Eine Deutschlandflagge weht hinter einem Wahlkreuz vor dem Bundestag. © fotolia.com Foto: pit24, opicobello

FAQ: Das Wichtigste zur Bundestagswahl

Stand: 23.09.2021 11:42 Uhr

Was muss ich zur Wahl mitbringen? Wofür sind Erst- und Zweitstimme? Wie funktioniert die Briefwahl? Fragen und Antworten zur Bundestagswahl am 26. September 2021.

Wann und wie wird gewählt?

Am 26. September 2021, einem Sonntag, findet die Bundestagswahl statt. Die Wahllokale haben von 8 bis 18 Uhr geöffnet. Der Bundestag wird laut Bundeswahlgesetz alle vier Jahre nach den Grundsätzen einer mit der Personenwahl verbundenen Verhältniswahl gewählt. Die Wählerinnnen und Wähler haben hierbei zwei Stimmen.

Was sind Erst- und Zweitstimmen?

Bei der Bundestagswahl darf jeder Wahlberechtigte zwei Kreuze auf dem Wahlzettel machen. Mit der Erststimme auf der linken Seite wählt man den Kandidaten oder die Kandidatin aus dem heimischen Wahlkreis. Wer die meisten Stimmen holt, zieht direkt ins Parlament ein. Es genügt somit die relative Stimmenmehrheit.

Mit der Zweitstimme auf der rechten Seite des Stimmzettels entscheiden sich die Wählerinnen und Wähler für eine Partei. Damit bestimmen sie, wie stark die Partei im Bundestag künftig vertreten sein wird. Der Anteil an Zweitstimmen entscheidet also darüber, wie viele Sitze die Parteien insgesamt erhalten - und damit auch, wer die Mehrheit zur Regierungsbildung erhält.

Eine Person macht ein Kreuz auf einem Wahlzettel. © dpa-Bildfunk Foto: Sebastian Gollnow
AUDIO: FAQ: Erst- und Zweitstimme (2 Min)

Was bedeutet Direktkandidat?

Das sind die Politikerinnen und Politiker, die ihren Wahlkreis im Bundestag vertreten und mit der Erststimme gewählt werden können. Der Direktkandidat mit den meisten Stimmen gewinnt den Wahlkreis und zieht auf jeden Fall in den Bundestag ein. Bedeutet: Jeder der 299 Wahlkreise bekommt schon mal einen Sitz im Parlament.

Was sind Überhangmandate?

Gewinnt eine Partei über die Erststimmen mehr Direktmandate als ihr nach dem Zweitstimmenanteil eigentlich zustehen, erhält sie sogenannte Überhangmandate. Die übrigen Parteien bekommen dann jedoch Sitze zum Ausgleich, damit die Zusammensetzung des Bundestags wieder dem Verhältnis der Zweitstimmen entspricht. Dadurch kann sich der Bundestag über die vorgesehene Anzahl von 598 Mandate hinaus erweitern. In der zu Ende gehenden Legislaturperiode von 2017 bis 2021 hatte der Bundestag aus diesem Grund 709 Abgeordneten-Sitze (inklusive 46 Überhangmandaten und 65 Ausgleichs-Sitzen).

Wann ist eine Stimme ungültig?

Sowohl Erst- als auch Zweitstimme sind ungültig, wenn der Stimmzettel nicht amtlich hergestellt ist und keine Kennzeichnung enthält. Geht man in ein Wahllokal mit einem Stimmzettel, der eigentlich für einen anderen Wahlkreis gilt, ist nur die Erststimme ungültig. Zudem sind auch Stimmen ungültig, wenn die Wahlabsicht nicht eindeutig erkennbar ist. Dies kann etwa der Fall ein, wenn mehrere Kreuze auf einer Seite des Wahlzettels gemacht oder wenn einzelne Kandidaten von einer Liste gestrichen wurden.

Enthält der Stimmzettel nur eine Stimmabgabe, so ist die nicht abgegebene Stimme ungültig. Außerdem sind bei der Briefwahl beide Stimmen ungültig, wenn der Stimmzettel nicht im amtlichen Stimmzettelumschlag abgegeben wurde oder wenn dieser leer war.

Was ist wegen der Corona-Pandemie zu beachten?

