Zahlen und Grafiken: Kommt die zweite Corona-Welle?

Seit dem Start der Corona-Pandemie sammeln Behörden Zahlen über bestätigte Infektionen mit dem neuartigen Coronavirus Sars-CoV-2, das die schwere Erkrankung Covid-19 auslöst. NDR.de führt hier regelmäßig die neuesten Zahlen des bundeseigenen Robert Koch-Instituts (RKI) für Norddeutschland zusammen.

Corona-Grafik: Seismograf für eine zweite Welle

Ende Februar erreichte das Coronavirus Norddeutschland und die Anzahl der bestätigten Infizierten stieg schnell an. Diese erste Infektionswelle wurde überwunden. Nach dem ersten, wellenartigen Anstieg sanken die Fallzahlen. Doch zuletzt stiegen die bestätigten Infektionen wieder und es bleibt die Sorge vor einer zweiten Welle.

Oben stehende Grafik kombiniert unterschiedliche Berechnungsarten, um einen erneuten Anstieg der Infektionszahlen schnell und eindeutig sichtbar zu machen:

  • Kommt eine zweite Welle, werden die täglich gemeldeten Infektionszahlen steigen. Allerdings sind die Tageswerte anfällig für Schwankungen, etwa durch den Verzug in der Meldekette oder weniger Tests an den Wochenenden.
  • Diese Schwankungen soll ein Sieben-Tage-Mittelwert ausgleichen (durchgezogene grüne Linie): Er zeigt eine robustere Entwicklung. Geht diese Kurve nach oben, lässt sich schon eher von einem erneuten Anstieg sprechen.
  • Die gepunktete Linie bildet eine weitere Trendlinie (die sogenannte LOESS-Regression) ab. Beim "Locally Estimated Scatterplot Smoothing" wird eine Verteilung in viele Einzelstücke zerlegt und für jeden dieser Abschnitte ein eigener optimierter Wert berechnet. Das Ergebnis ähnelt dem Trend des Sieben-Tage-Mittels, liefert aber auch eine - mit Unsicherheiten behaftete - Prognose darüber, wie sich der Verlauf bis zum jüngsten Datum fortschreiben kann.

Die Kombination der drei Indikatoren erlaubt es, aktuelle Ausreißer in den Tagesmeldungen mit robusteren Trends zu vergleichen.

Verteilung der Coronavirus-Fälle auf die Landkreise

Der Corona-Ausbruch im Tönnies-Schlachthof im nordrhein-westfälischen Kreis Gütersloh hat gezeigt, wie schnell sich das Coronavirus lokal ausbreiten kann. Da immer wieder solche neuen Herde entstehen können, ist es wichtig, den Verlauf der Corona-Pandemie in den Landkreisen im Blick zu behalten.

Die Karte zeigt die Corona-Infektionen auf Landkreis-Ebene an. Die Einfärbung beschreibt die Zahl der neuen laborbestätigten Infektionen pro 100.000 Einwohner der vergangenen sieben Tage. Vor dem Hintergrund der Lockerungen der Corona-Maßnahmen hat diese Zahl enorm an Bedeutung gewonnen. Steigt dieser Wert über 50, können die Länder Einschränkungen verhängen. Weitere Detail-Informationen lassen sich per Mouseover oder Antippen (Smartphone) abrufen.

Zeitliche Entwicklung der Corona-Pandemie in den Landkreisen

Während die Kreiskarte den Ist-Zustand abbildet, kann auch die zeitliche Entwicklung der Pandemie Aufschlüsse über ihre regionale Verbreitung geben. So lassen sich etwa spontane Anstiege in den Infektionszahlen - wie bei den Corona-Ausbrüchen im Juni in zwei Göttinger Hochhäusern - sichtbar machen. Die folgenden Grafiken zeigen deshalb die kumulierten Verläufe für Infektionen und Todesfälle auf Ebene der Kreise und kreisfreien Städte.

Tägliche Coronavirus-Neuinfektionen in den Bundesländern

Die folgende Grafik zeigt, wie viele im Labor bestätigte Corona-Infektionen aus den Bundesländern Schleswig-Holstein, Hamburg, Niedersachsen, Bremen und Mecklenburg-Vorpommern an das Robert Koch-Institut gemeldet wurden. Allerdings sind die jeweils jüngsten Zahlen nicht komplett. Die Behörden melden immer noch neue Fälle nach. Das lässt sich auch am Verlauf der Säulen erkennen: An Wochenenden werden weniger Fälle bekannt, zu Wochenbeginn gibt es einen höheren Ausschlag wegen der Nachmeldungen, die am Sonnabend und Sonntag liegen blieben.

Neue vom RKI gemeldete Covid-19-Todesopfer

Jeden Tag meldet das RKI auch die Todesfälle. Wenn Patienten sterben, geschieht das in der Regel zwei bis vier Wochen nach dem Ausbruch der Infektion.

Altersverteilung bei Infektionen: Erst die Alten, dann die Jungen

In der Altersverteilung der Infizierten in Norddeutschland wird deutlich, dass zu Beginn der Pandemie tendenziell eher Menschen im oder nahe des Rentenalters betroffen waren, während Jugendliche seltener positiv auf das Coronavirus getestet wurden. Dieses Verhältnis hat sich im Verlauf der Pandemie gedreht. Es gibt mehrere Gründe, die einen solchen Effekt hervorrufen können. Das kann zum einen daran liegen, dass die behördlichen Schutzmaßnahmen funktioniert haben. Aber auch geänderte Test-Strategien können ein Teil der Erklärung sein.

Haben Sie Fragen und Anregungen? Schreiben Sie uns an data@ndr.de.

Hinweise zu den RKI-Daten

  • Das RKI zählt labor-diagnostizierte Fälle. Die Ausbreitung von Sars-CoV-2 ist also aller Wahrscheinlichkeit nach größer als die bestätigten Infektionsfälle.
  • Wegen des Meldeverzugs tauchen neue Fälle meist Tage später in den Daten auf. Zum Teil werden Fälle, die Wochen zurückliegen, nachgemeldet. Die meisten nachgemeldeten Fälle verteilen sich auf die vergangenen drei bis vier Tage. Vorsicht ist vor allem an Wochenenden und Feiertagen geboten. Letztlich bedeutet das: Abflachende Infektionskurven können ein trügerisches Bild zeichnen.
  • Die Zählung der Todesfälle des RKI kann von der Zählung der Bundesländer abweichen, da Bundesländer wie Hamburg nur Fälle zählen, bei denen Covid-19 als Todesursache festgestellt wurde.
  • Schließlich kann eine veränderte Strategie beim Testen die Zahlen beeinflussen: Je mehr getestet wird, desto mehr Infizierte wird man finden.

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