Christian Drosten © picture alliance Foto: Christophe Gatea

Corona-Podcast: Drosten sieht derzeit keine Gefahr durch Mutationen

Stand: 11.11.2020 11:50 Uhr

Im NDR Info Podcast schätzt der Virologe Christian Drosten Mutationen des Coronavirus wie bei Nerzen in Dänemark derzeit als ungefährlich für die Impfstoffentwicklung ein.

von Sonja Puhl

Die Erfolgsmeldung kam am Montag von der Mainzer Firma Biontech und ihrem US-Partner Pfizer: Der von ihnen entwickelte Impfstoff könne in mehr als 90 Prozent der Fälle eine Covid-19-Erkrankung verhindern. In der neuen Podcast-Folge des "Coronavirus-Update" bewertet Christian Drosten, der Leiter der Virologie in der Berliner Charité, diese Zwischenmeldung als sehr positiv. "Man sieht im Moment einen Schutz gegen die Infektion, der beeindruckend ist." Die Zahl von 90 Prozent könne sich zwar durchaus im Verlauf der Studie nach unten korrigieren, aber prinzipiell scheine dieser Impfstoff eine gute Schutzwirkung zu haben. Drosten sagt, er hätte keine Bedenken, sich mit diesem Wirkstoff impfen zu lassen.

Detailfragen zu Biontech-Impfstoff noch nicht publiziert

Bisher hat Biontech allerdings erst eine Pressemitteilung, keine Studie veröffentlicht. Viele Fragen sind also noch offen. Etwa ob man trotz Impfung erkranken kann, dann aber möglicherweise mit milderem Verlauf - und ob diese Infizierten immerhin andere Menschen nicht anstecken können.

Mutationen bei Nerzen in Dänemark

Dänemark geht derzeit drastisch gegen eine Corona-Variante vor, die zuerst bei Nerzen aufgetreten und vereinzelt im Spätsommer auf Menschen übergangen ist. Millionen Pelztiere werden getötet. Virologe Drosten sieht darin vor allem eine Vorsichtsmaßnahme von Seiten der Politik. Seiner Einschätzung nach verbreitet sich das mutierte Coronavirus im Moment nicht schnell: "Es ist gut möglich, dass es schon längst nicht mehr im Menschen zirkuliert." Eine Gefahr für die Impfstoff-Entwicklung durch Virus-Mutationen sieht Drosten derzeit nicht.

Verlangsamt der Teil-Shutdown den Anstieg der Corona-Neuinfektionen?

Nach gut einer Woche Teil-Shutdown in Deutschland hat das Robert Koch-Institut heute bundesweit 15.332 Neuinfektionen gemeldet, deutlich weniger als am Sonnabend, als rund 23.400 neue positive Corona-Fälle registriert wurden. Die Kurve scheint sich also leicht abzuflachen. Woher dieser Effekt schon jetzt kommt, darüber kann Drosten nur spekulieren. Möglicherweise hätte die Bevölkerung das tägliche Leben bereits vor dem Teil-Shutdown von sich aus vorher heruntergefahren. Oder die niedrigeren Zahlen kämen daher, dass die Gesundheitsämter nicht mehr mit der Kontaktnachverfolgung und die Labore nicht mehr mit den Analysen hinterherkommen, sodass viele Fälle möglicherweise unentdeckt bleiben.

Welche Rolle spielen Schulen für die Corona-Verbreitung?

Viele Studien zur Rolle der Schulen stammen aus der Zeit des ersten Shutdowns, als - anders als jetzt - auch die Schulen und Kitas geschlossen waren. Wohl auch deshalb hat sich in der Gesellschaft lange die Vermutung gehalten, dass Kinder weniger betroffen sind. Jetzt aber gibt es Antikörper-Studien zu Schulen, die aufzeigen, wie viele unentdeckte Infektionen es bei Kindern gegeben hat. "Der Eindruck erhärtet sich, dass die Schuljahrgänge genauso zum Verbreitungsgeschehen beitragen wie andere Altersgruppen in der Bevölkerung", fasst Drosten zusammen.

Eigenverantwortliche Quarantäne könnte Infektion eindämmen

Insgesamt ist mehr und mehr Eigenverantwortung gefragt. Denn die Gesundheitsämter kommen mit der Nachverfolgung der Kontakte kaum noch hinterher. Für besonders problematisch hält Drosten auch den Zeitverzug: Ein Infizierter ist ein paar Tage vor und mindestens eine Woche nach Symptombeginn ansteckend. Getestet wird aber meist erst bei Symptombeginn. Bis das Ergebnis nach Tagen kommt, sei eigentlich schon alles zu spät, rechnet Drosten vor. Eine Idee: Bei Verdacht auf eine Infektion könnte man einen Antigentest beim Hausarzt machen und sich bei positivem Befund selbst freiwillig isolieren. Die Kontaktpersonen müssten - soweit möglich - in Quarantäne gehen. "Die Tür dazu geöffnet hat die Wissenschaft in Form der jetzt verfügbaren Antigentests", sagt Christian Drosten. Aber die gesetzliche Grundlage dafür, diese Möglichkeit der Infektionseindämmung in der Praxis umzusetzen, fehle noch.

Das Coronavirus © CDC on Unsplash Foto: CDC on Unsplash

AUDIO: Die neue Podcast-Folge: Keine Angst vor Mutationen (83 Min)

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