Stand: 13.02.2020 13:49 Uhr

Durchatmen nach Sturmflut-Serie im Norden

Eine Person steht am Strand und schaut auf die aufgewühlte Nordsee. © dpa - Bildfunk Foto: Volker Bartels
Wie hier auf Norderney kann das stürmische Wetter auch ein echtes Schauspiel sein.

Am Mittwochabend dürften nicht wenige Rettungskräfte, ehrenamtliche Helfer und Anwohner entlang der deutschen Nordseeküste und Hamburg erst einmal erleichtert aufgeatmet haben: Nach dem Orkantief "Sabine" waren seit Montagabend fünf zum Teil schwere Sturmfluten hintereinander aufgelaufen - das hatte die Einsatzkräfte fast pausenlos beschäftigt. Durch das hohe Auflaufen des Wassers wurden einige Deiche beschädigt, vor allem auf den Inseln wurde jede Menge Sand von den Stränden gespült - wie etwa dem ostfriesischen Wangerooge oder Sylt und Föhr in Nordfriesland. Auf der Nordsee hatte das schlechte Wetter Folgen für einen Frachter, der vor den Niederlanden sieben Container mit Papier verlor.

Deiche an der Nordseeküste trotzen Orkantief "Sabine"

Die Deiche der schleswig-holsteinischen Nordseeküste haben den fünf Sturmfluten seit Montag nach Angaben des Umweltministeriums gut standgehalten. "Unsere Küstenschutzstrategie für die Deiche an Nord- und Ostsee hat sich in dieser schwierigen Situation bewährt", sagte Minister Jan Philipp Albrecht (Grüne) am Donnerstag. Auf Sylt habe die Sturmflutserie des Orkantiefs "Sabine" allerdings die Strände ausgeräumt und trotz umfangreicher Vorsorge an wenigen Stellen auch die Substanz der Insel angegriffen. In Hamburg hielten sich die Sachschäden trotz des fünfmal überfluteten Fischmarkts in einem überschaubaren Rahmen.

Eine Sturmflutserie mit Seltenheitswert

Von einer Sturmflut spricht man an der Nordseeküste, wenn die Pegelstände 1,50 bis 2,50 Meter über mittlerem Hochwasser (MHW) liegen. Bei einer schweren Sturmflut wird das MHW um 2,50 bis 3,50 Meter überschritten. Bei einer sehr schweren Sturmflut werden an der Nordsee mehr als 3,50 Meter über MHW erreicht.

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Blick auf die Außenalster bei diesigem Wetter © NDR Foto: Eduard Valentin

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Statistisch gesehen tritt eine leichte Sturmflut bis zu zehnmal im Jahr, eine schwere Sturmflut etwa alle zwei Jahre einmal auf. "Die Küstenschutzanlagen in Niedersachsen sind sehr gut auf Ereignisse dieser Art vorbereitet", sagte ein Sprecher des Niedersächsischen Landesbetriebs für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN). Fünf aufeinander folgende Sturmfluten hatte es nach Behördenangaben an der Westküste Schleswig-Holsteins zuletzt 1993 gegeben, in der Elbe 2015.

Sturmtief "Sabine" hatte Folgen für ganz Norddeutschland

Am vergangenen Sonntagnachmittag sowie in der darauffolgenden Nacht war das Orkantief "Sabine" mit voller Wucht erst auf die norddeutsche Küste, später dann auch auf das Binnenland getroffenen. Schwerverletzte gab es in Norddeutschland nicht, der Sturm richtete aber zum Teil schwere Sachschäden an. Die Behörden warnen auch weiter davor, Wälder zu betreten, da Bäume umstürzen und Äste herabfallen können.

Infolge des Orkantiefs waren sowohl der Fährverkehr auf Nord- und Ostsee beeinträchtigt als auch der Fern- und Regionalverkehr der Bahn sowie der Flugverkehr in Norddeutschland. Auch auf mehreren Autobahnen gab es zwischenzeitlich Behinderungen durch umgestürzte Bäume oder verschmutzte Fahrbahnen. Über die aktuelle Situation auf den Straßen im Norden informiert das NDR Verkehrsstudio.

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NDR Info | Nachrichten | 12.02.2020 | 21:45 Uhr

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