Stand: 12.03.2018 00:00 Uhr

Norddeutsche Firmen liefern Waffen in alle Welt

von Christoph Prössl, NDR Korrespondent im ARD-Hauptstadtstudio Berlin
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Die Lürssen-Werft mit Sitz in Bremen baut in Mecklenburg-Vorpommern Patrouillenboote für Saudi-Arabien.

Die Liste der genehmigten Ausfuhren ist lang: 2016 erhielten Unternehmen aus Niedersachsen die Erlaubnis, Lenkflugkörper, Torpedos, Patronenmunition, Geschosse, Treibladungen für Waffen und Zielsuchköpfe nach Algerien zu liefern. Außerdem Kriegsschiffe nach Malaysia, Handgranaten nach Südafrika, Maschinenkanonen nach Jordanien. Die Auflistung zeigt: Von deutschen Rüstungsexporten profitieren Unternehmen aus dem Norden ganz erheblich. In den Jahren 2014 bis 2017 genehmigte die Bundesregierung norddeutschen Konzernen Ausfuhren im Wert von insgesamt 5,4 Milliarden Euro. Das geht aus einer Antwort auf eine Anfrage der Bundestagsabgeordneten Katja Keul (Grüne) hervor, die NDR Info exklusiv vorliegt. 2017 betrug der Wert 1,2 Milliarden Euro.

Norddeutsche Unternehmen profitieren erheblich

Der Wert der Einzelgenehmigungen für Rüstungsgüter inklusive Kriegswaffen für die Jahre 2014 bis 2017 lag für alle Unternehmen aus Deutschland bei knapp 25 Milliarden Euro. Auf norddeutsche Unternehmen entfiel demnach ein Anteil von rund 22 Prozent. Die Anfrage berücksichtigte Genehmigungen für Konzerne aus Schleswig-Holstein, Niedersachsen, Bremen und Hamburg. "Aus der Antwort der Bundesregierung kann man sehr schön entnehmen, dass eben nicht nur - wie häufig verbreitet - Bayern oder Baden-Württemberg an Rüstungsexporten beteiligt sind", sagt Keul dazu. "Gerade auch Unternehmen aus dem norddeutschen Raum profitieren in nicht unerheblichem Maße von Kriegswaffenexporten gerade auch in Drittstaaten." Als Drittstaaten werden Länder bezeichnet, die nicht der NATO oder der Europäischen Union angehören.

Panzer für sogenannte Drittstaaten

Für schleswig-holsteinische Firmen wurde zwischen 2014 und 2017 der Export von U-Booten nach Israel und Ägypten genehmigt. "Schiffe schlagen natürlich kostenmäßig besonders zu Buche, da ein U-Boot bereits eine halbe Milliarde kostet und auch die Kriegsschiffe der Lürssen-Werft ein großer Posten sind", sagt Keul. "Nicht zu vernachlässigen sind aber auch die Panzer, die exportiert werden - und das auch in Krisenregionen und Drittstaaten."

Patrouillenboote und U-Boote für Saudi-Arabien

Die Lürssen-Werft baut auch für die deutsche Marine Schiffe. Das Unternehmen mit Sitz in Bremen stellt derzeit unter anderem in Mecklenburg-Vorpommern Patrouillenboote für Saudi-Arabien her. In Schleswig-Holstein baut Thyssen Krupp Marine Systems U-Boote.

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NDR Info | Aktuell | 12.03.2018 | 06:00 Uhr

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