Stand: 09.08.2019 06:00 Uhr

Marine-Auftrag: Gehen Werften im Norden leer aus?

von Christoph Prössl, NDR Info

Europaweit oder ausschließlich national? Die Debatte um die Vergabe von großen Schiffbau-Aufträgen für die Deutsche Marine geht weiter. Schon 2015 hatte es Kritik an der Vergabepraxis gegeben, weil eine niederländische Werft bei einer fünf Milliarden Euro schweren Ausschreibung für ein Mehrzweckkampfschiff zum Zuge hätte kommen können. Daraufhin wollte die Große Koalition ihre Politik ändern. Doch nun steht erneut eine europäische Ausschreibung an für zwei neue Tankschiffe für die Marine.

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Die Werft German Naval Yards in Kiel möchte den Auftrag für die Tanker gerne bekommen.

Die neuen Tankschiffe sollen länger sein, mehr Kraftstoff bunkern können, schneller fahren und vor allem sollen es sogenannte Doppelhüllentanker werden. Das sind Schiffe, die wesentlich sicherer Treibstoff transportieren können. International ist das mittlerweile Standard. Die neuen Tanker sollen Schiffe aus den 1970er-Jahren ablösen.

Der Inspekteur der Marine hat bereits entschieden, welche Merkmale die neuen Tanker haben sollen. Auf Anfrage des NDR teilte eine Sprecherin des Verteidigungsministeriums schriftlich mit: "Die Vergabe wird derzeit vorbereitet. Es ist beabsichtigt, die Leistung im Rahmen eines europäischen Wettbewerbs zu vergeben."

Das verwundert einige Politiker, beispielsweise den CDU-Bundestagsabgeordneten Eckhardt Rehberg aus Mecklenburg-Vorpommern: "Ich bin erstaunt über die Aussage des Verteidigungsministeriums, dass man für den Neubau der Marinetanker eine europäische Ausschreibung plant. Denn die Bundesregierung hat im Frühjahr angekündigt, den Überwasserschiffbau zur Schlüsseltechnologie zu erklären."

Auch Ministerpräsident Günther setzt sich für Werften ein

Wenn der Marine-Schiffbau eine Schlüsseltechnologie wäre, dann müsste auch nicht mehr europäisch ausgeschrieben werden, so die Idee vieler Politiker, die an die heimischen Werften denken. Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Daniel Günther (CDU) beispielsweise hat in den vergangenen Monaten dafür gekämpft, die norddeutschen Werften zu stärken.

Viele Politiker ärgern sich noch immer darüber, dass das neue Mehrzweckkampfschiff der Marine vor vier Jahren europäisch ausgeschrieben wurde. Die beiden Generalunternehmer, die im Bieterverfahren bis in die entscheidende Runde kamen, waren das niederländische Unternehmen Damen und die Kieler Werft German Naval Yards. Aus dem Rennen flog damals die Lürssen-Werft aus Bremen.

Kritische Stimmen auch innerhalb der Marine

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Auch in der Marine selbst gibt es kritische Stimmen. Die Deutschen seien die einzigen, die europäisch ausschreiben, heißt es. Alle anderen EU-Mitgliedsstaaten vergäben national. Die europäische Konkurrenz ist gefürchtet. Der französische Konzern Naval beispielsweise zählt 13.000 Mitarbeiter, der Staat ist mit 62 Prozent an dem Konzern beteiligt.

Und auch die Industrie mit Sitz in Deutschland würde lieber ohne langwierige Verfahren Aufträge umsetzen. Zur Ankündigung, zwei neue Tanker auszuschreiben, sagte Heiko Landahl-Gette, Sprecher von German Naval Yards, dem NDR, der Konzern habe die Expertise und Infrastruktur für den Bau der Versorgungsschiffe. Sobald das Unternehmen gefragt werden würde, könnte die Werft einen solchen Tanker sofort bauen. Ingenieure, die Doppelhüllentanker gebaut haben, beschäftigt German Naval Yards auch noch.

Rehberg mit klarer Forderung an die Regierung

CDU-Politiker Rehberg fordert die Bundesregierung auf, den Überwasserschiffbau möglichst schnell als Schlüsseltechnologie einzustufen. Im Mai habe der Bundestag die Regierung dazu aufgefordert: "Ich erwarte von der Bundesregierung und dem Verteidigungsministerium, dieser Aufforderung nun zügig nachzukommen."

Der Koordinator für maritime Wirtschaft, Norbert Brackmann (CDU), wollte sich dem NDR gegenüber nicht äußern. Er ließ schriftlich mitteilen, noch in diesem Jahr solle eine entsprechende Entscheidung im Kabinett gefällt werden. Doch bis dahin könnte die europäische Ausschreibung längst laufen.

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NDR Info | Infoprogramm | 09.08.2019 | 07:08 Uhr

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