Kristina Staneck demonstriert Atemübungen © NDR.de Foto: Annette Matz

Corona-Hilfe: Staatsoper unterstützt Long-Covid Patienten

Stand: 29.04.2021 12:55 Uhr

Opernsänger der Hamburgischen Staatsoper helfen Long-Covid-Patienten mit digitalem Gesangscoaching. Gezielte Atemübungen sollen die angeschlagene Atemmuskulatur stärken. Am Projekt ist auch das UKE beteiligt.

von Annette Matz

Mezzosopranistin Kristina Staneck steht vor einem kleinen Bildschirm und ist mittendrin in ihrer Coaching-Stunde, diesmal für Jornalisten. Es seien Atemübungen, die sie auch selbst fast täglich vor jeder Probe oder Vorstellung macht. Bei Long-Covid-Patienten sollen sie die Luftnot mildern, wie die Sängerin erklärt: "Damit sich bei ihnen das Zwerchfell wieder entspannt und die Atmung tiefer geht." Vielleicht könne ein Patient auf diese Weise sogar seine Lungenkapazität etwas zurückgewinnen.

Zwei Mal die Woche treffen sich Sänger und Sängerinnen der Staatsoper ehrenamtlich mit Long-Covid-Patienten und -Patientinnen. Ihre Atemmuskulatur ist durch die Corona-Infektion nachhaltig geschwächt. Wie bei Ivan Kirr. Im November war er an Corona erkrankt. Für ihn bringen die Atemtrainingsstunden bei Kristina Stanneck eine große Erleichterung: "Ich hab mich gequält beim Einatmen. Die Atemtechniken haben sehr befreiend auf mich gewirkt", sagt er.

Zusammenarbeit zwischen UKE und Oper - schöne und konkrete Hilfe

Kristina Staneck demonstriert Atemübungen © NDR.de Foto: Annette Matz
Mezzosopranistin Kristina Staneck demonstriert die "Lax Vox"-Übung.

Eine Freude ist die Zusammenarbeit zwischen UKE und Oper auch für den Intendanten George Delnon - Corona lähmt die Kultur eben doch nicht ganz: "Für mich ist das die absolut schönste und konkreteste Hilfe, die eine Kulturinstitution gegen die Krankheit irgendwie aufbieten kann. Das reflektiert auch ein bisschen die ganze Zeit: Was kann ich selber tun, um zu helfen."

Im April hat das Projekt begonnen und läuft sechs Wochen. 15 Patienten und Patientinnen sind dabei. Am Anfang und am Ende werden die Ergebnisse wissenschaftlich ausgewertet. Das Projekt wird vom Leiter der Pneumologie am UKE , Hans Klose, begleitet. Noch gebe es natürlich keine belastbaren Ergebnisse, aber: "Wir machen das ja gemeinsam mit Hamburger Lungenärztinnen und -ärzten. Und eine hat mich begeistert angerufen und gesagt, also den Patienten, den müsse ich mir mal persönlich angucken, der sei derartig besser geworden."

Signal-Projekt mit Fortsetzung

Ein Leuchtturm-Projekt sei es. Klein, aber mit einem großen Vorbild in London. Dort seien die London Opera und das englische Gesundheitssystem Träger und hätten die Zusammenarbeit sogar noch größer aufgezogen. "Wir machen das kleiner. Wir wissen aber auch aus Untersuchungen bei anderen chronischen Lungenerkrankungen, wie zum Beispiel Asthma, dass Singen sehr helfen kann."

Der Pilotpatient von Kristina Staneck ist Leistungssportler, wie sie erzählt, hat ein gutes Körperbewusstsein und spürt sofort, wie sich die Übungen anfühlen. Gesungen wird zwar nicht, aber so was Ähnliches: "Wir haben ein bißchen 'gelaxvoxt'. Ich weiß gar nicht, ob man das so sagt. Das ist ein Silikonschlauch und da blubbert man auf 'U' hinein und fühlt sich ganz wohl." Man wolle ein Signal setzen, sagt Mediziner Hans Klose, und fange klein an. Eine Fortsetzung soll geplant werden - aber das brauche Zeit, Raum und Geld.

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Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Klassisch in den Tag | 29.04.2021 | 08:15 Uhr

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