Stand: 11.01.2020 14:42 Uhr

Bau von Windkraftanlagen bricht drastisch ein

Der Ausbau der Windenergie ist im vergangenen Jahr fast zum Erliegen gekommen. Selbst in Niedersachsen, dem Windland Nummer eins, wurden lediglich 54 neue Anlagen in Betrieb genommen. Das geht aus einer Auswertung der Fachagentur Windenergie an Land hervor. Die Gesamtleistung der neu gebauten Windräder in Niedersachsen liegt demnach bei 181,2 Megawatt - ein Minus von rund 75 Prozent im Vergleich zu 2018.

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SPD stellt Windrad-Prämie in Aussicht

02.01.2020 19:30 Uhr
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Wegen der fehlenden Akzeptanz der Anwohner kommt der Ausbau der Windenergie nur schleppend voran. Deshalb will die SPD nun finanzielle Anreize schaffen und Klagen erschweren. Video (01:59 min)

Mecklenburg-Vorpommern: Auch hier kaum Neubauten

In Mecklenburg-Vorpommern gingen im vergangenen Jahr 29 neue Windräder mit einer Leistung von 96 Megawatt ans Netz. Das ist der niedrigste Wert seit 2000. Zuletzt waren es noch 38 Anlagen gewesen. "Wir sehen das mit großer Sorge", sagte der Vorsitzende des Windenergie-Netzwerks Mecklenburg-Vorpommern, Andree Iffländer. "Es wird etwas in Gefahr gebracht, was mühsam aufgebaut wurde."

Schleswig-Holstein mit größtem Einbruch

Einen noch größeren Rückgang verzeichnet Schleswig-Holstein. Hier beschränkte sich der Netto-Zubau im Jahr 2019 auf lediglich zehn Anlagen mit zusammen 38,1 Megawatt. Das Minus von 94,5 Prozent im Vergleich zum Durchschnitt der vergangenen fünf Jahre ist das größte bundesweit.

Niedrigster Wert seit 1998

Im Vergleich mit den anderen Bundesländern belegt Niedersachsen immerhin noch auf Rang zwei. Lediglich in Brandenburg wurden 2019 drei Windräder mehr gebaut. Bundesweit gingen 276 neue Windkraftanlagen mit einer Gesamtleistung von 940 Megawatt ans Netz. Unter 1.000 Megawatt lagt der Jahreszubau zuletzt im Jahr 1998. Bis 2030 will die Bundesregierung den Anteil des Ökostroms auf 65 Prozent steigern. Um das erreichen zu können, müssten nach Berechnungen des Energieverbands BDEW jährlich jedoch zwischen 2,9 und 4,3 Gigawatt aus Windkraftanlagen an Land zugebaut werden.

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Enercon-Krise: Das Schicksal der Mitarbeiter

30.12.2019 19:30 Uhr
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Der Stellenabbau beim Windanlagenhersteller Enercon hat viele getroffen. Serhad Özdemir war sieben Jahre bei der Tochterfirma WEC Turmbau beschäftigt. Im Sommer kam die Kündigung. Video (02:47 min)

Krise kostet zahlreiche Arbeitsplätze

Die Krise der Windkraft hat erhebliche wirtschaftliche Auswirkungen. Nach Angaben von Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) sind in den vergangenen drei Jahren bereits mehr als 40.000 Arbeitsplätze verloren gegangen. Zuletzt hatte der Windkraftanlagenbauer Enercon aus Aurich angekündigt, rund 3.000 Stellen abzubauen. 91 der bundesweit 276 neuen Windräder, die im vergangenen Jahr ans Netz gegangen sind, kommen von Enercon.

Diverse Gründe für Rückgang

Als Gründe für den Einbruch beim Ausbau der Windkraft gelten langwierige Genehmigungsverfahren, zu wenig ausgewiesene Flächen sowie viele Klagen von Bürgerinitiativen. Zudem kritisiert die Branche den vom Bund geplanten 1.000-Meter-Mindestabstand von neuen Windrädern zu Wohnhäusern. In Niedersachsen zum Beispiel hält nur ein Bruchteil der bestehenden rund 6.400 Anlagen diese Distanz ein. Die niedersächsische Landesregierung hat deshalb bereits angekündigt, diese Regelung nicht übernehmen zu wollen.

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Der Windanlagenhersteller Enercon aus Aurich stellt keine Rotorblätter mehr in Deutschland her. Drei Zulieferer schließen. 656 Mitarbeiter können in Transfergesellschaften wechseln. (02.01.2020) mehr

Windrad-Prämie: Lob und Kritik für SPD-Initiative

Um den Widerstand gegen neue Windräder zu überwinden, will die SPD Anwohner entschädigen. Für die Initiative des SPD-Bundestagsabgeordneten Miersch gibt es in Niedersachsen Lob und Kritik. (02.01.2020) mehr

Nordländer warnen vor Rückbau der Windkraft

Die norddeutschen Länder fürchten um die Windkraftbranche. Die Ministerpräsidenten fordern den Bund auf, die Windenergie konsequent auszubauen. Dazu legten sie einen Elf-Punkte-Plan vor. (29.11.2019) mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 11.01.2020 | 07:00 Uhr