Die Bundestagswahl und die Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern werden am 26. September erstmals unter Corona-Bedingungen stattfinden. Die geltenden Regeln und Hygienemaßnahmen dafür stehen in den Corona-Verordnungen der Bundesländer. In den Wahllokalen gibt es zwar keine 3G-Regel, aber Hygienekonzepte, die Lüften, Abstandsregeln und eine Maskenpflicht für Wählerinnen und Wähler sowie Wahlhelfer beinhalten. Ausnahmen von der Maskenpflicht gibt es für Kinder unter sechs Jahren, die ihre Angehörigen ins Wahllokal begleiten und für Menschen, die ein ärztliches Attest vorweisen können. Außerdem wird darum gebeten, aus hygienischen Grünen einen eigenen Stift mitzubringen.

Was mache ich bei plötzlicher Erkrankung oder kurzfristiger Quarantäne?

In Ausnahmefällen - unter anderem bei einer plötzlichen Erkrankung oder einer kurzfristig angeordneten Corona-Quarantäne - können der Wahlschein und die Briefwahlunterlagen noch bis 15 Uhr am Wahltag bei der Gemeindebehörde beantragt werden. Das muss schriftlich erfolgen - also zum Beispiel per E-Mail. Zum Abholen und danach auch zum Zurückbringen der Unterlagen wird eine Boten benötigt. Diese Person muss beim Abholen im Wahlamt eine Vollmacht des oder der Wahlberechtigten vorlegen sowie den Nachweis der Quarantänepflicht. Damit der Stimmzettel mit ausgezählt werden kann, muss er bis spätestens um 18 Uhr am Wahltag beim zuständigen Wahlamt abgegeben oder in den Hausbriefkasten geworfen werden.

Wer darf wählen?

Wählen dürfen alle deutschen Staatsbürgerinnen und -bürger, die das 18. Lebensjahr vollendet haben, seit mindestens drei Monaten in der Bundesrepublik wohnen und nicht vom Wahlrecht ausgeschlossen sind. Unter bestimmten Voraussetzungen dürfen auch deutsche Staatsbürger wählen, die im Ausland leben. Ausländische Staatsbürger dürfen bei den Bundestagswahlen nicht abstimmen. EU-Bürger dürfen nur bei Kommunalwahlen mitwählen.

Bei den Bundestagswahlen 2021 sind etwa 60,4 Millionen Menschen wahlberechtigt.

Wo wird gewählt?

Hinweisschild zu Wahlurne in einem Wahllokal in Rostock © dpa-Bildfunk Foto: Bernd Wüstneck
Die Wahlbenachrichtigung verrät, in welchem Wahllokal man seine Stimme abgeben kann.

Gewählt wird in den Wahllokalen in den verschiedenen Wahlbezirken. In welchem Wahllokal man wählen darf, steht in der Wahlbenachrichtigung. Die bekommt jeder im Wählerverzeichnis eingetragene Wahlberechtigte bis spätestens 5. September per Post zugeschickt. Wer am Wahltag zum Beispiel nicht zu Hause ist, anderweitig verhindert ist oder den Tag lieber frei gestalten möchte und trotzdem wählen will, kann die Briefwahl beantragen und so auch schon vorab in der Gemeindebehörde wählen.

Was muss ich zur Wahl mitbringen?

Am Wahltag geht man mit der Wahlbenachrichtigung und dem Personalausweis zum jeweiligen Wahllokal. Wer die Wahlbenachrichtigung nicht dabei hat, kann auch nur mit dem Personalausweis einen Stimmzettel erhalten.

Wie komme ich an die Briefwahlunterlagen?

Hat man die Wahlbenachrichtigung erhalten, sind darauf auch alle weiteren nötigen Schritte zur Beantragung der Briefwahlunterlagen bei den Heimatgemeinden erläutert. Doch laut Wahlgesetz ist es nicht zwingend nötig, den Erhalt der Wahlbenachrichtigung abzuwarten. Anträge auf Briefwahl sollten so früh wie möglich formlos schriftlich - zum Beispiel per E-Mail - oder vor Ort in einer Wahldienststelle eingereicht werden. Briefwahlunterlagen können bis zum Freitag vor der Wahl (24. September 2021) bis 18 Uhr bei der Gemeinde beantragt werden. In Ausnahmefällen - unter anderem bei plötzlicher Erkrankung - können Wahlschein und Briefwahlunterlagen auch noch bis 15 Uhr am Wahltag beantragt werden.

