-Inzidenz sind die Test-Kapazitäten für PCR-Untersuchungen begrenzt. Umso wichtiger werden in dieser Phase der Pandemie wieder die Schnelltests - vor allem im Zusammenhang mit den neuen Quarantäne-Regelungen. Doch immer wieder berichten Infizierte, dass ihr Schnelltest nicht angeschlagen habe. Gibt es bei der Omikron-Variante also Probleme mit den Tests? Was kann die Wissenschaft dazu sagen?

Infektiologin Denkinger: "Sehr früh sehr viel Virus im Rachenraum"

Das klassische Omikron-Alltags-Beispiel geht so: Erkältungssymptome setzen ein - der Schnelltest, vorn in der Nase gemacht, ist aber negativ. Die Symptome werden stärker. Zur Kontrolle also ein Antigentest im Testcenter. Da wird ein Rachenabstrich gemacht, der ist klar positiv, die PCR bestätigt das. Kann der Schnelltest also Omikron nicht so gut erkennen? Die Infektiologin Claudia Denkinger sagt: doch. Sie forscht schon länger schwerpunktmäßig zu Schnelltests. Die Studienlage ist zwar nicht ganz eindeutig, es gibt Tests, bei denen im Labor mit einer vorgegebenen Virusmenge eine geringere Empfindlichkeit gegenüber Omikron festgestellt wurde. Aber dieser Effekt wird womöglich im echten Leben wieder aufgehoben. Denn: "Was bei Omikron anders ist, ist dass das Virus sich sehr früh sehr schnell vermehrt. Das heißt: Wir haben sehr früh sehr viel Virus im Rachenraum."

Schnelltest für die Nase nicht für den Rachen verwenden

Aber eben vor allem im Rachen. Der Abstrich in der Nase - da, wo die Selbsttests in der Regel gemacht werden - wird deshalb womöglich erst etwas später positiv. Dann aber - also vielleicht ein oder zwei Tage danach - erkennen gute Schnelltests auch vorn in der Nase wohl weiter neun von zehn Infizierten. Denkinger warnt aber davor, den Nasen-Schnelltest einfach auf eigene Faust für den Rachen zu nutzen: "Die Schnelltests sind größtenteils für die Nase zugelassen, insofern kann man die nicht einfach mit Rachenraumabstrich verwenden, vor allem bei Speichel bräuchte es eine ganz andere Zusammensetzung der Tests, der Pufferlösung vor allem, um das adäquat zu optimieren für Speichel. Weil: Das könnte die Sensitivität verringern oder einfach zu nicht validen Tests führen."

Viruslast steigt bei Omikron steil an

Dass die Viruslast bei Omikron oft so steil ansteigt, hat aber noch eine andere Auswirkung: Die Aussagekraft eines Tests kann sich sehr schnell ändern. Wer morgens noch negativ war, könnte schon nachmittags hoch ansteckend sein. "Wir denken, dass dieses Fenster, in dem die Schnelltests eben die Infektion nicht erkennen, aber die PCR es erkennen würde, ein bisschen kürzer ist und deshalb schwerer zu fassen ist. Das heißt: Wenn man Schnelltests verwenden möchte vor einem Treffen zum Beispiel, dann macht es Sinn, sich kurz vorher zu testen - und auch häufiger", erläutert die Infektiologin. Das heiße: Die Tests in den Schulen und Krankenhäusern seien eigentlich zu wenig.

Unterschied zwischen Geimpften und Ungeimpften

Christian Drosten, Direktor des Instituts für Virologie an der Berliner Charité, bei einer Pressekonferenz. © dpa picture alliance/dpa Pool Foto: Michael Kappeler
Geimpfte bekommen bei einer Infektion zwei oder drei Tage früher Symptome als Ungeimpfte, sagt Virologe Drosten.

Was die Aussagekraft der Schnelltests bei Geimpften angeht, kommt dazu allerdings noch eine Beobachtung. Vor Symptombeginn schlagen die Tests oft gar nicht an. Denn wer sich trotz Impfung infiziert, bekommt im Infektionsverlauf offenbar zwei oder drei Tage früher Symptome als Ungeimpfte. Das liegt daran, dass der Körper schneller auf das Virus reagiert und Botenstoffe auf den Weg bringt, erklärt der Virologe Christian Drosten. "Denn wenn jemand, sagen wir mal, als grundimmunisierter, als geimpfter Mensch dieses Virus hat, und das Virus macht eine Durchbruchsinfektion, dann ist dieses Immunsystem sofort getriggert. Da gibt es ja ein Immungedächtnis gegen dieses Virus. Die Immunzellen, die dann angesprochen werden, die machen sofort Zytokine, und das macht Symptome."

Am besten noch einen zweiten Test machen

Das heißt: Ungeimpfte sind meist kurz vor Symptombeginn am ansteckendsten. Bei Geimpften ist das wohl oft erst so, nachdem die Symptome eingesetzt haben. Das bedeutet in der Konsequenz aber auch: Ist ein Schnelltest negativ, wenn schon das erste Halskratzen oder sogar Gliederschmerzen da sind, sollte man ihm nicht gleich vertrauen, sondern in jedem Fall zu Hause bleiben und lieber 24 Stunden später einen zweiten Test machen. Infektiologin Denkinger hält die Schnelltests aber trotzdem für immens wichtig, auch wenn man keine Symptome hat. Es sei Fakt, dass es bei den Geimpften viel mehr Asymptomatische gebe, und dass da die Schnelltests weiterhin eine große Rolle spielen könnten, wenn regelmäßig getestet würde und wenn man dann auch die Hoch-Viruslast-Infektionen bei den Geimpften erkennen könnte.

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NDR Info | Aktuell | 18.01.2022 | 06:55 Uhr

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