Stand: 20.09.2014 09:20 Uhr  | Archiv

1974: Köhlbrandbrücke begeistert die Hamburger

von Janine Kühl, NDR.de

25 Jahre: Ein Wahrzeichen feiert Jubiläum

1999 feiert die Stadt das 25-jährige Bestehen der zweitlängsten Straßenbrücke Deutschlands. Sie werde "ganz sicher eine Sehenswürdigkeit von Hamburg werden", hatte Bundespräsident Scheel bei der Eröffnung gesagt. Tatsächlich hat sich die eindrucksvolle Brücke zu einem Wahrzeichen der Stadt entwickelt, das die Veranstalter von großen Sportereignissen gern in ihre Streckenführung einbeziehen. Im Gegensatz zur Einweihung ist der Andrang auf das Bauwerk zum 25. Geburtstag allerdings kleiner als gedacht: Lediglich 100.000 Besucher kommen zu den Feierlichkeiten und genießen den Blick über Hafen und Hansestadt, der sonst den Kraftfahrern vorbehalten ist.

Die Köhlbrandbrücke: Verkehrsader und Wahrzeichen

Studie zeigt: Neubau unvermeidlich

Zehntausende Fahrzeuge überqueren täglich die Köhlbrandbrücke. Deswegen werden regelmäßig Reparatur- und Erhaltungsarbeiten durchgeführt. Eine Untersuchung der Technischen Universität Hamburg-Harburg aus dem Jahr 2008 aber zeigt: Wenn weiterhin im bestehenden Rhythmus Instandsetzungsmaßnahmen durchgeführt werden, wird sich die Unterhaltung der Brücke nur noch bis etwa 2030 rechnen. Danach würde ein Neubau - unabhängig von der weiterhin gegebenen Tragfähigkeit und Verkehrssicherheit - wirtschaftlicher sein.  

Die Köhlbrandbrücke in Zahlen

Bauzeit: 1970 – 1974
Länge: 3.618 Meter
Durchfahrtshöhe: 53 Meter bei mittlerem Tidehochwasser
Material: 81.000 Kubikmeter Beton, 12.700 Tonnen Stahl
Stützen: 75 Pfeiler, 2 Pylonen, 88 Tragseile
Nutzung: 36.000 Fahrzeuge täglich, davon rund 12.000 LKW

Überholverbot soll Belastung verringern

2011 stellt sich heraus, dass der Verkehr die Brücke viel stärker belastet als angenommen. Die Hamburg Port Authority (HPA) baut eine Waage in die Fahrbahn ein und kommt zu alarmierenden Ergebnissen. Täglich überqueren 36.000 Fahrzeuge den Köhlbrand, davon etwa ein Drittel LKW. Diese sind inzwischen größer und schwerer, als in den Berechnungen aus den 1970er-Jahren angenommen. Als Konsequenz daraus gilt seit 2012 ein Überholverbot für LKW, um extreme Belastungen zu vermeiden.

Durchfahrtshöhe zu niedrig für Container-Riesen

Zur maroden Bausubstanz kommt ein weiteres Problem: Die Brücke ist zu niedrig. Für moderne Containerschiffe ist die Durchfahrtshöhe jetzt schon knapp; bald wird sie zu gering sein. Künftige Container-Riesen können nicht nach Altenwerder fahren. Doch gerade dieser Teil des Hamburger Hafens soll ausgebaut werden.

Wird die Brücke abgerissen?

Seit März 2014 läuft eine umfassende Grundinstandsetzung des nun 40 Jahre alten Bauwerks, die 2016 abgeschlossen werden soll. Dabei wird die Brücke in allen Bereichen umfassend bewertet. "Die Ergebnisse sollen die HPA in die Lage versetzen, eine bessere Einschätzung der Restlebensdauer zu bekommen. Wir rechnen damit, dass alle Ergebnisse der Nachrechnung voraussichtlich Ende 2016/Anfang 2017 vorliegen", so Tomas Buhr, Leiter Anlagenmanagement Brücken bei der HPA. "Nach den bisherigen aktuellen Untersuchungen kann die Köhlbrandbrücke wohl noch rund 20 Jahre wirtschaftlich betrieben werden."

Im Juni 2012 verkündet Bürgermeister Olaf Scholz, was seit mehreren Jahren lediglich angedeutet oder vermutet wurde: Die Köhlbrandbrücke soll abgerissen und durch einen Neubau ersetzt werden. Viele Hamburger äußern sich bestürzt und traurig. Zu diesem Zeitpunkt geht der Senat von 20 Jahren Restlebenszeit für die Brücke aus. Die Ergebnisse der laufenden Untersuchungen werden in den kommenden Jahren zeigen, welche konkreten Baumaßnahmen zu welchem Zeitpunkt getroffen werden müssen. Überlegungen für einen Neubau gibt es bereits. Zusätzlich könnte eine südlich verlaufende Hafenquerspange zwischen der A 1 und der A 7 die Verkehrsdichte entlasten.

Dieses Thema im Programm:

Hamburg Journal | 14.09.2014 | 19:30 Uhr

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