Schüler der 6. Klasse des Goethe-Gymnasiums in Hamburg machen einen Corona-Schnelltest © picture alliance /dpa Foto: Christian Charisius

Corona-Zahlen für Landkreise: Hohe Inzidenz nach den Schulferien

Stand: 17.08.2021 09:00 Uhr

Die Ständige Impfkommission (Stiko) empfiehlt Corona-Impfungen nun auch für 12- bis 17-Jährige. Das dürfte viele Eltern freuen: Denn wo die Sommerferien enden, steigt die Inzidenz bei den Schulkindern. Drastisch ist der Effekt in Hamburg und SH.

von Anna Behrend

Dass insbesondere Jugendliche und junge Erwachsene derzeit stark von Corona-Neuinfektionen betroffen sind, zeigt der zeitliche Verlauf der Inzidenzen in Norddeutschland.

In Hamburg und SH infizieren sich derzeit vor allem Schulkinder

Ein Blick auf die Deutschlandkarte zeigt: In den meisten Landkreisen und kreisfreien Städten weist die Gruppe der Jugendlichen und jungen Erwachsenen von 15 bis 34 Jahre die höchste Inzidenz auf. In Schleswig-Holstein sowie in einigen anderen Bundesländern wie Hamburg oder Berlin dominiert jedoch die Gruppe der 5- bis 14-Jährigen, also vor allem jüngere Schulkinder, das Infektionsgeschehen.

Der Verdacht liegt nahe, dass das Ende der Sommerferien in den Bundesländern die Infektionszahlen in den jüngeren Altersgruppen beeinflusst. Denn in Schleswig-Holstein, Hamburg, Mecklenburg-Vorpommern, Berlin und Brandenburg sind die Schülerinnen und Schüler bereits in die Klassenzimmer zurückgekehrt.

Schleswig-Holstein, Hamburg, Berlin: Starker Anstieg seit Ende der Sommerferien

Betrachtet man die Inzidenz bei den 5- bis 14-Jährigen im Zeitverlauf, zeigt sich in Schleswig-Holstein, Hamburg und Berlin tatsächlich ein deutlicher Anstieg seit dem Ende der Sommerferien. Etwas weniger deutlich fällt der Anstieg in Brandenburg aus.

In Mecklenburg-Vorpommern, wo die Schulzeit ebenfalls schon wieder begonnen hat, ist die Inzidenz in dieser Altersgruppe nach einem anfänglichen Anstieg wieder leicht zurückgegangen. Schülerinnen und Schüler dürfen in Mecklenburg-Vorpommern sogar wieder ohne Maske lernen, wenn das Infektionsgeschehen ein bestimmtes Maß nicht überschreitet.

Niedersachsen: Schulstart erst im September

In Niedersachsen kehren die Schülerinnen und Schüler erst Anfang September in die Klassenzimmer zurück. Die Inzidenz bei den 5- bis 14-Jährigen steigt hier bislang nur moderat an. "Wir bemühen uns sehr, mit dem Schuljahresbeginn im Präsenzmodus zu starten und dort auch zu bleiben", heißt es aus dem dortigen Kultusministerium auf Nachfrage. Mit Maßnahmen wie "Maskenpflichten in unterschiedlicher Ausgestaltung", regelmäßigen Pflichttests zu Hause vor dem Schulbesuch, Lüften, Hygieneregeln und freiwilligen Impfangeboten werde versucht, den Präsenzunterricht abzusichern.

Alles nur ein Effekt verstärkter Testungen an Schulen?

Doch breitet sich das Virus unter den Schülerinnen und Schülern überhaupt wirklich stärker aus oder werden sie einfach häufiger getestet als andere Gruppen und sind deshalb überproportional stark bei den Infektionen vertreten?

"Die Schulen sind wieder geöffnet. Und da dort konsequent getestet wird, werden aktuell auch mehr infizierte Personen identifiziert", sagt Helmut Fickenscher, Direktor des Instituts für Infektionsmedizin an der Christian-Albrecht-Universität zu Kiel. Dies erkläre sicherlich einen Teil des Anstiegs in der jungen Altersgruppe in Schleswig-Holstein und Hamburg. Außerdem seien mit dem Ende der Ferienzeit Infektionen vom Urlaubsort eingeschleppt worden. Auch dies trage zum Ansteigen der Zahlen bei, ebenso wie die Tatsache, dass die Impfquote bei den 12- bis 17-Jährigen noch vergleichsweise niedrig sei.

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Wie viel pro Bundesland und pro Altersgruppe genau getestet wird, ist nicht bekannt. Die vom Robert Koch-Institut (RKI) wöchentlich veröffentlichten Daten geben lediglich Testzahlen pro Bundesland oder bundesweite Zahlen pro Altersgruppe an. Zudem haben die RKI-Daten verschiedene Schwachstellen: Unter anderem werden die Testergebnisse dem Bundesland zugeschrieben, in dem das jeweilige Labor ansässig ist, nicht dem Wohnort der getesteten Person. "Die Einzugsgebiete vieler Labore gehen aber weit über die Landesgrenzen hinweg", sagt Infektionsmediziner Fickenscher aus Kiel. "Diese Daten sind in diesem Zusammenhang nur begrenzt aussagefähig."

Mehr Tests und höhere Positivquote

Betrachtet man die verfügbaren Testzahlen des RKI für Schleswig-Holstein dennoch als ersten Anhaltspunkt, so zeigt sich, dass seit Mitte Juli tatsächlich mehr getestet wurde. Gleichzeitig stieg auch der Anteil positiver Tests an, was darauf hindeuten könnte, dass tatsächlich auch mehr Infektionen vorlagen. Wie viele der Tests bei Schülern durchgeführt wurden und welche sich etwa auf Reiserückkehrer zurückführen lassen, ist jedoch nicht ersichtlich.

Weiterhin wenige junge Covid-19-Intensivpatienten

Trotz hoher Inzidenz ist der Anteil der Kinder und Jugendlichen an den Covid-19-Patienten auf Intensivstationen weiterhin sehr gering. Denn das Risiko für einen schweren Verlauf ist erst ab einem Alter von 50 bis 60 Jahren deutlich erhöht.

Quarantäne von Lehrern kann öffentliches Leben lahmlegen

Virologin Sandra Ciesek vom Deutschen Zentrum für Infektionsforschung wies jedoch kürzlich im NDR Info Podcast Coronavirus-Update darauf hin, dass eine hohe Inzidenz unter Jüngeren nicht unbedingt akzeptabel sei, nur weil das Gesundheitssystem durch sie nicht überlastet werde. Eine hohe Inzidenz könne die Entstehung neuer Mutationen fördern, so Ciesek: "Das würde dazu führen, dass viele jüngere Menschen an Long-Covid erkranken und vielleicht viele Monate im Beruf ausfallen." Auch sei eine wichtige Kennzahl, wie viele Menschen aktuell in Quarantäne seien. "Wenn auf einmal ganz viele Lehrer in Quarantäne sind oder andere Berufsgruppen, dann funktioniert unser öffentliches Leben nicht mehr", sagt die Wissenschaftlerin. "Dann hat man, glaube ich, auch nicht wirklich gewonnen."

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Dieses Thema im Programm:

NDR Info | NDR MV Live | 17.08.2021 | 09:00 Uhr

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