Stand: 26.03.2020 09:20 Uhr  - NDR Kultur

Beethoven: Tausende kamen zum Trauerzug

von Friederike Westerhaus
Bild vergrößern
Vor 193 Jahren starb Ludwig van Beethoven - im Alter von 56 Jahren.

Er war ein Gigant der Musikgeschichte: Ludwig van Beethoven. In diesem Jahr feiern wir seinen 250. Geburtstag. Heute jedoch ist der Todestag des Komponisten. Er starb am späten Nachmittag des 26. März 1827 in Wien.

In seinen letzten Jahren hatte Ludwig van Beethoven an diversen Krankheiten gelitten und sein Zustand sich zusehends verschlechtert. Auch intensive ärztliche Betreuung konnte ihn nicht retten. Laut Obduktionsbericht starb Beethoven an den Folgen einer Leberzirrhose. Er wurde 56 Jahre alt.

Die Ordnungskräfte hatten alle Hände voll zu tun, Familie und Freunde kamen nur mit Mühe zu ihren Plätzen: Tausende kamen zu dem Trauerzug für Ludwig van Beethoven am 29. März 1827 - drei Tage nach seinem Tod. Der Zug führte von seiner Wiener Wohnung zur Dreifaltigkeitskirche. "Die musikalische Welt erlitt den unersetzlichen Verlust des berühmten Tondichters" - so stand es auf der Einladung zu diesem "Leichenbegängniss".

Trauerzug als makaberes Gesellschaftsereignis

Bild vergrößern
Andrew Manze: "Beethoven hat die Komponisten befreit zu experimentieren, auszuprobieren, tiefer zu gehen, ehrlicher zu sein."

Der Komponist hatte einen regelrechten Kultstatus erreicht, erzählt Andrew Manze, der Chefdirigent der NDR Radiophilharmonie. "Beethoven war am Ende seines Lebens extrem bekannt - und er sorgte für Kontroversen. Die einen hielten ihn einfach für einen verrückten Komponisten, der sehr moderne Musik schrieb. Andere sahen den großen Wert in dem, was er tat", so Manze. Beethovens Beerdigung wurde zum Gesellschaftsereignis. Und viele wollten einen letzten Blick auf den geöffneten Sarg erhaschen.

"Ein trauriger Fakt ist, dass die Leute Scheren mitbrachten. Alle wollten etwas von seinem Haar als Andenken behalten. Als der Sarg geschlossen wurde, war Beethoven fast kahl", weiß Manze. Dieser Hype mag über eines hinwegtäuschen: Beethoven hatte es schwer am Ende seines Lebens. Er litt unter seiner Taubheit und anderen Krankheiten, konnte nicht mehr als Pianist auftreten und war in finanzieller Not. "Wir wissen, dass die Royal Philharmonic Society in London ihm 100 Pfund schickte, als sie von seiner Krankheit hörte. Das war sehr viel Geld, und er brauchte es dringend", berichtet Manze.

Beethoven setzte neue Maßstäbe

Konzerttipp
NDR Elbphilharmonie Orchester

"Konzert des Tages": 5. Sinfonie von Beethoven

NDR Elbphilharmonie Orchester

Die Konzerte sind abgesagt, aber mit Schätzen aus dem Archiv des NDR Elbphilharmonie Orchesters kommt die Klassik zu Ihnen. Hören Sie Beethovens herausragende 5. Sinfonie. Am Pult: Thomas Hengelbrock. mehr

Mit seinen Werken hatte Beethoven jedoch neue Maßstäbe gesetzt. Komponisten wie Johannes Brahms und Anton Bruckner hatten Schwierigkeiten, aus seinem Schatten herauszutreten - gerade, wenn es um das Schreiben von Sinfonien ging. Für Andrew Manze ist Beethoven ein Wendepunkt: "Die Musikgeschichte ist in Vor-Beethoven und Nach-Beethoven geteilt. Er ging seinen ganz eigenen Weg. Zuvor hatten die Komponisten Musik für einen Auftraggeber oder ein bestimmtes Ereignis komponiert. Beethoven aber schrieb die Musik, die er schreiben wollte."

Im Kosmos Beethovens lässt sich immer wieder Neues entdecken - auch für einen Dirigenten wie Andrew Manze, der sich intensiv mit diesem Komponisten beschäftigt hat: "Wenn ich etwas von Beethoven höre, staune ich ganz oft. Das kann ein frühes Stück sein wie die Klaviertrios Opus 1. Er hat immer revolutionär geschrieben. Ganz offensichtlich wird das in den letzten Klaviersonaten und Streichquartetten. Da schaut er in die Zukunft. Aber auch die Missa solemnis, die ihm sehr wichtig war, ist ein Stück, das ich ehrlich gesagt noch immer nicht ganz verstehe."

Die Musiksprache sei gar nicht so modern. Aber trotzdem bewundere Manze dieses unglaubliche Werk. "Beethoven hat wirklich die Grenzen erweitert, und wir werden das vielleicht nie ganz verstehen", so der Dirigent.

Weitere Informationen
NDR Radiophilharmonie

Beethoven Symphonies 5 & 7

NDR Radiophilharmonie

Nach den Aufnahmen der Mendelssohn-Sinfonien und den späten Mozart-Sinfonien präsentiert die NDR Radiophilharmonie unter Andrew Manze Beethovens Sinfonien Nr. 5 und 7. mehr

02:17
Hamburg Journal

Beethovens "Ode an die Freude" für die Nachbarn

Hamburg Journal

Auch dem Pianisten Hector Docx in Eppendorf brechen derzeit die Auftritte weg. Daher hat er bei einer bundesweiten Aktion mitgemacht - und Beethoven für seine Nachbarn gespielt. Video (02:17 min)

Kultur trotz Corona: Die digitale NDR Bühne

Die Corona-Krise führt zu einer kulturellen Dürre im Norden. Die NDR Bühne hält dagegen und zeigt online verschiedene Inhalte aus Theater, Musik oder Kunst. mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Matinee | 26.03.2020 | 09:20 Uhr

Mehr Kultur

44:31
Unsere Geschichte
44:02
Unsere Geschichte