Wie funktioniert die Briefwahl?

Der Wahlleiter erklärt das Vorgehen Schritt für Schritt: Eine oder beide Stimmen (Erst- und/oder Zweitstimme) persönlich und unbeobachtet auf dem Stimmzettel ankreuzen und den Stimmzettel anschließend in den blauen Umschlag (Stimmzettelumschlag) legen und zukleben. Die auf dem Wahlschein unten befindliche "Versicherung an Eides statt zur Briefwahl" mit Ort, Datum und Unterschrift versehen und den Wahlschein zusammen mit dem blauen Stimmzettelumschlag in den roten Wahlbriefumschlag stecken. Den roten Wahlbriefumschlag zukleben und ihn innerhalb Deutschlands unfrankiert (außerhalb Deutschlands ausreichend frankiert) in die Post geben oder bei der auf dem Umschlag angegebenen Stelle direkt abgeben.

Bei der Bundestagswahl 2017 haben insgesamt 13,4 Millionen Wählerinnen und Wähler (28,6 Prozent) per Briefwahl ihre Stimmen abgegeben. Weitere Infos gibt es auf der Internetseite des Bundeswahlleiters.

Weitere Informationen
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Wie viele Parteien stehen zur Wahl?

Zur Bundestagswahl treten 47 von insgesamt 54 zugelassenen Parteien an - 40 von ihnen mit eigenen Landeslisten, sieben nur mit Wahlkreiskandidatinnen und -kandidaten. Nicht alle Parteien treten in allen Bundesländern zur Wahl an.

Wer darf kandidieren?

Wer am Wahltag mindestens 18 Jahre alt ist und die deutsche Staatsbürgerschaft besitzt, kann sich als Abgeordnete oder Abgeordneter für den Bundestag wählen lassen. Personen, die wegen einer Straftat zu einer Freiheitsstrafe von mindestens einem Jahr verurteilt worden sind, verlieren für fünf Jahre das Recht, gewählt zu werden.

Von einer Partei oder von Wahlberechtigten können Wahlvorschläge eingereicht werden. Wahlberechtigte können nur Einzelbewerber für einen Wahlkreis vorschlagen, während Parteien auch Landeslisten mit mehreren Kandidaten einreichen können. Dabei entscheiden die Parteien selbst, ob sie nur in einem Land oder in mehreren oder allen 16 Ländern zur Bundestagswahl antreten.

Wer ist gewählt?

Der Bundestag besteht aus mindestens 598 Abgeordneten. 299 davon werden direkt in den Wahlkreisen gewählt. In den Bundestag zieht ein, wer als Direktkandidat die meisten Erststimmen in einem der 299 Wahlkreise erhalten hat. Die übrigen 299 Parlamentssitze werden mit Bewerbern von den Landeslisten der Parteien besetzt. Der Anteil an gültigen Zweitstimmen ist ausschlaggebend für die Gesamtzahl der Sitze, die eine Partei im Bundestag erhält. Möglicherweise gibt es außerdem noch Überhang- und Ausgleichsmandate.

Gibt es eine Wahlpflicht?

Nein, bei den Wahlen zum Deutschen Bundestag besteht keine Wahlpflicht. Wahlberechtigte, die nicht an der Wahl teilnehmen, werden also nicht bestraft.

Wann ist mit Ergebnissen zu rechnen?

Bereits wenige Stunden nach der Schließung der Wahllokale um 18 Uhr wird am 26. September 2021 das vorläufige Wahlergebnis verkündet. Am Tag nach der Wahl ermitteln die Kreis- und Landeswahlausschusse das Wahlergebnis für alle Direktkandidaten und die Zweitstimmenergebnisse in den Ländern. Dann stellt auch der Bundeswahlausschuss das Gesamtergebnis fest. Vom Bundeswahlleiter wird das amtliche Endergebnis zu einem späteren Zeitpunkt bekannt gegeben - bei der letzten Bundestagswahl im Jahr 2017 war das 18 Tage nach der Wahl der Fall.

Dieses Thema im Programm:

NDR Info | 26.09.2021 | 18:00 Uhr

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