Stand: 02.05.2015 13:20 Uhr  | Archiv

Am seidenen Faden: Hamburgs Weg zur Kapitulation

Briten loten Möglichkeit einer Kapitulation aus

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Albert Schäfer übernimmt eine heikle Mission: Er soll einen Brief überbringen, der die kampflose Kapitulation Hamburgs einleitet.

Der britische Captain nutzt das Zusammentrefffen, um sich in Einzelgesprächen mit den Emissären nach der Möglichkeit einer kampflosen Kapitulation Hamburgs zu erkundigen. Als Militärangehörige dürfen Burchard und von Laun allerdings lediglich über das Lazarett verhandeln - und halten sich daran. Zivilist Schäfer jedoch erklärt, dass die Hamburger nach seiner Einschätzung kriegsmüde seien und Gauleiter Karl Kaufmann vernünftig handeln werde. Daraufhin entschließt sich Lindsay, Schäfer ein Schreiben an den Kampfkommandanten Wolz mitzugeben. Darin fordert Lindsays Vorgesetzter Generalmajor Lewis Lyne die Hansestadt zur kampflosen Kapitulation auf.

Unterhändler Schäfer überbringt brisantes Schreiben

Am 30. April schicken die Briten Schäfer zurück nach Hamburg zu Wolz - mit dem brisanten Schreiben unter der Einlegesohle seines rechten Schuhs. Eine heikle Mission: Wäre der Brief entdeckt worden, hätte Schäfer als Hochverräter gegolten. Doch er kommt durch. Der Kampfkommandant empfängt Schäfer im Befehlsbunker in der Rothenbaumchaussee und erklärt sich bereit, bei Reichsstatthalter Kaufmann die Zustimmung zur Kapitulation zu erwirken. Mit Erfolg: Angesichts der aussichtslosen militärischen Lage versperrt sich der Gauleiter nicht mehr der Einsicht, dass der Krieg verloren ist. Er willigt ein, die kampflose Übergabe der Hansestadt vorzubereiten.

Nachricht vom Tod Hitlers

Hamburgs NSDAP-Gauleiter Karl Kaufmann bei einer Rede © dpa/ Picture-Alliance

Gauleiter Karl Kaufmann spricht zu Hamburgern

Am 3. Mai 1945 kündigt Kaufmann im Reichssender Hamburg die bevorstehende Besetzung durch die Briten an.

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Mitten in diese sensiblen Vorbereitungen platzen am 1. Mai zwei Meldungen. Über den Reichssender Hamburg wird - mit einem Tag Verspätung - die Nachricht vom Tod Adolf Hitlers verbreitet. Zudem erfährt Wolz, dass er in Kürze abgelöst werden soll. Eile ist geboten. Noch am Abend des 1. Mai begeben sich zwei deutsche Offiziere auf Weisung von Wolz zu den Briten und überbringen Generalmajor Lyne das Antwortschreiben: Darin erklärt sich die Hamburger Führung bereit, die kampflose Übergabe der Stadt zu verhandeln.

Dönitz erfährt von Kapitulations-Absichten

Einen Tag später versetzt eine Veröffentlichung der "Hamburger Zeitung“ die Bevölkerung in Aufruhr. Ab dem Mittag des 2. Mai ist im Schaufenster der Zeitung ein Abdruck des Aufrufs zu lesen, der im Fall einer Kapitulation verbreitet werden soll. Davon erfährt auch Hitlers Nachfolger, Großadmiral Dönitz. Obwohl er nicht in die Verhandlungen eingebunden war, stimmt er der kampflosen Übergabe Hamburgs zu. Denn inzwischen haben die Briten Lübeck und die US-Amerikaner Wismar eingenommen.

Kapitulation bei Lüneburg besiegelt

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Über die Mönckebergstraße rollen die britischen Panzer am Abend des 3. Mai 1945 Richtung Rathaus.

Noch am Abend des 2. Mai begibt sich Wolz zu Generalmajor Lyne und bereitet mit den Briten die Kapitulation vor. Am nächsten Morgen fährt er ins Hauptquartier der Zweiten britischen Armee nach Häcklingen bei Lüneburg. Dort unterschreibt er die Kapitulationsurkunde. Unterdessen verbreitet der Rundfunk seit den frühen Morgenstunden die Nachricht, dass die Briten am Nachmittag einmarschieren werden. Zwischen 13 und 19 Uhr herrscht Ausgangssperre.

3. Mai 1945: Hamburg in britischer Hand

In drei großen Marschsäulen aus Richtung Buxtehude, Tötensen und Hittfeld rollen die britischen Truppen ab 16 Uhr auf die Hamburger Innenstadt zu. Um 18.25 Uhr übergibt Wolz vor dem Rathaus die Stadt Hamburg an den britischen Brigadegeneral John Michael Spurling. Am 4. Mai wird Karl Kaufmann, eine Woche später Bürgermeister Krogmann festgenommen. Ab sofort kontrollieren die Briten alle Bereiche des öffentlichen Lebens.

"Unglaubliche Leistung"

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Captain Thomas Martin Lindsay bringt Ende April 1945 die Verhandlungen über eine kampflose Übergabe Hamburgs ins Rollen.

Die Hamburger Bevölkerung ist erleichtert, dass endlich Frieden herrscht. Daran haben Alwin Wolz, Albert Schäfer und Captain Thomas Lindsay einen großen Anteil. "Lindsay hat eine unglaubliche Rolle gespielt, eine unglaubliche Leistung vollbracht, indem er diesen schmalen Weg so entschlossen gegangen ist“, urteilt der Buchautor Uwe Bahnsen.

Lindsay kehrt nach England zurück und wirkt dort als Komponist und Übersetzer. Wolz muss für zwei Jahre in Kriegsgefangenschaft. Danach lebt er als Bauer in Bayern. In späteren Jahren leitet er den Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge. Der mutige Zivilist Schäfer übernimmt Ende 1946 für neun Jahre den Posten des Präses der Hamburger Handelskammer.

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Dieses Thema im Programm:

NDR Fernsehen / Unsere Geschichte - Hamburg 1945 / 23.04.2015 / 20:15 Uhr

 

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